Deutsche Tageszeitung - Flugzeugträger im Nahen Osten angekommen: Teheran verurteilt US-"Drohungen"

Flugzeugträger im Nahen Osten angekommen: Teheran verurteilt US-"Drohungen"


Flugzeugträger im Nahen Osten angekommen: Teheran verurteilt US-"Drohungen"
Flugzeugträger im Nahen Osten angekommen: Teheran verurteilt US-"Drohungen" / Foto: © US NAVY/AFP/Archiv

Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen den USA und dem Iran hat der iranische Präsident Massud Peseschkian Washington eine Gefährdung der regionalen Ordnung vorgeworfen. "Die Drohungen und psychologischen Operationen der Amerikaner zielen darauf ab, die Sicherheit der Region zu stören und werden nichts anderes als Instabilität erreichen", sagte Peseschkian nach Angaben seines Büros während eines Telefonats mit dem Kronprinz Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, am Dienstag. Ein Flugzeugträger der USA erreichte derweil die Gewässer im Nahen Osten.

Textgröße ändern:

Die USA unterhalten mehrere Stützpunkte im Nahen Osten. Ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sprach vor diesem Hintergrund eine Warnung an die Nachbarn des Iran aus. "Nachbarländer sind unsere Freunde, aber wenn ihr Boden, ihr Luftraum oder ihre Gewässer gegen den Iran genutzt werden, werden sie als feindlich betrachtet werden", erklärte der politische Vertreter der IRGC-Seestreitkräfte, Mohammed Akbarsadeh, der staatlichen Nachrichtenagentur Fars zufolge.

US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche den Druck auf den Iran erhöht und die Verlegung einer "riesigen Flotte" in die Golfregion angekündigt. "Mir wäre es lieber, wenn nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau", fügte er mit Blick auf die Führung in Teheran und das brutale Vorgehen der iranischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten hinzu.

Saudi-Arabiens Außenministerium erklärte, Kronprinz bin Salman habe Peseschkian zugesichert, dass Riad "nicht zulassen wird, dass sein Luftraum oder sein Territorium für militärische Aktionen" gegen den Iran genutzt werde.

Am Montag hatte das US-Militär mitgeteilt, dass der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und seine Begleitschiffe in Gewässern im Nahen Osten eingetroffen seien, "um die regionale Sicherheit und Stabilität zu fördern".

Trump hatte dem Nachrichtenportal Axios am Montag gesagt: "Wir haben eine große Armada vor dem Iran, größer als (in) Venezuela". Teheran wollte einen "Deal" mit Washington eingehen, fügte der US-Präsident hinzu. "Ich weiß es. Sie haben mehrmals angerufen. Sie wollen reden."

Die "New York Times" berichtete derweil, Trump sei in mehreren US-Geheimdienstberichten darüber unterrichtet worden, dass "die iranische Regierung schwächer wird". Die Stellung des Regimes sei so schwach wie seit dem Sturz des Schahs nicht mehr. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham sagte der US-Zeitung, er habe mit Trump in den vergangenen Tagen über den Iran gesprochen. "Das Ziel ist es, das Regime zu beenden", sagte Graham.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu richtete derweil eine Drohung an Teheran. "Trump wird entscheiden, was er entscheidet; der Staat Israel wird entscheiden, was er entscheidet", erklärte Netanjahu. Sollte Teheran Israel jedoch angreifen, "werden wir mit einer Macht antworten, die der Iran noch nie gesehen hat", fügte er hinzu.

Die USA hatten im Juni an der Seite Israels in den Zwölf-Tage-Krieg eingegriffen. Trump drohte seitdem mehrfach mit einem erneuten militärischen Einsatz im Iran, zuletzt während der Niederschlagung der jüngsten Massenproteste.

Das Außenministerium in Teheran warnte am Dienstag außerdem vor "zerstörerischen Folgen", sollten die IRGC von der Europäischen Union als "terroristische Organisation" eingestuft werden. Italiens Außenminister Antonio Tajani hatte am Montag angekündigt, einen entsprechenden Vorschlag bei einem EU-Außenministertreffen in Brüssel am Donnerstag zu unterbreiten.

Die italienischen Äußerungen seien "unverantwortlich", Italien solle "seine falsche Haltung gegenüber dem Iran überdenken", erklärte das iranische Außenministerium nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna weiter. Der italienische Botschafter im Iran sei einbestellt worden.

Die Proteste im Iran hatten am 28. Dezember begonnen. Sie entzündeten sich an der schlechten Wirtschaftslage, weiteten sich aber rasch zu einer Massenbewegung gegen die religiöse und politische Führung der islamischen Republik aus. Die Behörden gingen brutal gegen die Demonstrierenden vor. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hrana wurden mehr als 6000 Menschen getötet, einige Schätzungen gehen demnach sogar von bis zu 25.000 Toten aus.

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Selenskyj fordert Wiederherstellung der Ölsanktionen gegen Russland

Angesichts der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenruhe hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine vollständige Wiedereinsetzung der gegen Russland verhängten Ölsanktionen gefordert. "Jetzt beginnt ein Waffenstillstand im Nahen Osten und am Golf. Und ich erwarte, dass die Sanktionen gegen russisches Öl wieder vollständig eingeführt werden, so wie sie zuvor waren", erklärte Selenskyj am Freitag.

Myanmar: Ex-Junta-Chef Min Aung Hlaing legt Amtseid als Präsident ab

In Myanmar hat der Ex-Chef der Militärjunta, Min Aung Hlaing, am Freitag seinen Eid als Präsident des südostasiatischen Landes abgelegt. Bei einer Zeremonie im Parlament in der Hauptstadt Naypyidaw sprach er den Amtseid und gelobte, sich um Gerechtigkeit, Freiheit und Gleichheit in seinem Land zu bemühen. "Ich werde mich dem Dienst an der Republik der Union von Myanmar widmen", sagte der 69-Jährige.

US-Kreise: Israel und Libanon wollen nächste Woche in Washington verhandeln

Israel und der Libanon wollen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters in der kommenden Woche in Washington Gespräche zur Beilegung der Kämpfe führen. Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen unter US-Vermittlung geben werde, "um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern". Die israelische Armee setzte derweil ihren Einsatz im Libanon fort, auch die Hisbollah feuerte erneut Raketen auf Israel. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif warf Israel vor, im Libanon einen "Völkermord" zu begehen.

Kubas Präsident will nicht unter US-Druck zurücktreten

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hat einen Rücktritt unter Druck aus den USA ausgeschlossen. "Die US-Regierung, die diese feindselige Politik gegen Kuba betreibt, hat keine moralische Grundlage, von Kuba irgendetwas zu verlangen", sagte Díaz-Canel am Donnerstag (Ortszeit) dem US-Sender NBC News. "Der Gedanke, dass Revolutionäre aufgeben und zurücktreten, das gehört nicht zu unserem Vokabular", fügte er hinzu.

Textgröße ändern: