Deutsche Tageszeitung - Abschied von Ran Gvili: Herzog bittet Familie von letzter Hamas-Geisel um Vergebung

Abschied von Ran Gvili: Herzog bittet Familie von letzter Hamas-Geisel um Vergebung


Abschied von Ran Gvili: Herzog bittet Familie von letzter Hamas-Geisel um Vergebung
Abschied von Ran Gvili: Herzog bittet Familie von letzter Hamas-Geisel um Vergebung / Foto: © AFP

Israels Präsident Isaac Herzog hat die Familie des getöteten Ran Gvili, der letzten nach Israel zurückgebrachten Geisel aus dem Gazastreifen, um Vergebung gebeten. "Ich kann nur bedauern, Rani, dass ich dich zu Lebzeiten nicht kennengelernt habe", sagte Herzog in seiner bewegenden Rede bei der Trauerfeier zu Gvilis Beisetzung am Mittwoch in dessen Heimatstadt Meitar. An die Familie des im Alter von 24 Jahren getöteten Gvili gerichtet sagte Herzog: "Ich bitte Sie als Präsident um Vergebung, dass wir nicht für ihn da waren. Eine ganze Nation trauert heute mit Ihnen."

Textgröße ändern:

Ran Gvili war die letzte israelische Geisel in der Gewalt der islamistischen Hamas, die mit ihren Massakern in Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst hatte. Der Polizist Gvili hatte am Tag des Überfalls trotz gebrochener Schulter den Schutzraum verlassen, um an der Seite seiner Einheit im Kibbuz Alumim im Süden Israels gegen die Angreifer zu kämpfen und Menschen zu retten. Er wurde getötet und seine Leiche in den Gazastreifen verschleppt.

Mit der Rückkehr von Gvilis sterblichen Überresten mehr als zwei Jahre nach dem Hamas-Überfall schließt sich für Israel ein wichtiger Teil des traumatischsten Kapitels seit seiner Staatsgründung. Monatelange hatten Angehörige und Freunde nach dem Überfall vom 7. Oktober für die Freilassung noch lebender und der Überstellung der toten Geiseln aus dem Gazastreifen gekämpft.

Tausende Menschen erwiesen Gvili am Mittwoch die letzte Ehre. Viele säumten mit israelischen Flaggen in der Hand die Straßen, auf denen der Konvoi mit seinem Leichnam nach Meitar fuhr, wo nach einer offiziellen Trauerfeier die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfand.

Gvilis Rückkehr sei "auch ein bedeutender Moment für eine ganze Nation", sagte Herzog bei der Trauerfeier im Fußballstadion von Meitar, das mit Blumen, Fotos von Gvili und gelben Schleifen geschmückt war, dem Symbol der Solidarität mit den Geiseln. Die zerbrochenen Herzen im Land könnten nun "langsam beginnen zu heilen".

An der Trauerfeier nahm auch Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu teil. "Wir sind entschlossen, unsere Missionen zu erfüllen: die Entwaffnung der Hamas und die Entmilitarisierung des Gazastreifens", sagte er in seiner Trauerrede. Zuvor hatte er in der Knesset gesagt, seine Regierung habe nun "ihre moralische und ethische Mission zur Heimkehr aller Geiseln, der lebenden und der toten, beendet".

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

US-Kreise: Israel und Libanon wollen nächste Woche in Washington verhandeln

Israel und der Libanon wollen nach Angaben eines US-Regierungsvertreters in der kommenden Woche in Washington Gespräche zur Beilegung der Kämpfe führen. Ein Vertreter des US-Außenministeriums bestätigte am Donnerstag, dass es ein Treffen unter US-Vermittlung geben werde, "um die laufenden Waffenruheverhandlungen mit Israel und dem Libanon zu erörtern". Die israelische Armee setzte derweil ihren Einsatz im Libanon fort, auch die Hisbollah feuerte erneut Raketen auf Israel. Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Asif warf Israel vor, im Libanon einen "Völkermord" zu begehen.

Kubas Präsident will nicht unter US-Druck zurücktreten

Der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel hat einen Rücktritt unter Druck aus den USA ausgeschlossen. "Die US-Regierung, die diese feindselige Politik gegen Kuba betreibt, hat keine moralische Grundlage, von Kuba irgendetwas zu verlangen", sagte Díaz-Canel am Donnerstag (Ortszeit) dem US-Sender NBC News. "Der Gedanke, dass Revolutionäre aufgeben und zurücktreten, das gehört nicht zu unserem Vokabular", fügte er hinzu.

Rehlinger fordert staatliche Preisobergrenzen und Mehrwertsteuersenkung

Vor dem Treffen von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften hat die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) auf staatliche Obergrenzen für den Benzinpreis und eine Absenkung der Mehrwertsteuer gedrängt. Die Bundesregierung müsse angesichts der Preisanstiege an Tankstellen und in Supermärkten "konkrete weitere Maßnahmen auf den Weg bringen", sagte Rehlinger den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Freitagsausgaben).

Frankreichs Präsident Macron zu Besuch bei Papst Leo XIV.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird am Freitagmorgen zu Besuch bei Papst Leo XIV. erwartet. In der Audienz dürfte es um internationale Themen, aber auch um die Lage der katholischen Kirche in Frankreich gehen, die von der eher langsam voranschreitenden Aufarbeitung zahlreicher Missbrauchsfälle geprägt ist. Ende März hatte ein Zivilgericht in Frankreich einen ehemaligen Weihbischof wegen Vergewaltigung zu einer Entschädigungszahlung verurteilt - obwohl der Fall zuvor wegen Verjährung abgewiesen worden war.

Textgröße ändern: