Deutsche Tageszeitung - Energiepreise: Kritik an Merz aus der SPD - AWO: Geringverdiener entlasten

Energiepreise: Kritik an Merz aus der SPD - AWO: Geringverdiener entlasten


Energiepreise: Kritik an Merz aus der SPD - AWO: Geringverdiener entlasten
Energiepreise: Kritik an Merz aus der SPD - AWO: Geringverdiener entlasten / Foto: © AFP/Archiv

Mit seiner Absage an schnelle weitere Entlastungen für Bürger und Unternehmen sorgt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für Kritik auch in den Reihen des Koalitionspartners SPD. "Ich verstehe nicht, worauf der Bundeskanzler noch warten will", erklärte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Donnerstagabend auf der Plattform X. "Die Bürger und die Wirtschaft sind schon jetzt am Limit. Wir brauchen jetzt eine schnelle Entlastung."

Textgröße ändern:

Merz hatte am Donnerstag zwar Entlastungen für Bürger und Unternehmen in Aussicht gestellt, falls die Energie- und Spritpreise weiter steigen. Konkrete Maßnahmen hatte er nicht genannt. Angesichts der weiterhin angespannten Lage in der Golfregion dämpfte der Kanzler zudem die Erwartungen an die Handlungsmöglichkeiten der Politik: "Wir schützen die Bürgerinnen und Bürger, wir schützen die Unternehmen in Deutschland - aber wir können sie nicht vor allen Verwerfungen auf den globalen Märkten schützen."

Schwesig forderte eine Absenkung der Energiesteuer. "Außerdem brauchen wir eine Übergewinnsteuer und einen Preisdeckel." Solchen Maßnahmen erteilte Merz allerdings eine Absage. Er wolle "keine Eingriffe in den Markt, die zu Versorgungsengpässen führen", sagte er im Kanzleramt. Merz verwies auf andere europäische Länder, in denen "unsystematische Preisdeckel zu entsprechenden Versorgungsengpässen geführt haben". Für eine Erhöhung der Pendlerpauschale von derzeit 38 Cent auf bis zu 45 Cent je Kilometer zeigte sich der Kanzler jedoch offen.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kritisierte dies als sozial ungerecht. Die Erhöhung der Pendlerpauschale unterstütze zwar Menschen, die aufs Auto angewiesen sind – "aber erst mit der Steuererklärung und nicht jetzt, wo die Spritpreise hoch sind", erklärte AWO-Präsident Michael Groß. Außerdem schließe sie diejenigen von der Entlastung aus, die nicht von der Pendlerpauschale Gebrauch machen könnten, aber besonders stark unter den gestiegenen Preisen litten.

Die Arbeiterwohlfahrt forderte eine "unbürokratische, zeitnahe und spürbare Entlastung" für Menschen ohne oder mit geringen Einkommen", etwa durch einen "Butterbonus", der als Einmalzahlung eine Verschnaufpause ermögliche. Darüber hinaus brauche es langfristige Entlastungen etwa durch eine konsequente Inflationsanpassung in den Sozialleistungen und Reformen bei der Einkommenssteuer.

Außerdem müssten gemeinnützige soziale Einrichtungen, die unter den gestiegenen Kraftstoffpreisen ebenfalls leiden, wie ambulante Pflegedienste, gezielt unterstützt werden, forderte die AWO.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Menschenrechtsgericht lehnt Familiennachzug für 13 Kinder aus drei Ehen ab

Ein Mann aus dem Jemen, der seine 13 Kinder von drei Ehefrauen in die Niederlande nachholen wollte, ist mit diesem Vorhaben vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Ein europäischer Staat, der bei der Zuwanderung familiäre Bindungen berücksichtigt, sei nicht verpflichtet, polygame Ehen anzuerkennen, die gegen die eigene Rechtsordnung verstoßen, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Dienstag in Straßburg.

Schwerste Angriffe seit Jahren: Mehr als 70 Verletzte bei Huthi-Attacken in Saudi-Arabien

Bei den schwersten Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien seit Jahren sind nach Angaben aus Riad mehr als 70 Menschen verletzt worden. Die Attacken der pro-iranischen Miliz lösten nach Angaben der saudiarabischen Behörden Brände in Öl-Anlagen aus und führten zu vorübergehenden Betriebsunterbrechungen. Die Huthis meldeten kurze Zeit später erste saudiarabische Gegenangriffe. Die Eskalation des Konflikts erfolgt vor dem Hintergrund der neu aufgeflammten Kämpfe im Jemen, durch die tausende Menschen vertrieben wurden.

Israelisches Gericht weist Eilantrag gegen Siedlungsprojekt E1 im Westjordanland zurück

Die israelische Justiz hat am Dienstag einen Eilantrag gegen das umstrittene Siedlungsprojekt E1 im Westjordanland zurückgewiesen. Mit dem Eilantrag wollten mehrere Menschenrechtsorganisationen bewirken, dass eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1200 Wohneinheiten für das sogenannte E1-Projekt östlich von Jerusalem ausgesetzt wird.

Klingbeil verteidigt Neuverschuldung in Etatdebatte - Opposition warnt vor Ruin

Mehr als 200 Milliarden Euro neue Schulden im nächsten Jahr: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat am Dienstag im Bundestag seinen Etatentwurf für das Jahr 2027 eingebracht, der zur Finanzierung der Staatsaufgaben auf eine stark steigende Kreditaufnahme setzt. Klingbeil rechtfertigte seine Haushaltsplanung mit der Notwendigkeit von Investitionen, der Sicherung des Sozialstaats und der Stärkung der Verteidigung. Die Opposition warf der Bundesregierung ruinöse Schuldenmacherei vor und äußerte Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Etats.

Textgröße ändern: