Deutsche Tageszeitung - Hoffnung auf geordnete Machtübergabe in Ungarn: EU-Vertreter beraten mit Wahlsieger Magyar

Hoffnung auf geordnete Machtübergabe in Ungarn: EU-Vertreter beraten mit Wahlsieger Magyar


Hoffnung auf geordnete Machtübergabe in Ungarn: EU-Vertreter beraten mit Wahlsieger Magyar
Hoffnung auf geordnete Machtübergabe in Ungarn: EU-Vertreter beraten mit Wahlsieger Magyar / Foto: © AFP

Nach dem Wahlsieg der ungarischen Opposition unter Peter Magyar zeichnet sich eine geordnete Machtübergabe ab. Eine EU-Delegation reiste am Freitag nach Budapest, um mit Vertretern der künftigen Regierung zu sprechen. In seinem ersten Interview seit seiner Wahlniederlage sagte der scheidende rechtsnationalistische Ministerpräsident Viktor Orban, nun sei die "erste und wichtigste Aufgabe, den Regierungswechsel zu bewältigen" - dieser Prozess sei bereits im Gange.

Textgröße ändern:

Bei der Parlamentswahl am Sonntag war Orban nach 16 Jahren an der Macht abgewählt worden. Der Sieg der Tisza-Partei des bisherigen Oppositionsführers Magyar hat in Brüssel die Hoffnung geschürt, dass Ungarn die Blockade bei wichtigen EU-Vorhaben aufgibt, darunter ein Milliarden-Darlehen für die Ukraine.

Im Gegensatz zu Orban vertritt Magyar einen europafreundlichen Kurs. Er hat ein Ende von Ungarns Blockade-Haltung bei wichtigen EU-Entscheidungen in Aussicht gestellt.

Die Bundesregierung äußerte die Erwartung, dass die Freigabe der vom Europäischen Rat bereits im Dezember beschlossenen 90 Milliarden Euro für die Ukraine nun "sehr, sehr schnell" gehen werde. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) habe am Donnerstag mit seiner künftigen ungarischen Amtskollegin telefoniert, dabei sei "die europäische Sicherheit, die Verteidigung der Ukraine natürlich ein ganz wichtiges gemeinsames Thema" gewesen, sagte am Freitag ein Außenamtssprecher in Berlin.

Bei dem Treffen am selben Tag in Budapest zwischen einer EU-Delegation und Vertretern der künftigen Regierung handele es sich um "Vorgespräche", um nach der im Mai anstehenden Amtsübernahme Magyars "keine Zeit zu verlieren", hatte eine EU-Kommissionssprecherin am Vortag in Brüssel gesagt. "Die Uhr tickt bei einer Reihe von Themen."

Der derzeit noch kommissarisch amtierende Orban sagte unterdessen in seinem ersten Interview seit seiner Wahlniederlage, er versuche "irgendwie, diesen Schock zu überwinden". Seine Teilnahme an einem EU-Gipfel in der kommenden Woche in Zypern hatte Orban am Donnerstag abgesagt. Der ungarische Europaminister Janos Boka begründete dies mit Orbans "Pflichten im Zusammenhang mit der Regierungsübergabe".

Magyar will Milliarden von Euro an EU-Geldern für sein Land freibekommen, die Brüssel wegen Orbans Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeits-Prinzipien der Europäischen Union eingefroren hatte. Dazu gehören zehn Milliarden Euro aus dem Corona-Wiederaufbaufonds. Das Recht auf dieses Geld verfällt im August, sollte Budapest bis dahin nicht entscheidende Reformen umgesetzt haben.

Orban sagte in dem Interview, als Fidesz-Parteivorsitzender übernehme er die "volle Verantwortung" für die Wahlniederlage. Er kündigte zugleich in dem live von einem Kanal auf der Plattform Youtube ausgestrahlten Interview eine "vollständige Erneuerung" seiner Partei an.

Bei der Parlamentswahl hatte Magyars Tisza-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament errungen, was dem neuen Regierungschef grundlegende Reformen ermöglicht. Der 45-jährige Magyar gehörte früher dem Orban-Lager an und betrat erst vor zwei Jahren die große politische Bühne, indem er sich der Fidesz-Partei lossagte und an der Spitze der Tisza-Partei zum Oppositionsführer wurde.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Trump will iranisches Uran in die USA bringen

US-Präsident Donald Trump will das iranische Uran nach einem Friedensabkommen mit dem Iran in die USA bringen. Washington werde Teheran dabei helfen, das angereicherte Uran aus den iranischen Atomanlagen zu bergen, die bei Angriffen der USA im Juni vergangenen Jahres getroffen worden waren, fügte Trump am Freitag bei einer Rede in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona hinzu.

Trump zu AFP: Friedensabkommen mit dem Iran "sehr nah"

Eine Friedensvereinbarung mit dem Iran ist nach den Worten von US-Präsident Donald Trump "sehr nah". Es gebe bei den Gesprächen "überhaupt keine Knackpunkte" mehr, sagte Trump am Freitag in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir sind sehr nah dran. Es sieht so aus, als ob es für alle sehr gut sein wird. Wir sind sehr nah dran, einen Deal zu haben."

Fragile Waffenruhe im Libanon - Netanjahu droht Hisbollah mit weiteren Angriffen

Vorsichtige Hoffnungen und neue Befürchtungen haben die seit Freitag geltende, fragile Waffenruhe im Libanon geprägt: Die zehntägige Waffenruhe zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten Libanon und Israel trat um Mitternacht in Kraft, die libanesische Armee warf der israelischen Seite jedoch bereits kurz darauf Verstöße vor. Dabei sei mindestens ein Mensch getötet worden. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu drohte zudem mit neuen Angriffen gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon: "Israel ist mit der Hisbollah noch nicht fertig."

Iran verkündet Öffnung der Straße von Hormus - Teheran erfüllt US-Forderung für Frieden

Der Iran hat die Blockade der Straße von Hormus für Handelsschiffe offiziell aufgehoben - und damit Hoffnungen auf ein baldiges Friedensabkommen mit den USA sowie sinkende Öl- und Benzinpreise genährt. "Im Zuge der Feuerpause im Libanon ist die Durchfahrt für alle Handelsschiffe durch die Straße von Hormus für die verbleibende Zeit der Waffenruhe vollständig offen", erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Freitag im Onlinedienst X.

Textgröße ändern: