Deutsche Tageszeitung - Proteste im Iran: Chamenei bezeichnet Demonstranten als "Vandalen"

Proteste im Iran: Chamenei bezeichnet Demonstranten als "Vandalen"


Proteste im Iran: Chamenei bezeichnet Demonstranten als "Vandalen"
Proteste im Iran: Chamenei bezeichnet Demonstranten als "Vandalen" / Foto: © UGC/AFP

Im Iran hat es in der Nacht zum Freitag die größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle vor knapp zwei Wochen gegeben. In mehreren Städten richteten die Demonstranten wütende Slogans gegen die religiöse und politische Führung des Landes. Das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei bezeichnete die Protestteilnehmer am Freitag als "Vandalen" und richtete eine Warnung an US-Präsident Donald Trump. Beobachtern zufolge war das von den Behörden gekappte Internet auch am Freitagmorgen noch gesperrt.

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In der Hauptstadt Teheran strömten in der Nacht zahlreiche Menschen auf den weitläufigen Ajatollah-Kaschani-Boulevard, wie auf von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Sie skandierten Slogans wie "Tod dem Diktator". Auf anderen Bildern war eine protestierende Menschenmenge in der westiranischen Großstadt Abadan zu sehen.

Auch aus weiteren iranischen Städten, darunter Täbris im Norden des Landes und Maschhad im Zentrum, übertrugen persischsprachige Exilsender Aufnahmen größerer Proteste. Auch im von vielen Kurden bewohnten Westen des Landes, einschließlich der Stadt Kermanschah, gingen die Menschen auf die Straße.

Die Demonstranten riefen wiederholt Parolen, mit denen sie den Sturz der Machthaber in Teheran forderten, darunter "Pahlavi wird zurückkehren" - unter Bezugnahme auf Reza Pahlavi, den Sohn des 1979 im Zuge der islamischen Revolution gestürzten Schahs Mohammad Reza Pahlavi.

In mehreren Videos war zu sehen, wie Protestteilnehmer in der zentraliranischen Stadt Isfahan den Eingang zum Regionalstudio des Staatsfernsehens in Brand setzten. Auch auf anderen Aufnahmen waren brennende Regierungsgebäude zu sehen: In Schasand, der Hauptstadt der zentraliranischen Provinz Markasi, stand der Sitz des Gouverneurs in Flammen.

Die Proteste im Iran dauern seit mittlerweile fast zwei Wochen an. Sie hatten sich am Zorn über die hohen Lebenshaltungskosten und die schlechte Wirtschaftslage entzündet. Seit Beginn der Protestwelle am 28. Dezember gab es Versammlungen in mindestens 50 Ortschaften und Städten vor allem im Westen des Landes.

Die in London ansässige Organisation NetBlocks teilte am Freitagmorgen im Onlinedienst X mit, das Land sei nun "seit zwölf Stunden offline (...) in dem Versuch, die umfassenden Proteste zu unterdrücken". Am Vortag hatte NetBlocks einen "fast vollständigen landesweiten Internet-Blackout" gemeldet.

Derweil meldete sich der in der iranischen Exil-Opposition aktive Pahlavi am Freitag mit einer weiteren Online-Botschaft zu Wort. Die Proteste am Donnerstag, zu denen er aufgerufen hatte, hätten gezeigt, wie "eine riesige Menschenmenge die repressiven Kräfte zum Rückzug zwingt". Am Freitag sollten nun noch mehr Menschen auf die Straße gehen, "damit die repressive Macht des Regimes noch schwächer wird", erklärte er.

Ayatollah Chamenei bezeichnete die Protestierenden am Freitag als "Vandalen" und "Saboteure". Die Islamische Republik werde "nicht zurückweichen", sagte er in einer vom Staatsfernsehen übertragenen Rede vor Anhängern. An US-Präsident Donald Trump gerichtet sagte er, dessen Hände seien "mit dem Blut von mehr als tausend Iranern befleckt". Wie die bis 1979 im Iran herrschende Schah-Dynastie sei Trump "arrogant" und werde "gestürzt".

Trump hatte zuvor seine Drohungen gegen die Führung in Teheran bekräftigt. "Ich habe ihnen klargemacht, dass wir hart durchgreifen werden, wenn sie anfangen, Menschen zu töten, was sie bei ihren Unruhen - und sie haben viele Unruhen - häufig tun", sagte er in einem Radiointerview.

Seit Beginn der Proteste wurden nach jüngsten Angaben der Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Norwegen mindestens 45 Demonstranten getötet, darunter acht Minderjährige. Iranische Behörden und Medien meldeten bislang 21 Tote, darunter auch Sicherheitskräfte.

(L.Svenson--DTZ)

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