Deutsche Tageszeitung - Öl- und Gaspreis schießt weiter in die Höhe

Öl- und Gaspreis schießt weiter in die Höhe


Öl- und Gaspreis schießt weiter in die Höhe

Am zehnten Tag des Iran-Kriegs ist der Ölpreis deutlich über die Schwelle von 100 Dollar gestiegen. Ein Barrel kostete am Montag im asiatischen Handel zeitweise fast 120 Dollar, der Ölpreis lag damit auf den höchsten Stand seit 2022. Auch der Gaspreis stieg weiter stark. Die Finanzminister der G7-Staaten wollten bei einem virtuellen Treffen auch über eine Freigabe von Erdöl aus Notreserven beraten.

Textgröße ändern:

Der Ölpreis legte am Montag binnen weniger Stunden um bis zu 30 Prozent zu. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent in der Spitze mehr als 119 Dollar und notierte gegen 13.40 Uhr (MEZ) bei rund 102 Dollar. Für die US-Sorte WTI wurden zwischenzeitlich ebenfalls mehr als 119 Dollar aufgerufen, der Preis lag gegen 13.40 Uhr bei knapp 100,40 Dollar. Seit Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran sprang der Preis für WTI damit um rund 60 Prozent - einen so drastischen Anstieg in so kurzer Zeit gab es noch nie.

Auch der Preisanstieg beim Erdgas hielt an. Am Montagmorgen schnellte der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert gilt, rund 30 Prozent in die Höhe. Er notierte zeitweise bei 69,70 Euro.

Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, de facto gesperrt. Die Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran wird vom iranischen Militär kontrolliert.

Als Folge des immer weiter steigenden Ölpreises sanken die Börsenkurse am Montag. In Paris, Frankfurt und London gaben die Kurse jeweils um ein bis zwei Prozent nach. Zum Beginn des Handelstags an der New Yorker Wall Street lagen alle wichtigen Aktienindizes um mindestens ein Prozent im Minus.

Zuvor waren in Asien wichtige Börsen eingebrochen: In Japan lag der Aktienindex Nikkei zum Handelsschluss über fünf Prozent im Minus. In Südkorea gaben die Kurse knapp sechs Prozent nach. Die asiatischen Länder sind stark abhängig von Öl und Gas aus Nahost.

Die Finanzminister der G7-Staaten, zu denen auch Japan gehört, wollten noch am Montag über eine mögliche Freigabe von Erdöl aus strategischen Reserven sprechen. "Der Rückgriff auf die strategischen Reserven ist eine Option", sagte der französische Präsident Emmanuel Macron zu Journalisten.

Die Internationale Energieagentur (IEA) verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die mindestens 90 Tagen Netto-Importen entsprechen. Damit sollen Schocks wie ein länger andauernder Konflikt im Nahen Osten abgefedert werden.

An den deutschen Tankstellen kostete Super E10 nach Angaben des ADAC am Nachmittag um 14.30 Uhr 2,056 Euro pro Liter, Diesel 2,202 Euro. Am Sonntag hatte der Autofahrerclub Tagesdurchschnittspreise von 1,984 Euro für Super E10 und 2,117 Euro für Diesel ermittelt. Im Februar hatte der Dieselpreis im Monatsschnitt noch bei 1,722 Euro gelegen, der Benzinpreis bei 1,760 Euro.

Auf einen Tankrabatt wollte sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Montag nicht festlegen. Er wolle dazu "keine abschließende Erklärung abgeben". Die Regierung beobachte die Preise "sehr intensiv", sagte er lediglich. Das Bundeswirtschaftsministerium und Bundeskartellamt seien auch "in eine Prüfung eingetreten". Er wolle dem Ergebnis dieser Prüfung nicht vorgreifen.

Zugleich sagte Merz, er sei "besorgt" wegen der steigenden Energiepreise. Er wisse, dass dies möglicherweise durchschlagen könne auf "die Konjunktur in Deutschland", fügte er hinzu. "Und deswegen tun wir alles, um auch in der Energiepolitik unsere Unabhängigkeit zu erhöhen und durch ein verbessertes Angebot in der längeren Perspektive die Energiepreise zu senken."

SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese hatte zuvor vor allem Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Handeln aufgefordert. Er erklärte, es verfestige sich der Eindruck, dass die Mineralölkonzerne "in Goldgräbermanier die unsichere Weltlage" nutzen. Die Koalition müsse "hier alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen" und nicht wie Wirtschaftsministerin Reiche "Dinge vorzeitig vom Tisch nehmen".

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Verfassungsschutz stellt gesonderte Beobachtung von Scientology ein

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat die planmäßige Beobachtung der Scientology-Organisation eingestellt. "Nachdem die 'Scientology Organisation' auf Bundesebene in den letzten Jahren an Relevanz verloren hat, wird ihre Bearbeitung im BfV nicht länger als bundesweiter, eigenständiger Phänomenbereich fortgeführt", teilte die Behörde am Freitag auf AFP-Anfrage mit. Damit entfalle auch die gesonderte Ausweisung von Scientology im Verfassungsschutzbericht.

Behörde: Trump in millionenschwere Finanztransaktionen mit US-Konzernen verwickelt

US-Präsident Donald Trump ist nach Behördenangaben im ersten Quartal dieses Jahres in Finanztransaktionen mit US-Konzernen im Gesamtwert von mehreren hundert Millionen Dollar verwickelt gewesen. Am Donnerstag veröffentlichte Angaben des Office of Government Ethics führen in dem Zusammenhang den Kauf von Wertpapieren von Tech-Schwergewichten wie Amazon, Apple und Microsoft auf, des weiteren vom Chiphersteller Nvidia und dem Flugzeughersteller Boeing.

Behörden: 21 Tote nach massivem russischen Angriff auf Kiew

Durch den jüngsten russischen Angriff auf Kiew mit hunderten Drohnen und dutzenden Raketen sind nach Behördenangaben mindestens 21 Menschen getötet worden. Einsatzkräfte durchsuchten Trümmer eines Gebäudes im Stadtteil Darnytskyji weiter nach Opfern, teilte der staatliche Katastrophenschutz am Freitag mit. Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zeigte sich derweil besorgt angesichts "intensivierter" militärischer Aktivitäten in der Nähe mehrerer Atomanlagen in der Ukraine.

Behörden: Zahl der Toten nach russischen Angriffen auf Kiew steigt auf 21

Die Zahl der Toten nach den jüngsten massiven Angriffen Russlands auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist nach Behördenangaben auf 21 gestiegen. Unter den Toten seien drei Kinder, teilte der staatliche Katastrophenschutz am Freitag im Onlinedienst Telegram mit. Einsatzkräfte durchsuchten Trümmer eines Gebäudes im Stadtteil Darnytskyji weiter nach Opfern.

Textgröße ändern: