Deutsche Tageszeitung - Selenskyj: Russland greift Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten an

Selenskyj: Russland greift Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten an


Selenskyj: Russland greift Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten an
Selenskyj: Russland greift Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten an / Foto: © AFP

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew über Nacht an mehr als 20 Orten massiv angegriffen. Dabei seien Wohnhäuser, eine Schule, eine Tierarztpraxis und andere zivile Infrastruktur beschädigt worden, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. Nach Behördenangaben wurden mindestens ein Mensch getötet und 31 weitere verletzt. Selenskyj rief die westlichen Verbündeten seines Landes zu einer deutlichen Reaktion auf diesen schweren Angriff auf.

Textgröße ändern:

Moskau habe in der Nacht zu Donnerstag mehr als 670 Angriffsdrohnen gegen sein Land gestartet und 56 Raketen abgefeuert, erklärte der ukrainische Staatschef. An den Einschlagsorten könnten noch mehr Menschen unter den Trümmern eingeschlossen sein, warnte er.

"Das sind ganz sicher nicht die Handlungen derjenigen, die glauben, der Krieg gehe zu Ende", erklärte Selenskyj. Es sei nun wichtig, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine zu diesem Angriff "nicht schweigen".

Reporter der Nachrichtenagentur AFP hatten am frühen Morgen von mehreren Explosionen und Luftalarmsirenen in Kiew berichtet. Demnach war auch der Einsatz der Flugabwehr zu hören. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte im Onlinedienst Telegram, Kiew werde von Russland mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Er rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. Der Chef von Kiews Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, meldete neben einem Todesopfer zunächst auch mindestens 16 Verletzte.

Der ukrainische Rettungsdienst teilte später mit, dass bei Angriffen in der Region Kiew 31 Menschen verletzt worden seien, darunter ein Kind. Die Such- und Rettungsarbeiten dauerten demnach an.

Laut Militärverwaltung wurden bei den Angriffen sechs Bezirke der ukrainischen Hauptstadt und sechs weitere in der umliegenden Region getroffen. Im Morgengrauen beobachteten AFP-Journalisten Rettungskräfte, die in den Trümmern zerstörter Gebäude in Kiew nach Überlebenden suchten. Retter bargen einen Verletzten aus einem teils eingestürzten Wohnhaus.

Nach dem Ende einer dreitägigen Waffenruhe hatte Russland die Ukraine nach Angaben aus Kiew vom Dienstag erneut mit massiven Angriffen überzogen. Am Mittwoch dann wurde die Ukraine tagsüber mit hunderten Drohnen angegriffen. Nach ukrainischen Angaben startete die russische Armee "mindestens 800 Drohnen", die hauptsächlich gegen die Westukraine gerichtet waren. Dabei wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mindestens sechs Menschen getötet.

Moskau greift die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Drohnen und Raketen an. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des seit Februar 2022 andauernden Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. In der vergangenen Woche hatten erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten stattgefunden. Selenskyj forderte US-Präsident Donald Trump am Mittwoch auf, bei seinem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking über die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges zu sprechen.

Im Ukraine-Krieg sind bereits hunderttausende Menschen getötet worden. Es ist der bewaffnete Konflikt mit den meisten Opfern in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Als Voraussetzung für ein Friedensabkommen verlangt Russland von der Ukraine den Rückzug aus mehreren bisher nur teilweise von Moskau kontrollierten Regionen, darunter das wichtige Industriegebiet Donbass im Osten der Ukraine. Kiew weist die Forderungen entschieden zurück.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Lettische Regierungschefin Silina tritt nach Vorfällen mit ukrainischen Drohnen zurück

Nach dem Absturz ukrainischer Drohnen in Lettland ist Regierungschefin Evika Silina zurückgetreten. Sie gab ihren Schritt am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Riga bekannt, nachdem ein wichtiger Koalitionspartner wegen eines Streits über den Umgang mit den Drohnenvorfällen die Regierung verlassen hatte. Der lettische Präsident Edgars Rinkevics will am Freitag die Vertreter der lettischen Parteien zu Gesprächen empfangen.

Trump lädt Xi und seine Frau ins Weiße Haus ein

Bei seinem Besuch in Peking hat US-Präsident Donald Trump den chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dessen Frau zu einem Gegenbesuch im Weißen Haus eingeladen. "Es ist mir eine Ehre, Ihnen, Madam Peng, eine Einladung auszusprechen, uns am 24. September im Weißen Haus zu besuchen, und wir freuen uns darauf", sagte Trump am Donnerstagabend (Ortszeit) und wandte sich beim Staatsbankett in der Großen Halle des Volkes an Xi und dessen Ehefrau Peng Liyuan.

Mindestens fünf Tote bei schweren russischen Angriffen auf Kiew

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zum Donnerstag Ziel schwerer russischer Angriffe geworden. Bei den Attacken mit hunderten Drohnen und dutzenden Raketen auf 20 Orte in der Metropole wurden nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mindestens fünf Menschen getötet. Bei einem weiteren russischen Angriff in der Südukraine wurde dem ukrainischen Staatschef zufolge ein UN-Fahrzeug getroffen. Selenskyj warf Moskau einen "gezielten" Angriff vor.

Xi warnt Trump bei Treffen in Peking: Taiwan könnte beide Länder in "Konflikt" treiben

Eine deutliche Warnung Chinas in der Taiwan-Frage hat am Donnerstag das Gipfeltreffen von US-Präsident Trump mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Peking geprägt. Wenn die Taiwan-Frage "falsch gehandhabt" werde, könnten China und die USA aneinander geraten "oder sogar in einen Konflikt geraten", sagte Xi. Einigkeit gab es nach Angaben des Weißen Hauses bei der strategisch wichtigen Straße von Hormus: Diese müsse "offen bleiben", forderten Xi und Trump. Chinas Staatschef stellte Vertretern von US-Unternehmen, die Trump auf seiner Reise begleiteten, eine weitere Öffnung seines Landes in Aussicht.

Textgröße ändern: