Deutsche Tageszeitung - Wadephul fordert bessere Zusammenarbeit bei hybriden russischen Angriffen im Ostseeraum

Wadephul fordert bessere Zusammenarbeit bei hybriden russischen Angriffen im Ostseeraum


Wadephul fordert bessere Zusammenarbeit bei hybriden russischen Angriffen im Ostseeraum
Wadephul fordert bessere Zusammenarbeit bei hybriden russischen Angriffen im Ostseeraum / Foto: © AFP

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat angesichts wachsender Bedrohungen im Ostseeraum eine verbesserte länderübergreifende Widerstandsfähigkeit angemahnt. Der Ostseeraum werde vermehrt zum Ziel hybrider Angriffe aus Russland, etwa durch zerstörte Unterseekabel, Schiffe der Schattenflotte und Angriffe auf Offshore-Windparks, sagte Wadephul am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner lettischen Kollegin Baiba Braze in Riga. "Da braucht es besseren Austausch zwischen uns Ostseeländern."

Textgröße ändern:

Vor allem müsse geklärt werden, wer für die Verteidigung in internationalen Gewässern zuständig sei: Das sei "eine große gemeinsame Aufgabe", für die "wir uns jetzt schnell an die Arbeit machen müssen", sagte der Bundesaußenminister. Auch müsse die "Überwachungsfähigkeit verstärkt" und Abschreckungsmaßnahmen ausgeweitet werden.

Zahlreiche Schiffe der Schattenflotte und deren Hintermänner würden zwar bereits von EU-Seite gelistet, doch "wir wollen auch gegen Schiffe vorgehen, deren Flaggenstatus unklar ist", sagte Wadephul. Mit Öltankern der Schattenflotte umgehe Russland nicht nur EU-Sanktionen, sondern bedrohe auch direkt die Ostseeanrainer wie Deutschland und Lettland: Häufig handele es sich um veraltete Tanker, die im Falle einer Havarie eine massive ökologische Bedrohung darstellten. "Wir müssen jetzt alle Möglichkeiten des Seerechts nutzen, um derartige Schiffe zu stoppen", betonte Wadephul. Dazu müsse auch das Seerecht weiterentwickelt werden.

Mit Blick auf die wachsende Zahl hybrider Angriffe forderte Wadephul jedoch nicht nur die Politik, sondern auch die deutsche Gesellschaft auf, ihre Widerstandsfähigkeit auszubauen. In einem Jahr habe die Bundesrepublik "zwei Milliarden Attacken auf IT-Systeme" erlebt. Darum müssten alle vorsichtiger werden. "Natürlich wird Russland weiter versuchen, uns zu destabilisieren", sagte Wadephul. "Wir brauchen Aufmerksamkeit und ein aktives Mitmachen der gesamten Bevölkerung", um dieser Bedrohung zu begegnen.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor fast vier Jahren sind in der Ostsee immer wieder wichtige Telekommunikations- und Stromkabel beschädigt worden. Fachleute gehen davon aus, dass es sich um hybride Angriffe im Auftrag Russlands handelt.

Als mutmaßlicher direkter Verursacher der Kabelschäden gilt die sogenannte Schattenflotte von oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen, mit denen Russland das im Zuge des Ukraine-Krieges verhängte Öl-Embargo umgeht. Die Nato verstärkte wegen der Serie mutmaßlicher Sabotageakte in der Ostsee ihre Patrouillen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Konferenz in Danzig: Werben um private Investoren für den Wiederaufbau der Ukraine

Politische Unterstützung für Kiew und Werben um private Investoren für die Ukraine: Bei der Wiederaufbaukonferenz für das Land im polnischen Danzig hat die Bundesregierung am Donnerstag für internationale Investitionen in der Ukraine geworben. Öffentliche Finanzierung werde "niemals ausreichen, um ein Land wiederaufzubauen, das solch eine massive Zerstörung erlitten hat", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Danzig. In ihrem Streit um die Weltkriegsvergangenheit schlugen die Regierungschefs von Polen und der Ukraine unterdessen versöhnliche Töne an.

Trump stößt republikanische Parteikollegen mit Wutausbruch vor den Kopf

Mit einem wütenden Auftritt im Kapitol hat US-Präsident Donald Trump Parlamentarier seiner Republikanischen Partei vor den Kopf gestoßen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen kam es US-Medienberichten zufolge am Mittwoch (Ortszeit) zu einem handfesten Streit über eine tags zuvor im Senat verabschiedete Resolution, welche die Befugnisse des Präsidenten im Iran-Krieg einschränkte. Dabei verweigerte Trump seine Unterschrift unter ein Gesetz für erschwinglichen Wohnraum, um die Verabschiedung einer seiner Ansicht nach "dringend benötigten" Änderung des Wahlrechts zu erzwingen.

Rubio warnt vor Gebühren für Straße von Hormus als Präzedenfall weltweit

US-Außenminister Marco Rubio hat vor "Chaos" gewarnt, sollte der Iran wie angedroht Gebühren für die Durchfahrt der Straße von Hormus erheben. Würde eine Gebühr für eine internationale Wasserstraße akzeptiert, dann würde sich das auf der ganzen Welt "verbreiten", warnte Rubio am Donnerstag auf einem Treffen des Golf-Kooperationsrates in Bahrain. Er hob hervor, dass internationale Wasserwege keinem Staat gehörten. "Das ist ein grundlegendes Prinzip der heutigen Welt, ohne das die Welt im Chaos versinken würde."

Frankreich bringt zum fünften Mal Öltanker der russischen Schattenflotte auf

Die französische Marine hat im Mittelmeer zum fünften Mal einen aus Russland kommenden Öltanker festgesetzt. "Wir lassen es nicht zu, dass die Schattenflotte die Sanktionen umgeht und den russischen Krieg finanziert", schrieb Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag im Onlinedienst X. Er postete dazu ein kurzes Video, auf dem ein Hubschrauber über dem Schiffsdeck zu sehen ist sowie mehrere Soldaten, die mit vorgehaltener Waffe in das Innere des Schiffes eindringen. Das Video ist untermalt mit Musik und dem Text "No, not today, walk away" (Nein, heute nicht, geh weg).

Textgröße ändern: