Deutsche Tageszeitung - Iran-Krieg: Französischer Soldat und vier US-Soldaten im Nachbarland Irak getötet

Iran-Krieg: Französischer Soldat und vier US-Soldaten im Nachbarland Irak getötet


Iran-Krieg: Französischer Soldat und vier US-Soldaten im Nachbarland Irak getötet
Iran-Krieg: Französischer Soldat und vier US-Soldaten im Nachbarland Irak getötet / Foto: © AFP/Archiv

Der Irak wird zunehmend zu einem weiteren Schauplatz im Iran-Krieg: Ein französischer Soldat und vier Besatzungsmitglieder eines US-Tankflugzeugs kamen dort nun ums Leben, wie Armeevertreter beider Länder am Freitag bekannt gaben. Der französische Soldat wurde nach französischen Angaben bei einem Angriff mit einer iranischen Schahed-Drohne auf einen Militärstützpunkt in der kurdischen Region Erbil im Nordirak getötet. Das US-Tankflugzeug stürzte im Westen des Irak unter ungeklärten Umständen ab.

Textgröße ändern:

Bei dem Drohnenangriff auf den Militärstützpunkt südwestlich von Erbil wurden zudem sechs Soldaten verletzt, wie das französische Verteidigungsministerium mitteilte. Sie wurden im Krankenhaus behandelt und sollen nach Frankreich ausgeflogen werden. Erbil ist die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordirak.

Die Identität der Angreifer stand zunächst nicht fest. Allerdings hatte eine pro-iranische Gruppe zuvor angekündigt, französische Ziele in der Region angreifen zu wollen. Sie begründete dies mit der Entsendung des französischen Flugzeugträgers Charles de Gaulle in die Nahost-Region und der "Beteiligung an den Einsätzen".

Tatsächlich befindet sich der französische Flugzeugträgerverband, zu dem Fregatten und Kampfflugzeuge zählen, im östlichen Mittelmeer, wo er sich an Militärübungen beteiligen soll. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte dessen Entsendung als rein defensive Maßnahme angekündigt. Mittelfristig hatte er den Einsatz von acht Fregatten und zwei Hubschrauberträgern im östlichen Mittelmeer, im Roten Meer und bis zur Straße von Hormus angekündigt.

Macron sprach den Angehörigen der von dem Angriff bei Erbil betroffenen Soldaten sein Mitgefühl aus. Die französischen Soldaten im Irak seien am internationalen Einsatz gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beteiligt. "Sie sind im Irak im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus. Der Krieg im Iran kann solche Angriffe nicht rechtfertigen", betonte Macron im Onlinedienst X. Es handelt sich um den ersten Todesfall eines französischen Soldaten im Iran-Krieg.

Das US-Tankflugzeug vom Typ KC-135 stürzte am Donnerstag im Westen des Irak ab. Die Gründe für den Absturz würden noch ermittelt, teilte das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom mit. Insgesamt befanden sich sechs Besatzungsmitglieder an Bord, zwei überlebten. Die Rettungsarbeiten dauerten am Freitag an.

Der Absturz sei "weder auf feindlichen Beschuss noch auf versehentlichen Beschuss durch eigene Truppen" zurückzuführen, erklärte Centcom. Ein zweites, "an dem Vorfall beteiligtes" Flugzeug sei sicher gelandet.

Die iranische Armee erklärte hingegen in einer vom Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung, eine verbündete Gruppe im Irak habe das US-Flugzeug mit einer Rakete abgeschossen. Dabei sei die gesamte Besatzung getötet worden. Die pro-iranische Allianz Islamischer Widerstand im Irak erklärte ihrerseits, das US-Flugzeug abgeschossen zu haben.

Die Maschine vom Typ KC-135 ist das vierte US-Flugzeug, das seit Beginn des Iran-Krieges abgestürzt ist. Anfang März waren drei US-Kampfflugzeuge vom Typ F-15E nach Angaben der US-Armee "versehentlich" von der kuwaitischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Besatzungsmitglieder konnten sich retten.

Die US-Botschaft im Irak warnte unterdessen ihre Staatsbürger im Land vor einem Entführungsrisiko. "Es hat Angriffe auf US-Bürger, US-Interessen und kritische Infrastruktur gegeben", betonte die Botschaft. In der vergangenen Woche hatten die USA ihre Staatsbürger aufgefordert, den Irak zu verlassen, nachdem sie am 28. Februar gemeinsam mit Israel Angriffe gegen den Iran begonnen hatten.

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor knapp zwei Wochen wurde der Irak und oft auch die Kurdenregion im Nordirak attackiert, teil von pro-iranischen Milizen im Irak. Am Donnerstag war ein italienischer Militärstützpunkt in Erbil von einer Drohne getroffen worden. Dabei wurde niemand verletzt. Die Regierung in Rom kündigte nach dem Angriff an, ihre Soldaten vorläufig von dem Stützpunkt abzuziehen.

Iraks Nachbarland Iran wird seit Ende Februar von Israel und den USA massiv aus der Luft angegriffen. Teheran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.

(L.Barsayjeva--DTZ)

Empfohlen

Kampf gegen Hisbollah: Israel droht Libanon mit verstärkten Angriffen auf Infrastruktur

Nach der Zerstörung einer Brücke durch das israelische Militär hat Israels Verteidigungsminister dem Libanon mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur des Landes gedroht. Die bisherigen Attacken seien "erst der Anfang", sagte Verteidigungsminister Israel Katz bei einem Treffen mit der Armeeführung am Freitag. Israels Militär hatte in der Nacht eine Brücke über den Litani-Fluss im Südlibanon zerstört. UN-Generalsekretär António Guterres forderte bei einem Besuch in Beirut eine Waffenruhe.

Heftigen Explosionen in Teheran - Iranische Spitzenpolitiker nehmen an Kundgebung teil

Rund zwei Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs hat Israel eine neue Welle von Angriffen auf Teheran gestartet. Die iranische Hauptstadt wurde am Freitag von heftigen Explosionen erschüttert. Bei einer Detonation in der Nähe einer Kundgebung, an der mehrere Vertreter der iranischen Führung teilnahmen, darunter Präsident Massud Peseschkian und Sicherheitschef Ali Laridschani, wurde eine Frau getötet. Im Oman wurden bei mutmaßlichen iranischen Gegenangriffen zwei Menschen getötet. Abwehrsysteme der Nato schossen derweil nach Angaben Ankaras eine weitere iranische Rakete über der Türkei ab.

Selenskyj: Lockerung von Sanktionen durch die USA stärken Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Lockern der Öl-Sanktionen gegen Russland durch die USA vor dem Hintergrund des Iran-Krieges scharf kritisiert. "Dies wird auf jeden Fall zu einer Stärkung der Position Russlands führen", sagte Selenskyj am Freitag nach einem Treffen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Elyséepalast in Paris. "Dies trägt nicht zum Frieden bei", fügte er hinzu. Die Lockerung könne Russland bis zu zehn Milliarden Dollar einbringen, wofür Moskau weitere Waffen kaufen könne.

Auswärtiges Amt beendet Golf-Sonderflüge - fast alle deutschen Touristen daheim

Trotz des anhaltenden Iran-Kriegs plant das Auswärtige Amt vorerst keine Evakuierungsflüge für Deutsche aus der Golfregion mehr. Ein Außenamtssprecher begründete dies am Freitag in Berlin mit einer nachlassenden Nachfrage nach solchen Sonderflügen und einem wachsenden Angebot an kommerziellen Ausreisemöglichkeiten.

Textgröße ändern: