Deutsche Tageszeitung - Kommunalwahlen in Palästinensergebieten: Teilweise niedrige Beteiligung

Kommunalwahlen in Palästinensergebieten: Teilweise niedrige Beteiligung


Kommunalwahlen in Palästinensergebieten: Teilweise niedrige Beteiligung
Kommunalwahlen in Palästinensergebieten: Teilweise niedrige Beteiligung / Foto: © AFP

Die Palästinenser im Westjordanland und einem Teil des Gazastreifens haben in den ersten Kommunalwahlen seit dem Gaza-Krieg ihre Bürgermeister und Gemeinderäte neu bestimmt. Im Westjordanland gaben am Samstag laut der Wahlkommission 53,4 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimme ab. Damit lag dort die Beteiligung fast so hoch wie bei den vorherigen Wahlen. Im Gebiet Deir el-Balah im Gazastreifen war die Beteiligung mit 22,7 Prozent hingegen sehr niedrig.

Textgröße ändern:

Die Wahlbeteiligung im von Israel besetzten Westjordanland lag nach offiziellen Angaben nur wenig niedriger als bei den vorherigen Wahlen im März 2022. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatte die Beteiligung erst bei gut 40 Prozent gelegen, in einem Schlussspurt stieg sie dann noch deutlich an. Fast 1,5 Millionen Menschen waren in dem Palästinensergebiet zur Stimmabgabe aufgerufen gewesen.

In Deir el-Balah im vom Krieg zerstörten Gazastreifen gab nur gut jeder fünfte der 70.000 registrierten Wähler seine Stimme ab. In dem Gebiet schlossen die Wahllokale bereits um 18.00 Uhr Ortszeit, zwei Stunden früher als im Westjordanland. Dies sollte eine Auszählung der Stimmen in dem von Stromausfällen betroffenen Gebiet noch bei Tageslicht ermöglichen.

Die Kandidaten der meisten Wahllisten stehen der säkular-nationalistischen Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahe oder sind unabhängig. Die im Gazastreifen herrschende und mit der Fatah im Westjordanland rivalisierende Hamas hatte keine Wahllisten aufgestellt. In vielen Städten im Westjordanland wurde nur eine Liste eingereicht.

Abbas sagte nach seiner Stimmabgabe in Al-Bireh, er sei erfreut, "Demokratie auszuüben, trotz der vielen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen", wie die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete. Der Leiter der Wahlkommission, Rami Hamdallah, hatte "alle" Wahlberechtigten aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Er verwies auf die "Wichtigkeit dieses Urnengangs für das palästinensische Volk".

Viele Wähler schienen den Urnengang anders zu bewerten. Mahmud Bader, ein Geschäftsmann aus Tulkarem im Westjordanland, sagte, die Wahlen seien "eine Show für die internationalen Medien". Der Englischlehrer Manar Salman aus Jericho sagte, durch die israelische Besetzung des Palästinensergebietes seien die Möglichkeiten auf kommunaler Ebene eingeschränkt. Die Gemeinderäte sind unter anderem für die Bereiche Wasserversorgung und Infrastruktur zuständig.

Der Wähler Mohammed al-Hasain sagte nach seiner Stimmabgabe in Deir al-Balah im Gazastreifen, die Wahlen seien weitestgehend symbolisch. Sie zeigten aber den Willen der Menschen in dem vom Krieg weitestgehend zerstörten Küstenstreifen "zu leben". Im seit mehr als 20 Jahren von der Hamas kontrollierten Gazastreifen war es der erste Urnengang seit der Parlamentswahl von 2006, aus welcher die radikalislamische Gruppe als Sieger hervorgegangen war.

Der Politikwissenschaftler Dschamal al-Fadi von der Al-Aschar-Universität in Kairo sagte, die Wahl in Deir el-Balah sei ein "Experiment". Für die Palästinensische Autonomiebehörde gehe es darum, "den eigenen Erfolg oder Misserfolg zu testen, da es keine Meinungsumfragen aus der Zeit nach dem Krieg gibt".

Die Europäische Union begrüßte die Kommunalwahlen als "wichtigen Schritt hin zu einer breiteren Demokratisierung und einer Stärkung der örtlichen Regierungsführung". Der UN-Koordinator Ramis Alakbarov hatte im Vorfeld der Wahlen erklärt, die Urnengänge stellten für die Palästinenser "eine wichtige Gelegenheit dar, ihre demokratischen Rechte in einer außergewöhnlich schwierigen Zeit auszuüben". Von Kritikern sieht sich die Autonomiebehörde Korruptionsvorwürfen ausgesetzt. Seit 2006 gab es keine Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen.

Im Gazastreifen gilt seit Oktober eine Waffenruhe zwischen der Hamas und der israelischen Armee, trotzdem gibt es immer wieder Angriffe und Gewalt. Am Tag vor den Wahlen waren bei israelischen Angriffen nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes mindestens 13 Menschen getötet worden. Allein bei einem Luftangriff auf ein Polizeifahrzeug in der Stadt Chan Junis im Süden wurden demnach am Freitag acht Menschen getötet und mehrere weitere verletzt.

Am Sonntag wurden dann laut dem Zivilschutz bei erneuten israelischen Angriffen in der Stadt Gaza und in Chan Junis drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

Ungewissheit über mögliche Fortsetzung der Iran-Gespräche in Pakistan

Um eine mögliche neue Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran über ein Ende des Krieges herrscht Ungewissheit. US-Präsident Donald Trump sagte am Samstag kurzfristig eine Reise seiner Gesandten in das als Vermittler auftretende Pakistan ab, nachdem der iranische Außenminister Abbas Araghtschi zuvor von dort abgereist war. Die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete aber später, Araghtschi werde nach einem Kurzbesuch im Oman nach Pakistan zurückfliegen.

Schüsse bei Korrespondenten-Dinner mit Trump - US-Präsident bleibt unversehrt

Bei einer Veranstaltung mit US-Präsident Donald Trump in Washington ist es zu einem Schusswaffenvorfall gekommen. Der Präsident und seine Frau Melania blieben unverletzt und wurden rasch in Sicherheit gebracht, der mutmaßliche Täter wurde direkt nach den Schüssen am Samstagabend (Ortszeit) während des traditionellen Korrespondenten-Dinners vor Ort festgenommen. Trump ging davon aus, dass der Mann ein Attentat auf ihn verüben wollte.

Dschihadisten und Tuareg-Rebellen bekennen sich zu gemeinsamen Angriffen auf Armee in Mali

In Mali haben mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Dschihadisten nach eigenen Angaben gemeinsam mit der Tuareg-Rebellengruppe FLA Angriffe auf die Armee gestartet. "Gemeinsam führen wir eine wahrhaftige Transformation aus, im Dienste der Religion, des Landes und des Volkes", erklärte die Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) am Samstag. In Malis Hauptstadt Bamako und weiteren Städten des westafrikanischen Krisenstaates war es zuvor zu heftigen Gefechten zwischen der Armee und bewaffneten Angreifern gekommen.

Schüsse bei Korrespondenten-Dinner mit Trump: Mutmaßlicher Täter festgenommen

Wegen eines Schusswaffenangriffs während seiner Teilnahme am traditionellen Korrespondenten-Dinner in Washington ist US-Präsident Donald Trump am Samstagabend (Ortszeit) eilig in Sicherheit gebracht worden. Der mutmaßliche Schütze wurde vor Ort festgenommen, Trump warf ihm Mordabsichten vor, die der Mann offenbar als "einsamer Wolf" verfolgt habe. Der Angriff hatte sich in einem Kontrollbereich außerhalb des Festsaals ereignet, in dem sich Trump mit seiner Frau Melania befand.

Textgröße ändern: