Deutsche Tageszeitung - Zwei Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte nach Israel gebracht - Spanien übt scharfe Kritik

Zwei Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte nach Israel gebracht - Spanien übt scharfe Kritik


Zwei Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte nach Israel gebracht - Spanien übt scharfe Kritik
Zwei Teilnehmer der Gaza-Hilfsflotte nach Israel gebracht - Spanien übt scharfe Kritik / Foto: © AFP

Nach dem Abfangen der Gaza-Hilfsflotte durch Israel vor der griechischen Insel Kreta sind zwei der 175 Aktivisten nach Israel gebracht worden. Wie das israelische Außenministerium am Samstag mitteilte, wurden der Spanier Saif Abu Keshek und der Brasilianer Thiago Ávila zu einer Befragung an die Strafverfolgungsbehörden im Land übergeben. Das spanische Außenministerium kritisierte das Vorgehen der israelischen Behörden scharf und bezeichnete es als "illegal".

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Das israelische Außenministerium wirft den beiden nach Israel gebrachten Aktivisten Verbindungen zur islamistischen Palästinenserorganisation Hamas vor. Der spanische Staatsbürger Keshek sei ein führendes Mitglied der Volkskonferenz für Palästinenser im Ausland (PCPA). Auch dem Brasilianer Ávila, der bereits an einer früheren Gaza-Flotte beteiligt war, werden illegale Aktivitäten und eine Zusammenarbeit mit der PCPA vorgeworfen.

Israel und die USA werfen der Organisation vor, mit der Hamas verbunden zu sein. Die USA hatten die Organisation mit dieser Begründung bereits mit Sanktionen belegt.

Beide Männer sollen nach israelischen Angaben konsularischen Beistand in Israel erhalten. Der spanische Konsul wurde laut Außenminister José Manuel Albares am Mittag in den israelischen Hafen Aschkelon beordert, um Keshek zu besuchen.

Die Organisatoren der Gaza-Flotte warfen israelischen Sicherheitskräften Gewaltanwendung vor. In einer von ihnen verbreiteten Aufnahme sprach ein Teilnehmer davon, Aktivisten seien "mehrfach geschlagen" worden. Die israelische Menschenrechtsgruppe Adalah erklärte, mehrere Anwälte hätten die Aktivisten in einer Haftanstalt besucht. Der festgenommene Aktivist berichtete demnach von "extremer Brutalität", die er erlitten habe.

Albares reagierte mit scharfer Kritik auf das Vorgehen der israelischen Behörden. "Ich bin besorgt, weil ein spanischer Staatsbürger illegal festgehalten wird, der in internationalen Gewässern außerhalb jeglicher Gerichtsbarkeit von den Behörden eines anderen Staates festgenommen wurde", sagte Albares dem Radiosender Rac1. Er verurteilte das Vorgehen Israels als "komplett illegal" und sprach von einer "inakzeptablen" Lage.

Israel habe zudem "keinerlei Beweise geliefert, um diese Anschuldigung zu untermauern". Selbst wenn es Vorwürfe gäbe, existierten "in einer Demokratie und einem Rechtsstaat juristische Wege", um diese vorzubringen. Der Vorfall sei "eine Episode, die unsere Beziehungen noch weiter anspannt", sagte Albares mit Blick auf das Verhältnis zu Israel.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und dem vom linksgerichteten Ministerpräsidenten Pedro Sánchez regierten Spanien gelten seit Längerem vor dem Hintergrund des Gaza-Kriegs als äußerst angespannt. Beide Länder hatten jeweils ihre Botschafter im anderen Staat abgezogen.

Brasilien protestierte seinerseits ebenfalls formell gegen die Überstellung seines Staatsbürgers Ávila nach Israel. Auch die brasilianisch-israelischen Beziehungen gelten als stark angespannt.

Die israelischen Streitkräfte hatten rund 20 Boote der Hilfsflotte am Donnerstag festgesetzt. Am Freitag gingen 175 pro-palästinensische Aktivisten auf der griechischen Insel Kreta an Land, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Unter Begleitung der griechischen Küstenwache seien sie in Bussen in eine Stadt gebracht worden. Die Organisatoren der Aktion "Global Sumud Flotilla" meldeten ihrerseits 211 Aktivisten, die von Israel "gekidnappt" worden seien. Unter ihnen waren laut einer Sprecherin mehrere französische Staatsbürger.

Die ursprünglich insgesamt mehr als 50 Boote der Hilfsflotte waren in den vergangenen Wochen von Marseille in Frankreich, Barcelona in Spanien und Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien ausgelaufen, um nach eigenen Angaben Hilfsgüter in den Gazastreifen zu bringen.

Ende 2025 hatte schon einmal eine Hilfsflotte versucht, in den Gazastreifen zu gelangen. Die Schiffe wurden damals von der israelischen Marine aufgebracht; die Besatzungsmitglieder wurden festgenommen und anschließend ausgewiesen. Unter ihnen befand sich auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg.

Israel kontrolliert alle Übergänge in den Gazastreifen. Im Oktober 2025 war eine Waffenruhe in dem Palästinensergebiet in Kraft getreten, trotzdem gibt es immer wieder Angriffe und Gewalt. Israel und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas werfen sich gegenseitig Verstöße gegen das Abkommen vor.

(M.Dylatov--DTZ)

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