Deutsche Tageszeitung - Primärarztsystem: Warken erhofft sich bessere und schnellere Versorgung

Primärarztsystem: Warken erhofft sich bessere und schnellere Versorgung


Primärarztsystem: Warken erhofft sich bessere und schnellere Versorgung
Primärarztsystem: Warken erhofft sich bessere und schnellere Versorgung / Foto: © AFP/Archiv

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erhofft sich von einem geplanten Primärarztsystem eine bessere und schnellere Versorgung. Aktuell würden die Patientinnen und Patienten selbst entscheiden, zu welchem Arzt sie gingen, sagte Warken am Dienstag in Berlin. Dies führe zu "einer ineffizienten Nutzung unserer begrenzen Ressourcen" und teilweise lange Wartezeiten in den Praxen. "Das wollen und werden wir ändern", kündigte die Ministerin an.

Textgröße ändern:

Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die Einrichtung eines sogenannten Primärarztsystems geeinigt. Die Hausärztin oder der Hausarzt soll demnach grundsätzlich künftig die erste Anlaufstation bei gesundheitlichen Problemen sein. Ein Facharzt soll erst danach aufgesucht werden können. Ziel ist es, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren und damit Kosten zu sparen.

Am Dienstag sprach Warken nun mit Vertretern von Ärzteverbänden und Krankenkassen über die Pläne. Wie die Gesundheitsministerin anschließend erläuterte, soll es für Patientinnen und Patienten künftig drei Optionen geben, wie sie zu einem Facharzt-Termin kommen. Sie können demnach entweder zum Hausarzt gehen oder sich telefonisch oder digital ersteinschätzen lassen. Ausnahmen soll es für Besuche beim Augenarzt, Gynäkologen, Zahnarzt und Kinderarzt geben sowie für chronisch Erkrankte.

Die Vizevorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Stefanie Stoff-Ahnis, hob bei der geplanten Reform die Bedeutung digitaler Elemente vor. Neben einer elektronischen Ersteinschätzung brauche es eine elektronische Überweisung und eine elektronische Terminvermittlung, sagte sie. Ziel sei ein "digitaler Versorgungspfad" für die Patientinnen und Patienten.

Ministerin Warken will nach eigenen Angaben bis zum Sommer einen ersten Gesetzentwurf für das Primärarztsystem vorlegen. Bis zum Ende des Jahres soll ein Kabinettsbeschluss erfolgen. "Mit den ersten Wirkungen" des neuen Systems rechnet die Gesundheitsministerin 2028.

Der Hausärzteverband begrüßte "den Startschuss für die Umsetzung eines verbindlichen Primärarztsystems". Verbandspräsident Markus Beier kritisierte in der "Rheinischen Post" allerdings die Idee, die digitale Ersteinschätzung zur ersten Anlaufstelle der Patientinnen und Patienten zu machen. "Der Erstkontakt über die vertraute Hausarztpraxis muss in der ambulanten Versorgung der Goldstandard sein."

Die Bundesregierung setzte auf eine "Digitalisierungsoffensive", kritisierte auch der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Dabei habe Warken keine Antwort "auf die Frage, wie digital unerfahrene Menschen eingebunden werden sollen". Die Ministerin dürfe "die praktische Perspektive gerade der betagten und pflegebedürftigen Patienten nicht weiter ausblenden".

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Selenskyj fordert Wiederherstellung der Ölsanktionen gegen Russland

Angesichts der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenruhe hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine vollständige Wiedereinsetzung der gegen Russland verhängten Ölsanktionen gefordert. "Jetzt beginnt ein Waffenstillstand im Nahen Osten und am Golf. Und ich erwarte, dass die Sanktionen gegen russisches Öl wieder vollständig eingeführt werden, so wie sie zuvor waren", erklärte Selenskyj am Freitag.

Myanmar: Ex-Junta-Chef Min Aung Hlaing legt Amtseid als Präsident ab

In Myanmar hat der Ex-Chef der Militärjunta, Min Aung Hlaing, am Freitag seinen Eid als Präsident des südostasiatischen Landes abgelegt. Bei einer Zeremonie im Parlament in der Hauptstadt Naypyidaw sprach er den Amtseid und gelobte, sich um Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit in seinem Land zu bemühen. "Ich werde mich dem Dienst an der Republik der Union von Myanmar widmen", sagte der 69-Jährige.

US-Kreise: Israel und Libanon wollen nächste Woche in Washington verhandeln

Israel und der Libanon wollen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters in der kommenden Woche in Washington Gespräche zur Beilegung der Kämpfe führen. Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen unter US-Vermittlung geben werde, "um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern". Die israelische Armee setzte derweil ihren Einsatz im Libanon fort, auch die Hisbollah feuerte erneut Raketen auf Israel. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif warf Israel vor, im Libanon einen "Völkermord" zu begehen.

Kubas Präsident will nicht unter US-Druck zurücktreten

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hat einen Rücktritt unter Druck aus den USA ausgeschlossen. "Die US-Regierung, die diese feindselige Politik gegen Kuba betreibt, hat keine moralische Grundlage, von Kuba irgendetwas zu verlangen", sagte Díaz-Canel am Donnerstag (Ortszeit) dem US-Sender NBC News. "Der Gedanke, dass Revolutionäre aufgeben und zurücktreten, das gehört nicht zu unserem Vokabular", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: