Deutsche Tageszeitung - Mercosur-Abkommen: EU-Parlament sorgt mit EuGH-Anrufung für Verzögerung

Mercosur-Abkommen: EU-Parlament sorgt mit EuGH-Anrufung für Verzögerung


Mercosur-Abkommen: EU-Parlament sorgt mit EuGH-Anrufung für Verzögerung
Mercosur-Abkommen: EU-Parlament sorgt mit EuGH-Anrufung für Verzögerung / Foto: © AFP

Es ist die nächste Hürde für das Handelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten: Das Europaparlament hat eine Überprüfung am Europäischen Gerichtshof (EuGH) gefordert. Damit setzten sich die Gegner des Abkommens in einer Abstimmung am Mittwoch in Straßburg mit knapper Mehrheit von 334 zu 324 Gegenstimmen durch. Die Überprüfung am EuGH dürfte die Ratifizierung des Abkommens um Monate verzögern. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Wirtschaftsvertreter forderten eine vorläufige Anwendung des Vertrags.

Textgröße ändern:

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte das Freihandelsabkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay am vergangenen Samstag unterzeichnet. Zuvor hatte eine Mehrheit der 27 EU-Länder grünes Licht gegeben - gegen den Widerstand Frankreichs, wo das Abkommen auf breite Ablehnung stößt. Auch der Parlamentsantrag für eine EuGH-Anrufung ging auf französische Abgeordnete zurück.

Sie forderten den Gerichtshof auf, zu prüfen, ob das Abkommen mit den grundlegenden EU-Verträgen vereinbar ist. Sie führen unter anderem fehlende Kontrollen auf Pestizidrückstände bei Importen an und kritisieren die Vorgehensweise der EU-Kommission beim Abschluss des Abkommens.

"Die Kommission bedauert diese Entscheidung des Europäischen Parlaments", sagte ein Sprecher in Brüssel. "Unserer Analyse nach sind die in diesem Antrag vom Parlament aufgeworfenen Fragen nicht gerechtfertigt", fügte er hinzu.

Kanzler Merz sprach ebenfalls von einer "bedauerlichen" Entscheidung. "Sie verkennt die geopolitische Lage", fügte er hinzu. "Das Abkommen muss jetzt vorläufig angewandt werden." Brüssel und Berlin betrachten das Abkommen neben den Exportmöglichkeiten vor allem als politisches Signal: für den freien Welthandel und gegen Handelsbarrieren aus Washington und Peking.

Auch deutsche Wirtschaftsverbände kritisierten das Vorgehen scharf. Die Präsidentin des Verbands der Autoindustrie (VDA), Hildegard Müller, sprach von einem "verheerenden Zeichen". "Die EU darf ihre eigenen Handelsziele nicht sabotieren und ihre Glaubwürdigkeit als Partner leichtfertig aufs Spiel setzen", fügte sie hinzu. Der VDA wie auch der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) forderten die Kommission auf, das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen.

Ein solcher Schritt ist im Vertrag vorgesehen und damit theoretisch möglich. Die Kommission hatte den Abgeordneten des Europaparlaments zuletzt noch versichert, für dieses Vorgehen gebe es "keinen Automatismus". Nach der Entscheidung vom Mittwoch könnte die Kommission sich aber dennoch dafür entscheiden.

Das Mercosur-Abkommen soll eine der weltweit größten Freihandelszonen schaffen. Während die Europäer unter anderem Autos und chemische Produkte über den Atlantik exportieren, liefern die Mercosur-Länder hauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse und Rohstoffe nach Europa. Die deutsche Wirtschaft erhofft sich von dem Abkommen deutliche Exportsteigerungen.

Vor dem Europaparlament protestierten am Dienstag und Mittwoch französische Bauern gegen das Abkommen. Unter den Demonstranten brach Jubel aus, als die Abstimmungsergebnisse bekannt wurden, berichtete eine AFP-Reporterin vor Ort. "Wir haben gewonnen", rief der Generalsekretär des französischen Bauernverbands FNSEA, Hervé Lapie.

(L.Barsayjeva--DTZ)

Empfohlen

Bewohner von Kiew sollen wegen Luftverschmutzung durch russische Angriffe zuhause bleiben

Die Behörden der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben die Bewohner aufgefordert, wegen der durch russischen Beschuss ausgelösten Luftverschmutzung ihre Zeit im Freien zu begrenzen. "Wegen der Feuer durch den Angriff des Feindes in der Nacht zum 2. Juli, wie auch durch die Windstille, können Verschmutzungen nicht in die Atmosphäre abziehen", teilte die Militärverwaltung von Kiew am Freitag im Onlinedienst Telegram mit. Russland hatte Kiew mit den schwersten Angriffen seit Kriegsbeginn überzogen.

Zahl antisemitischer Straftaten in Berlin gestiegen

Die Zahl antisemitischer Straftaten in Berlin ist gestiegen. 2025 leiteten die Ermittlungsbehörden 820 Verfahren ein, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin am Freitag mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es noch 756 Verfahren mit antisemitischem Hintergrund gewesen. Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 werden Straftaten in diesem Zusammenhang gesondert ausgewertet.

Linke will mit Organklage im Eilverfahren neues Heizungsgesetz stoppen

Die Fraktion der Linken im Bundestag will mit einer Organklage im Eilverfahren das geplante neue Heizungsgesetz von Union und SPD stoppen. Sie reichte die Klage am Freitag beim Bundesverfassungsgericht ein, wie die Abgeordneten mitteilten. Gegenstand der Klage ist demnach das Verfahren bei der geplanten Reform des bestehenden Gebäudeenergiegesetzes.

Ramelow verurteilt Gewalt gegen AfD-Parteitag als "nicht legitim"

Vor den angekündigten Protesten gegen den AfD-Parteitag in Erfurt hat Linken-Politiker Bodo Ramelow jede Form von Gewalt zurückgewiesen. "Gewalt ist kein legitimes Mittel, sich politisch auseinanderzusetzen", sagte der Bundestagsvizepräsident und frühere thüringische Ministerpräsident am Freitag dem "Berlin Playbook Podcast" des Portals Politico. Zugleich betonte er: "Es ist nicht legitim, einen Parteitag zu sabotieren."

Textgröße ändern: