Deutsche Tageszeitung - Heftigste israelische Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele in Beirut seit Kriegsbeginn

Heftigste israelische Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele in Beirut seit Kriegsbeginn


Heftigste israelische Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele in Beirut seit Kriegsbeginn
Heftigste israelische Luftangriffe auf Hisbollah-Ziele in Beirut seit Kriegsbeginn / Foto: © AFP

Libanons Hauptstadt Beirut ist am Tag der Waffenruhe-Einigung zwischen den USA und dem Iran von den heftigsten israelischen Angriffe seit dem Kriegseintritt der pro-iranischen Hisbollah erschüttert worden. Libanons Regierungschef Nawaf Salam erklärte den Donnerstag nach den Angriffen mit mehr als 200 Toten zum nationalen Trauertag. Laut US-Präsident Donald Trump erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte Feuerpause nicht auf den Libanon. International wurden die Angriffe scharf verurteilt, die Hisbollah feuerte derweil erneut Raketen auf Israel.

Textgröße ändern:

Nach mehreren zeitgleichen Angriffen auf Viertel in Beirut am Mittwochnachmittag flog die israelische Armee libanesischen Staatsmedien zufolge auch am Abend Angriffe, darunter auf ein Gebäude im Gebiet Tallet El-Chajat. Dort stürzte nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP ein Wohngebäude teilweise ein. Libanesische Staatsmedien zufolge griff Israel am Abend auch die als Hisbollah-Hochburgen geltenden südlichen Vororte von Beirut an.

Das libanesische Gesundheitsministerium meldete am Donnerstag mindestens 203 Tote und mehr als 1000 Verletzte.

Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte den Donnerstag zum Tag der Trauer "für die Märtyrer und Verwundeten der israelischen Angriffe", die sich "gegen Hunderte unschuldige, wehrlose Zivilisten" gerichtet hätten. Öffentliche Verwaltungen sollten geschlossen und Flaggen auf Halbmast gesetzt werden.

Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz hatten die israelischen Streitkräfte am Vortag landesweit "einen Überraschungsangriff auf hunderte Hisbollah-Mitglieder ausgeführt". Es sei "der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation 'Beepers' erlitten hat", sagte Katz am Mittwoch. Er bezog sich dabei auf von Israel organisierte Angriffe im Jahr 2024, bei denen Pager und Walkie-Talkies hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon explodierten und viele von ihnen töteten.

Am Donnerstag erklärte die israelische Armee, dass sie bei den Angriffen auf Hisbollah-Ziele am Vortag auch einen engen Berater des Hisbollah-Chefs Naim Kassem getötet habe. Ali Jussuf Harschi, Kassems persönlicher Sekretär und Neffe, wurde demnach am Mittwoch in Beirut getötet.

Die Hisbollah feuerte derweil nach eigenen Angaben wieder zahlreiche Raketen auf Israel. Sie begründete die Angriffe am Donnerstagmorgen mit den israelischen Luftangriffen am Vortag.

Die Hisbollah ist Teil der vom Iran angeführten "Achse des Widerstands" an, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist. Die Miliz hatte als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei am 2. März Raketen auf Israel abgefeuert und damit den Libanon in den Iran-Krieg hineingezogen. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Teheran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.

Nach mehr als fünf Wochen Krieg einigten sich die USA und der Iran am Dienstag auf eine zweiwöchige Waffenruhe. Die israelische Regierung erklärte, die Feuerpause zu unterstützen, diese gelte aber anders als vom Vermittler Pakistan verkündet nicht für den Kampf gegen die Hisbollah im Libanon. Trump bestätigte dies später.

Laut US-Vizepräsident JD Vance, der ab Freitag für die US-Seite die direkten Gespräche mit dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad leiten soll, hatten die USA nie zugesagt, den Libanon in die Feuerpause einzubeziehen. Wenn die Iraner die Verhandlungen wegen dieser Frage scheitern ließen, sei es "letztlich ihre Entscheidung".

Frankreichs Präsident Macron drängte Trump und Irans Staatschef Massud Peseschkian indes in Telefonaten dazu, die Waffenruhe auf den Libanon auszuweiten. Dies sei aus seiner Sicht eine "notwendige Voraussetzung" dafür, dass sie "glaubwürdig und dauerhaft" sei, erklärte Macron. Sein Außenminister Jean-Noël Barrot sprach von "inakzeptablen" israelischen Angriffen, da sie die "vorübergehende Waffenruhe" zwischen den USA und dem Iran "untergraben".

Ähnlich äußerte sich Großbritanniens Außenministerin Yvette Cooper. London wolle, dass die "Waffenruhe auf den Libanon ausgeweitet" werde. Über die "eskalierenden Angriffe Israels" sei sie "zutiefst besorgt. Zuvor hatte bereits UN-Generalsekretär António Guterres seinen Aufruf an alle Kriegsparteien unterstrichen, "die Kampfhandlungen unverzüglich einzustellen".

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Britischer Premierminister Starmer kündigt Rücktritt an

Angesichts des massiven Drucks auch aus seiner eigenen Partei hat der britische Premierminister Keir Starmer seinen Rücktritt angekündigt. "Ich werde als Vorsitzender der Labour-Partei zurücktreten", sagte Starmer am Montag vor seinem Amtssitz in der Downing Street in London. Starmer gab bekannt, dass er bis zur Wahl seines Nachfolgers vorerst Regierungschef bleiben werde. Das Verfahren zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der Labour-Partei werde im Juli gestartet, erklärte er. Sein Nachfolger könnte den Labour-Vorsitz und das damit verknüpfte Amt des Premierministers dann voraussichtlich im September antreten.

Berlin und Paris erzielen Einigung zu deutscher Beteiligung an Panzerbauer KNDS

Deutschland und Frankreich haben eine Einigung zur Beteiligung des Bundes an dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS erzielt. Wie der Elysée-Palast am Montag in Paris mitteilte, machten beide Staaten mit dem Abkommen zur künftigen Strategie und Unternehmensführung bei KNDS einen "entscheidenden Schritt zur Stärkung ihrer gemeinsamen Souveränität" im Verteidigungsbereich. Regierungssprecher Stefan Kornelius bekräftigte in Berlin, die Bundesregierung strebe eine Beteiligung in Höhe von 40 Prozent der Anteile an KNDS an.

Mehr als jeder dritte Bundestagsabgeordnete hat Nebeneinkünfte

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten verdient noch zusätzlich Geld durch Nebeneinkünfte oder erhält geldwerte Vorteile. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Auswertung der Organisation Abgeordnetenwatch und des Magazins "Spiegel". 232 der aktuell 630 Abgeordneten haben demnach seit Beginn der Legislaturperiode im März 2025 Nebeneinkünfte angegeben. Insgesamt waren dies bis heute rund 10,6 Millionen Euro.

Rechter Hardliner De la Espriella gewinnt Wahl in Kolumbien - Tausende protestieren

Nach dem knappen Wahlsieg des rechten Hardliners Abelardo de la Espriella bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien sind tausende Menschen zu Protesten auf die Straßen gegangen. Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Politik-Neuling setzte sich bei der Stichwahl am Sonntag mit nur einem Prozentpunkt Vorsprung gegen den linken Senator Iván Cepeda durch. In Kolumbiens drittgrößter Stadt Cali kam es daraufhin zu zum Teil gewaltsamen Protesten: Demonstranten setzten am Sonntagabend US-Fahnen in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Textgröße ändern: