Deutsche Tageszeitung - Nach Atomgesprächen: Teheran verschärft Ton gegenüber den USA und pocht auf Urananreicherung

Nach Atomgesprächen: Teheran verschärft Ton gegenüber den USA und pocht auf Urananreicherung


Nach Atomgesprächen: Teheran verschärft Ton gegenüber den USA und pocht auf Urananreicherung
Nach Atomgesprächen: Teheran verschärft Ton gegenüber den USA und pocht auf Urananreicherung / Foto: © US NAVY/AFP

Zwei Tage nach neuen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm im Oman hat Teheran seine Rhetorik gegenüber Washington erneut deutlich verschärft. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erteilte Forderungen nach dem Ende von Teherans Urananreicherung am Sonntag "selbst im Kriegsfall" eine klare Absage, nachdem er bereits am Samstag vor Angriffen auf US-Militärbasen in der Region gewarnt hatte. Die USA hatten zuvor neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Auch hatten die US-Unterhändler nach den Iran-Gesprächen einen US-Flugzeugträger in Nahost besucht.

Textgröße ändern:

Für sein "friedliches Atomprogramm und seine Urananreicherung" habe sein Land "einen sehr hohen Preis bezahlt", sagte Araghtschi am Sonntag auf einem Forum in Teheran. Selbst im Kriegsfall werde der Iran seine Anreicherung von Uran nicht aufgeben, "weil niemand das Recht hat, uns unser Verhalten vorzuschreiben".

Weiter sagte Araghtschi, die Entsendung von US-Militärschiffen in die Region schrecke sein Land nicht ab. "Wir sind ein Volk der Diplomatie, wir sind auch ein Volk des Krieges", drohte der iranische Außenminister. Dies bedeute jedoch nicht, "dass wir den Krieg suchen".

Araghtschi äußerte sich zwei Tage nach neuen indirekten Verhandlungen über das iranische Atomprogramm mit den USA, die am Freitag unter Vermittlung des Oman ausgerichtet worden waren. Die Verhandlungen in Maskat wurden vor dem Hintergrund einer drohenden Eskalation zwischen dem Iran und den USA geführt. Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach der Atombombe zu streben - was Teheran bestreitet.

Nach Ende der Gespräche hatten sich beide Seiten zunächst positiv über den Verhandlungslauf geäußert und eine baldige Fortsetzung angekündigt. Der iranische Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die Verhandlungen am Sonntag im Onlinedienst X als "Schritt nach vorne". Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump die indirekten Verhandlungen "sehr gut" genannt und für "Anfang der kommenden Woche" eine nächste Gesprächsrunde angekündigt. Araghtschi unterstrich seinerseits die Bereitschaft Teherans zum raschen Abschluss eines Atomabkommens.

Die US-Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner, die am Freitag die Gespräche im Oman im Auftrag von US-Präsident Donald Trump geführt hatten, besuchten am Samstag den in den Persischen Golf entsandten US-Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" - was von Teheran als implizite Drohung gewertet wurde. Witkoff erklärte in Online-Netzwerken, der Flugzeugträger und seine Begleitschiffe "sorgen für unsere Sicherheit und verleihen Präsident Trumps Botschaft des Friedens durch Stärke Nachdruck".

Der iranische Chefdiplomat zweifelte daraufhin am Sonntag die "Ernsthaftigkeit und Bereitschaft" der USA zu "echten" Verhandlungen an. Er bezog sich dabei bei einer Pressekonferenz auf neue Sanktionen zur Eindämmung iranischer Ölexporte, die Washington unmittelbar nach dem Ende der Gespräche verhängt hatte. Araghtschi wies darauf hin, dass sein Land "alle Signale bewerten und über die Fortsetzung der Verhandlungen entscheiden" werde.

Zugleich beharrte Araghstchi auf eine Begrenzung jeglicher Verhandlungen auf Fragen des Atomprogramms. Das iranische Raketenprogramm stehe dabei "niemals zur Verhandlung", da es sich um eine Frage der Verteidigung handele. Zugleich drohte er mit einem Angriff auf US-Militärstützpunkte in der Region, sollten die USA erneut iranische Gebiete angreifen.

Die Gespräche in Maskat waren die ersten zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran, seit die USA im Juni 2025 in den zwölftägigen Krieg zwischen ihrem Verbündeten Israel und der Islamischen Republik eingegriffen und drei wichtige iranische Atomanlagen bombardiert hatten.

Verstärkt wurden die Spannungen zwischen Teheran und Washington durch die gewaltsame Niederschlagung der jüngsten Protestwelle im Iran mit tausenden getöteten Demonstranten. Seitdem hatte Trump den Druck auf Teheran massiv erhöht. Er drohte mit einer Militärintervention und schickte unter anderem den Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" in den Persischen Golf.

Trump hatte das internationale Atomabkommen mit dem Iran im Jahr 2018 während seiner ersten Amtszeit einseitig aufgekündigt, weil er es für nicht robust und umfassend genug hielt. Danach ließ er massive Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft setzen. Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ist der Iran das einzige Land ohne eigene Atomwaffen, das Uran auf 60 Prozent anreichert.

Westliche Regierungen werfen Teheran zudem vor, Drohnen und ballistische Raketen an Russland für den Krieg gegen die Ukraine zu liefern. Auch unterstützt der Iran finanziell wie militärisch Israel-feindliche Milizen in der Nahost-Region, darunter die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen und die Huthis im Jemen.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

E5-Spitzentreffen im Kanzleramt - Merz will Nato-Gipfel zu Erfolg machen

In Zusammenarbeit mit großen europäischen Partnerländern will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den bevorstehenden Nato-Gipfel in Ankara zu einem Erfolg machen. Ein erfolgreicher Verlauf des Nato-Gipfels "dient unserer Sicherheit in gefährlichen Zeiten", sagte Merz am Mittwochabend bei einem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der sogenannten E5-Gruppe im Berliner Bundeskanzleramt. "Wir stehen gemeinsam für eine Nato, die stark und einig die Sicherheit im euroatlantischen Raum wahrt, im Interesse aller Alliierten."

Irans Verhandlungsführer: USA haben mit Rahmenabkommen ihre "Niederlage" erklärt

Mit dem Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Kriegs haben die USA nach den Worten des iranischen Verhandlungsführers Mohammed Bagher Ghalibaf ihre "Niederlage" eingestanden. Große Streitfragen blieben am Mittwoch trotz der diplomatischen Fortschritte zuletzt die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm. US-Außenminister Marco Rubio setzte derweil seine Golfreise fort, bei der er das Bekenntnis der USA zur Sicherheit der Region bekräftigte.

Erregte Debatte im Bundestag über Pantisanos Faschismus-Vorwurf

In einer emotional aufgeladenen Debatte hat der Bundestag über die Faschismus-Äußerungen des neuen Linken-Vorsitzenden Luigi Pantisano diskutiert. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wies Pantisanos Faschismus-Vorwurf gegen seine Partei in scharfem Ton zurück: Dieser Vorwurf sei "infam, geschichtsvergessen und niederträchtig", sagte Linnemann am Mittwoch in einer von den Koalitionsfraktionen beantragten Aktuellen Stunde im Bundestag. Linken-Chefin Ines Schwerdtner warf der Koalition vor, mit der Debatte von eigenen Fehlern ablenken zu wollen.

Staats- und Regierungschefs von E5-Gruppe zu Treffen in Berlin zusammengekommen

Die Staats- und Regierungschefs der sogenannten E5-Gruppe sind am Mittwoch in Berlin zu Vorbereitungen für den Nato-Gipfel im kommenden Monat zusammengekommen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfing den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Polens Regierungschef Donald Tusk, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und den britischen Premierminister Keir Starmer im Kanzleramt. Nato-Generalsekretär Mark Rutte, der am Mittwoch US-Präsident Donald Trump in Washington trifft, wird per Video zu den Beratungen zugeschaltet. Gegen 18.00 Uhr ist eine Pressebegegnung geplant.

Textgröße ändern: