Deutsche Tageszeitung - Wadephul nimmt deutschen Botschafter gegen israelische Kritik in Schutz

Wadephul nimmt deutschen Botschafter gegen israelische Kritik in Schutz


Wadephul nimmt deutschen Botschafter gegen israelische Kritik in Schutz
Wadephul nimmt deutschen Botschafter gegen israelische Kritik in Schutz / Foto: © POOL/AFP/Archiv

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat den deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, gegen harsche Kritik aus der israelischen Regierung in Schutz genommen. Seibert hatte sich die Kritik wegen Äußerungen zur Gewalt israelischer Siedler eingehandelt - Wadephul habe daraufhin seinem israelischen Kollegen Gideon Saar gesagt, dass ein Botschafter auch strittige Themen anzusprechen habe, teilte ein Außenamtssprecher am Montag in Berlin mit.

Textgröße ändern:

Es gehöre "ganz klar" zu den Aufgaben des Botschafters, Themen anzusprechen, bei denen es "Differenzen" mit Israel gebe, sagte Wadephul demnach in dem Telefonat. Wadephul habe darin zugleich betont, dass Seibert "ein überzeugter Unterstützer des Staates Israels ist und dass Deutschland fest an der Seite Israels steht". Nach dem Gespräch mit Saar sei "die Sache auch ausgeräumt", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts.

Seibert hatte am Sonntag in einer Botschaft im Onlinedienst X einen "Tag der Empörung und Trauer" beklagt. Dabei verwies er auf den Tod eines israelischen Zivilisten bei den Gefechten mit der Hisbollah-Miliz, die Hunderte vom Iran auf Israel abgefeuerten Raketen, aber auch die in einer "parallelen Realität" von israelischen Siedlern im Westjordanland verübten Gewaltakte gegen Palästinenser.

Der Botschafter fügte in seinem englischsprachigen Beitrag hinzu, dass dieser Gewaltausbruch auf den Tod eines israelischen Siedlers gefolgt sei, dessen Umstände noch "zu untersuchen" seien.

Saar reagierte wütend auf Seiberts Post. Auf X schrieb der israelische Außenminister: "Botschafter Seibert hat Schwierigkeiten damit, Angriffe auf Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zur Sprache zu bringen." Er nannte es zudem "gut zu wissen, dass bald ein neuer Botschafter (aus Deutschland) eintreffen wird - einer, der die israelisch-deutschen Beziehungen stärken wird". Seiberts Amtszeit wird laut Medienberichten planmäßig im Sommer enden.

Saar warf Seibert auch vor, eine "Obsession" mit den jüdischen Siedlern im Westjordanland zu haben, die "ihn sogar daran hindert, den von einem Palästinenser verursachten Tod eines Juden zu verurteilen". Saar bezog sich auf den Vorfall, der den Ausschreitungen im Westjordanland vorausgegangen war. Der israelische Zivilist starb Berichten zufolge, nachdem sein Fahrzeug von einem Wagen gerammt wurde. Dieses soll demnach von einem Palästinenser gesteuert worden sein.

Die israelische Armee teilte mit, sie untersuche noch, ob der Vorfall "einen Bezug zum Terrorismus" habe, also ein Anschlag war. Nach dem Vorfall setzten laut Berichten palästinensischer Einwohner israelische Siedler Häuser und Autos in mehreren Orten im israelisch besetzten Westjordanland in Brand. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa wurden mehrere Palästinenser verletzt.

In seinem Telefonat mit Saar unterstrich Wadephul nach Angaben seines Sprechers, "dass es ein entschiedeneres Vorgehen gegen Siedlergewalt im Westjordanland brauche". Der Streit um Seibert sei in dem Gespräch aber nur ein "Randthema" gewesen. Wadephul habe ein "sehr enges Verhältnis" zum israelischen Kollegen und stehe "sehr häufig" mit ihm im Austausch.

Der Sprecher des Auswärtigen Amts merkte vor Journalisten zu dem online geführten Streit um Seibert auch an: "Nicht alle Gespräche sind idealerweise über X zu führen." Dies sei "nicht das optimale Gesprächsformat, um Meinungsverschiedenheiten auszuräumen". Nach dem direkten Gespräch Wadephuls mit Saar habe "die Sache auch ein Bewenden".

(Y.Leyard--DTZ)

Empfohlen

Xi warnt Trump bei Treffen in Peking: Taiwan könnte beide Länder in "Konflikt" treiben

Eine deutliche Warnung Chinas in der Taiwan-Frage hat am Donnerstag das Gipfeltreffen von US-Präsident Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Peking geprägt. Wenn die Taiwan-Frage "falsch gehandhabt" werde, könnten China und die USA aneinander geraten "oder sogar in einen Konflikt geraten", sagte Xi. Einigkeit gab es nach Angaben des Weißen Hauses bei der strategisch wichtigen Straße von Hormus: Diese müsse "offen bleiben", forderten Xi und Trump. Chinas Staatschef stellte Vertretern von US-Unternehmen, die Trump auf seiner Reise begleiteten, eine weitere Öffnung seines Landes in Aussicht.

Selenskyj: Russland greift Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten an

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten massiv angegriffen. Dabei seien Wohnhäuser, eine Schule, eine Tierarztpraxis und andere zivile Infrastruktur beschädigt worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. Nach Behördenangaben wurden mindestens ein Mensch getötet und 31 weitere verletzt. Selenskyj rief die westlichen Verbündeten seines Landes zu einer deutlichen Reaktion auf diesen schweren Angriff auf.

Nach Drohnen-Vorfall: Lettische Regierungschefin erklärt Rücktritt

Nach einem Vorfall mit ukrainischen Drohnen in Lettland hat die Regierungschefin der Baltenrepublik, Evika Silina, am Donnerstag ihren Rücktritt erklärt. Silina gab ihren Schritt auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Riga bekannt. Wenige Stunden zuvor hatten die linksgerichteten Progressiven aus Protest gegen die Entlassung ihres Verteidigungsministers Andris Spruds die Regierungskoalition aufgekündigt, wodurch diese ihre Mehrheit im Parlament verlor.

Weißes Haus: Straße von Hormus muss laut Trump und Xi "offen bleiben"

US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping sind sich nach Angaben des Weißen Hauses einig, dass die Straße von Hormus "offen bleiben" muss. Beide Staatschefs seien bei ihrem Treffen in Peking übereingekommen, dass dadurch der "freie Energiefluss" unterstützt werden solle, erklärte das Weiße Haus am Donnerstag weiter.

Textgröße ändern: