Deutsche Tageszeitung - Syrische Armee bombardiert kurdische Stadtviertel von Aleppo

Syrische Armee bombardiert kurdische Stadtviertel von Aleppo


Syrische Armee bombardiert kurdische Stadtviertel von Aleppo
Syrische Armee bombardiert kurdische Stadtviertel von Aleppo / Foto: © AFP

In Syrien dauern die heftigen Gefechte zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern in der Großstadt Aleppo an. Auch am Donnerstag bombardierte die Armee kurdisch kontrollierte Stadtteile, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf Militärkreise meldete. Zuvor war eine Frist zur Evakuierung der Zivilbevölkerung abgelaufen.

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Seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad im Dezember 2024 wird das im Norden Syriens gelegene Aleppo von der neuen islamistischen Übergangsregierung kontrolliert. Nur die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh standen bisher noch unter der Kontrolle kurdischer Einheiten, die Verbindungen zu den mehrheitlich kurdischen Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und anderen kurdischen Milizen im Nordosten des Landes haben.

Gemäß eines im März zwischen Damaskus und den SDF geschlossenen Abkommens sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Doch trotz internationalen Drucks wurde das Abkommens bislang nicht umgesetzt, die Stadtviertel Scheich Maksud und Aschrafijeh unter der Kontrolle kurdischer Einheiten.

Die Kämpfe waren zu Beginn der Woche entflammt. Seither flohen laut Medienberichten rund 16.000 Menschen, mindestens 17 Menschen wurden bislang getötet. Die Armee hatte die Bewohner Aleppos gewarnt, sie betrachte alle Militärstellungen der SDF als "legitime militärische Ziele".

Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi war am Sonntag für weitere Gespräche über das Abkommen nach Damaskus gereist, die jedoch ergebnislos blieben. Die jüngsten Angriffe "während des Verhandlungsprozesses untergraben die Chancen auf eine Einigung", erklärte Abdi am Donnerstag.

AFP-Reporter berichteten von verbarrikadierten Geschäften in der Stadt, auch Schulen und Universitäten blieben am Donnerstag weiterhin geschlossen. Der Flugverkehr am Flughafen von Aleppo blieb eingestellt, die Flugsperre wurde zunächst bis Freitag verlängert.

Die EU-Kommission, deren Spitzenvertreter am Freitag zu einem Besuch in Damaskus erwartet werden, rief angesichts der jüngsten Angriffe "alle Seiten" zur Zurückhaltung auf. "Wir verfolgen die Entwicklungen in und um Aleppo mit großer Sorge, insbesondere die Berichte über zivile Opfer", sagte ein Kommissionssprecher in Brüssel.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte beide Seiten ebenfalls zur Zurückhaltung auf. Die Verhandlungen über das Abkommen von März sollten rasch wieder aufgenommen werden.

Der israelische Außenminister Gideon Saar verurteilte das Vorgehen der syrischen Regierungstruppen und bezeichnete deren Angriffe als "schlimm und gefährlich". Besonders westliche Länder stünden in der Schuld der Kurden, die "tapfer und erfolgreich" in Syrien und im Irak gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft hätten.

Die Türkei dagegen, die eine mehr als 900 Kilometer lange Grenze zu Syrien teilt, bot der syrischen Armee ihre Unterstützung im Kampf gegen kurdische Kämpfer an. "Wenn Syrien uns um unsere Mithilfe bittet, wird die Türkei die nötige Unterstützung leisten", erklärte das türkische Verteidigungsministerium in Ankara.

Die syrischen Kurden kontrollieren einen Großteil des ölreichen und für seinen fruchtbaren Ackerboden bekannten Nordostens des Landes. Seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 genossen sie dort de facto Autonomie. Beim Sieg über den IS in Syrien 2019 spielten die von den USA unterstützten SDF eine entscheidende Rolle.

Seit Assads Sturz hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Dschihadisten Ahmed al-Scharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht zu schützen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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