Deutsche Tageszeitung - Russland greift Ukraine trotz Verhandlungen in Abu Dhabi erneut massiv an

Russland greift Ukraine trotz Verhandlungen in Abu Dhabi erneut massiv an


Russland greift Ukraine trotz Verhandlungen in Abu Dhabi erneut massiv an

Erneute heftige russische Angriffe auf mehrere ukrainische Regionen in der Nacht zum Samstag haben die ersten direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA zur Beendigung des Krieges überschattet. Allein in der Hauptstadtregion Kiew und der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw wurden nach jüngsten Behördenangaben mindestens ein Mensch getötet und 27 weitere verletzt. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, die Angriffe hätten "auch den Verhandlungstisch getroffen".

Textgröße ändern:

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Onlinedienst X von "370 Angriffsdrohnen und 21 Raketen unterschiedlichen Typs", mit denen Russland sein Land beschossen habe. In Kiew und dessen Umland sei insbesondere Energieinfrastruktur angegriffen worden. Betroffen seien darüber hinaus die Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw. Selenskyj schrieb von einem Todesopfer und "Dutzenden Verletzten", darunter auch ein Kind.

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am frühen Samstagmorgen erklärt, die Stadt werde "massiv" angegriffen, die Bevölkerung rief er auf, in Schutzräumen zu bleiben. Nach seinen Angaben wurden mehrere Gebäude getroffen, jedoch keine Wohnhäuser.

Später schrieb Klitschko von einem Todesopfer und vier Verletzten. In mehreren von Drohnentrümmern getroffenen Gebäuden sei Feuer ausgebrochen, zudem sei die Wärme- und Wasserversorgung in Teilen der Hauptstadt unterbrochen. Im Kiewer Umland wurden nach Angaben der örtlichen Behörden vier weitere Menschen verletzt.

Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, informierte im Onlinedienst Telegram über einen Angriff mit Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion, der mehrere Wohngebäude in zwei Stadtteilen nahe der russischen Grenze beschädigt habe. Nach Angaben der Polizei wurden dabei 15 Menschen verletzt und zwei medizinische Einrichtungen beschädigt.

Die nächtlichen Angriffe erfolgten ungeachtet der zweitägigen Dreier-Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA über den US-Plan für ein Ende des Kriegs, die am Freitag in Abu Dhabi begonnen hatten. Es handelt sich um die ersten Beratungen von Vertretern der drei Länder über den US-Friedensplan.

Kurz vor Verhandlungsbeginn hatte Moskau seine Maximalforderung bekräftigt, wonach die ukrainische Armee sich aus der gesamten Region Donbass einschließlich bisher nicht von Russland kontrollierter Gebiete zurückziehen soll. Die Ukraine lehnt dies bislang kategorisch ab.

Der ukrainische Chef-Verhandler Rustem Umerow erklärte, die Verhandlungen in Abu Dhabi konzentrierten sich auf "die Parameter zur Beendigung von Russlands Krieg und die weitere Logik des Verhandlungsprozesses". Selenskyj kritisierte nach dem ersten Verhandlungstag, es gebe "noch zu viele Schlüsse zu ziehen". Es sei "nötig, dass nicht nur die Ukraine diesen Krieg beenden und vollkommene Sicherheit erreichen will", auch "ein ähnlicher Wille" Russlands sei erforderlich.

Der ukrainische Außenminister Sybiha übte vor diesem Hintergrund scharfe Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser habe "zynischerweise" einen "brutalen massiven Raketenangriff gegen die Ukraine angeordnet, während sich Delegationen in Abu Dhabi treffen, um den US-geführten Friedensprozess voranzubringen", schrieb Sybiha im Onlinedienst X. "Friedensbemühungen? Trilaterales Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten? Diplomatie? Für die Ukrainer war es eine weitere Nacht russischen Terrors", hob der ukrainische Außenminister hervor.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

Empfohlen

Anschlagsgefahr: Fünf bei Luftwaffenstützpunkt in England festgenommene Männer sind Briten

Bei den fünf Männern, die wegen möglicher Anschlagspläne in der Nähe eines auch von den USA genutzten britischen Luftwaffenstützpunktes festgenommen wurden, handelt es sich nach Behördenangaben um britische Staatsbürger. Die Männer zwischen 23 und 25 Jahren wohnen alle in London, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die iranische Botschaft in London wies Berichte über eine Verwicklung Teherans "kategorisch" zurück.

Gericht: Polizeibewerber darf nicht wegen Harnsteins abgelehnt werden

Ein Polizeibewerber darf einer Gerichtsentscheidung zufolge wegen eines einmaligen Harnsteins nicht abgelehnt werden. Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster wies laut Mitteilung vom Montag die Beschwerde des Landes gegen eine entsprechende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Aachen zurück. Das Land habe kein konkretes Gesundheitsrisiko des Bewerbers aufgezeigt, das eine bestehende Verwendungseinschränkung aus Gründen der Fürsorgepflicht des Dienstherrn rechtfertigen würde, hieß es.

EU will Abwehr gegen hybride russische Angriffe stärken - Debatte über Notfallmechanismus

Die EU hat ihre Debatte über einen möglichen Notfallmechanismus als Reaktion auf hybride Angriffe Russlands fortgesetzt. Viele Länder hätten betont, dass eine solche Regelung "unbedingt in Ergänzung zur Nato geschehen" müsse, sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister am Montag in Brüssel. Mit Blick auf das Treffen zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow verwies Kallas auf die fehlende Bereitschaft Russlands für ernsthafte Friedensverhandlungen.

Polizei: Fünf bei Luftwaffenstützpunkt festgenommene Männer alle Briten Mitte 20

Bei den fünf Männern, die wegen möglicher Anschlagspläne in der Nähe eines britischen Luftwaffenstützpunktes festgenommen wurden, handelt es sich nach Behördenangaben um britische Staatsbürger zwischen 23 und 25 Jahren. Die fünf Männer wohnen alle in London, wie die Polizei am Montag mitteilte. Einer der Männer sei 25 Jahre alt, drei Männer 24 und einer 23 Jahre alt.

Textgröße ändern: