Deutsche Tageszeitung - Israelische Armee ruft Menschen im Süden und Osten des Libanon zur Evakuierung auf

Israelische Armee ruft Menschen im Süden und Osten des Libanon zur Evakuierung auf


Israelische Armee ruft Menschen im Süden und Osten des Libanon zur Evakuierung auf
Israelische Armee ruft Menschen im Süden und Osten des Libanon zur Evakuierung auf / Foto: © AFP

Nach Angriffen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz auf Israel hat die israelische Armee die Bewohner von etwa 50 Städten und Dörfern im Süden und Osten Libanon zur Evakuierung aufgerufen. "Zu Ihrer Sicherheit verlassen Sie bitte sofort Ihre Häuser und begeben Sie sich mindestens 1000 Meter von Ihrem Dorf entfernt in offene Gebiete", erklärte eine israelische Armeesprecherin am Montag im Onlinedienst X.

Textgröße ändern:

Zuvor hatte die Hisbollah Israel aus dem Libanon angegriffen. Die Miliz erklärte, "als Vergeltung" für die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei bei Angriffen der USA und Israels auf den Iran Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert zu haben. Die israelische Armee erklärte, ein aus dem Libanon abgefeuertes Geschoss abgefangen zu haben.

Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam bezeichnete die Angriffe aus dem Süden des Landes auf Israel als "unverantwortliche und verdächtige Handlung, die die Sicherheit und Stabilität des Libanon gefährdet". Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, die Raketen auf Israel richteten sich "gegen all die Anstrengungen und Bemühungen des libanesischen Staates, den Libanon von den gefährlichen militärischen Konfrontationen fernzuhalten, die sich in der Region abspielen".

Die israelische Armee erklärte daraufhin, Ziele der Hisbollah "überall im Libanon" anzugreifen. Später erklärte die Armee, bei "gezielten" Angriffen ein hochrangiges Hisbollah-Mitglied in Beirut und ein weiteres im Süden des Landes getroffen zu haben. Israels Generalstabschef Ejal Samir erklärte, die Hisbollah habe "über Nacht eine Offensive gegen Israel eröffnet und trägt die volle Verantwortung für jede Eskalation".

In Beirut waren laute Explosionen zu hören, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete von israelischen Angriffen im gesamten Libanon, darunter in den südlichen Vororten der Hauptstadt. Dort und im Süden des Libanon kam es NNA zufolge außerdem zu einer "massiven Vertreibung" von Bewohnern. Ein AFP-Journalist in der Küstenstadt Sidon beobachtete eine große Fluchtbewegung aus dem Südlibanon. Familien in Autos, einige mit Matratzen auf ihrem Dach, füllten demnach die Straßen der Stadt.

Israel und die USA hatten am Samstagmorgen massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurde Chamenei getötet. Als Reaktion greift der Iran seit Samstag Israel sowie US-Militäreinrichtungen in der Golfregion an. Dabei wurden nach Angaben der Bundeswehr unter anderem auch Bundeswehr-Stützpunkte im Irak und in Jordanien beschossen. Die Hisbollah erklärte, sich der "Aggression" Israels und der USA "entgegenzustellen".

(N.Loginovsky--DTZ)

Empfohlen

Nach Hisbollah-Attacken: Libanon meldet 31 Tote bei israelischen Angriffen

Bei den israelischen Angriffen auf Ziele im Libanon sind nach libanesischen Angaben mindestens 31 Menschen getötet worden. 149 weitere Bürger seien bei den "feindlichen israelischen Luftangriffen" auf den Südlibanon und südliche Vororte der Hauptstadt Beirut verletzt worden, erklärte das Gesundheitsministerium am Montag. Die pro-iranische Hisbollah-Miliz hatte zuvor Israel mit Raketen und Drohnen angegriffen.

Ölpreis steigt im frühen Handel

Infolge des Angriffs auf den Iran sind am Montagmorgen die Ölpreise wieder gestiegen. Zu Handelsbeginn in Asien kletterte der Ölpreis kurz über 82 Dollar pro Barrel, gab dann aber wieder nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent notierte am Morgen bei 78,37 Dollar, ein Plus von fast acht Prozent im Vergleich zu Freitag. Die US-Sorte WTI erreichte 71,82 Dollar, ein Aufschlag von 7,21 Prozent.

Irans Sicherheitsratschef Laridschani lehnt Verhandlungen mit den USA ab

Nach massiven Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran hat Irans einflussreicher Sicherheitsratschef Ali Laridschani jegliche Verhandlungen mit der US-Regierung abgelehnt. "Wir werden nicht mit den USA verhandeln", erklärte Laridschani am Montag im Onlinedienst X. Er wies Medienberichte zurück, wonach iranische Vertreter versucht hätten, Gespräche mit Washington aufzunehmen.

SPD warnt vor Massenflucht aus dem Iran

Die SPD im Bundestag hat angesichts der Eskalation im Nahen Osten vor einer neuen Flüchtlingswelle nach Deutschland und Europa gewarnt. "Jeder Nahost-Krieg in der Geschichte hat große Fluchtbewegungen mit sich gebracht, Irak, Syrien, Libyen", sagte der außenpolitischer Sprecher der SPD, Adis Ahmetovic, dem "Stern". "Wir versuchen gerade, Migration nach Europa neu zu ordnen. Das wird jetzt schwerer."

Textgröße ändern: