Deutsche Tageszeitung - Grönland-Krise: Debatte um Boykott von Fußball-WM in den USA

Grönland-Krise: Debatte um Boykott von Fußball-WM in den USA


Grönland-Krise: Debatte um Boykott von Fußball-WM in den USA
Grönland-Krise: Debatte um Boykott von Fußball-WM in den USA / Foto: © AFP/Archiv

Die US-Drohungen gegenüber Grönland haben in Deutschland eine Debatte über einen möglichen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten ausgelöst. Wenn US-Präsident Donald Trump seine "Drohungen in Bezug auf Grönland umsetzt und einen Handelskrieg mit der EU anzettelt, ist für mich kaum vorstellbar, dass europäische Länder an der Fußball-WM teilnehmen", sagte der CDU-Sicherheitspolitiker Roderich Kiesewetter der "Augsburger Allgemeinen" vom Dienstag.

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"Es muss klar sein, dass damit die transatlantische Partnerschaft mit den USA am Ende wäre", betonte Kiesewetter. Er forderte allerdings, alles dafür zu tun, "dass es nicht so weit kommt". Die EU müsse nun entschlossen "ihr Instrumentarium" einsetzen. Der CDU-Politiker brachte unter anderem Gegenzölle und Steuern für Digitalunternehmen ins Spiel.

Die Sport-Ausschussvorsitzende und SPD-Politikerin Aydan Özoguz sieht durch Trumps Drohungen ebenfalls die Aussichten auf die Fußball-WM getrübt. "Unter welchen Bedingungen diese Spiele angepfiffen werden sollen, ist völlig unklar", sagte sie der "Augsburger Allgemeinen". "Was bei einer Einreise in die USA mit Fans passieren kann, ebenfalls."

Es werde "schwierig, friedlich Fußballspiele zu genießen, während gleichzeitig Erpressungen aus den USA gegenüber Europa im Raum stehen", betonte Özuguz. Ob und unter welchen Rahmenbedingungen die Weltmeisterschaft stattfinde, liege aber in der Verantwortung der FIFA. Die Autonomie des Sports sei hier zu respektieren.

Der Grünen-Außenpolitiker Boris Mijatovic riet Fußball-Anhängern auch aus Sicherheitsgründen davon ab, zur WM zu reisen. "Es ist für Fans nicht sicher, zu dieser Weltmeisterschaft zu reisen", sagte Mijatovic dem "Stern". Er bezog sich dabei auch auf die tödlichen Schüsse eines US-Grenzschutzbeamten auf eine Frau in Minnesota. "Ich kann jedem Fan nur dazu raten, die WM-Spiele in den USA zu boykottieren."

Die Trump-Administration habe die USA "systematisch zu einem Polizeistaat geformt", betonte Mijatovic. Wenn diese Entwicklungen in den USA nicht korrigiert würden, müsse die Bundesregierung "zu einem diplomatischen Boykott der WM-Spiele in den USA aufzurufen". Dabei würde die Regierung keine offiziellen Vertreter zu der WM entsenden.

Am Montag hatte bereits der SPD-Wirtschaftspolitiker Sebastian Roloff gegenüber dem "Handelsblatt" eine Absage der deutschen WM-Teilnahme ins Spiel gebracht. Auch der Ökonom Lucas Guttenberg von der Bertelsmann-Stiftung forderte dies gegenüber der Zeitung.

Ein Boykott europäischer Länder würde Trump "an seiner empfindlichsten Stelle treffen: an seiner Eitelkeit", betonte Guttenberg. Eine WM ohne europäische Teams wäre aus seiner Sicht sportlich und medial weitgehend irrelevant.

Die WM findet vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt. Deutschland hat sich qualifiziert. Ein Regierungssprecher hatte am Montag gesagt, ein möglicher WM-Boykott spiele in den aktuellen Erwägungen der Bundesregierung "keine Rolle".

(U.Beriyev--DTZ)

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