Deutsche Tageszeitung - Dobrindt will "Migrationswende" vorantreiben und Zivilschutz stärken

Dobrindt will "Migrationswende" vorantreiben und Zivilschutz stärken


Dobrindt will "Migrationswende" vorantreiben und Zivilschutz stärken

Eine schärfere Abschiebepolitik, eine Stärkung des Zivilschutzes und die Reform der Nachrichtendienste: Noch in diesem Jahr will Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) weitere Vorhaben in den Bereichen Migrations- und Sicherheitspolitik umsetzen. Während er ein Jahr nach dem Antritt der schwarz-roten Bundesregierung eine positive Bilanz seiner Arbeit zog, stellte die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl dem Minister ein schlechtes Zwischenzeugnis aus.

Textgröße ändern:

Bei Rückführungen abgelehnter Asylbewerber wolle die Bundesregierung eine Beschleunigung erreichen, sagte Dobrindt bei einer Pressekonferenz in Berlin. Dazu sei ein Gesetz "für stärkere Effizienz bei Rückführungen" in Vorbereitung. Was Ende des vergangenen Jahres mit Straftätern aus Afghanistan und Syrien begonnen habe, solle "konsequent weitergeführt" werden.

Bei einem möglichen Fortbestand der Grenzkontrollen zu den Nachbarländern verwies Dobrindt auf die europäische Asylreform GEAS, die am 12. Juni in Kraft treten soll. Die Reform zielt darauf ab, dass weniger Asylsuchende in die EU kommen. Er habe die "hohe Erwartung", dass sich dadurch die Migrationspolitik innerhalb der EU stabilisieren werde, sagte Dobrindt. Ziel müsse sein, "wieder in eine Situation zu kommen, in der es keine Binnengrenzkontrollen braucht", diese seien "kein Selbstzweck".

Aus der Sicht von Pro Asyl fällt die Zwischenbilanz der Bundesregierung verheerend aus. Die Koalition setze auf Abschreckung und nehme dabei "teils offene Rechtsbrüche in Kauf", erklärte Pro-Asyl-Geschäftsführer Karl Kopp. Die neue Härte habe nicht zu mehr "Ordnung" geführt. "Sie hat Menschenrechte unter Druck gesetzt, Flucht gefährlicher gemacht und die extreme Rechte weiter gestärkt". Dafür trügen Kanzler Friedrich Merz (CDU), Dobrindt und die Koalition die politische Verantwortung.

Dobrindts "Migrationswende" verstoße an den deutschen Grenzen "kalkuliert und tausendfach gegen Europarecht". Auf Dobrindts Weisung würden auch Menschen zurückgewiesen, die an der Grenze Schutz suchen. Das Verwaltungsgericht Berlin habe in drei Kammerbeschlüssen klargestellt, dass diese Praxis rechtswidrig sei, betonte Kopp. Die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte trenne Familien oft über Jahre hinweg. Mit dem Stopp der Afghanistan-Aufnahmeprogramme breche die Bundesregierung zudem ihre staatlichen Schutzversprechen.

Dobrindt nannte als einen weiteren Schwerpunkt seiner künftigen Arbeit die Stärkung des Bevölkerungsschutzes. Dieser solle im Laufe des Jahres "auf neue Beine gestellt" werden. Mit dem Kritis-Dachgesetz seien dafür bereits die Grundlagen gelegt worden. Es soll einheitliche Standards für den Schutz kritischer Infrastrukturen vor Drohnen, Cyberangriffen oder Anschlägen schaffen. Bis 2029 sollten zehn Milliarden Euro bereit gestellt werden, "um die Strukturen in Deutschland stärker miteinander zu verzahnen".

Die Nachrichtendienste in Deutschland will Dobrindt "zu einem echten Geheimdienst" ausbauen. Eine entsprechende Reform "steht jetzt an", sagte Dobrindt. Dafür solle das Bundesamt für Verfassungsschutz modern aufgestellt werden. Dies sei nötig, "um den modernen hybriden Bedrohungen etwas entgegensetzen zu können und sich gegen Spionage, Sabotage, Cyberangriffe zur Wehr setzen zu können". Es werde "in den nächsten Monaten" die Aufgabe sein, "diese zusätzlichen Fähigkeiten in unseren Sicherheitsbereichen auch zu ermöglichen".

Der Innenminister bewertete die bisherige Migrationspolitik der schwarz-roten Koalition positiv. Durch eine Vielzahl von Maßnahmen sei die illegale Migration seit 2023 um 70 Prozent zurückgegangen.

Bei der inneren Sicherheit seien die Polizeibehörden unter anderem durch digitale Ermittlungsbefugnisse gestärkt worden. Im Bereich der Cyberabwehr werde die Bundespolizei gestärkt.

Durch den Aufbau einer Drohnen-Abwehreinheit der Bundespolizei und ein gemeinsames Drohnen-Abwehrzentrum zwischen Bund und Ländern sei auch die Abwehr gegen hybride Bedrohungen gestärkt worden.

(P.Vasilyevsky--DTZ)

Empfohlen

Hunderte Festnahmen bei Protest gegen Verbot von propalästinensischer Gruppe in London

Bei einer Solidaritätskundgebung für die als Terrororganisation eingestufte Gruppe Palestine Action sind in der britischen Hauptstadt London am Samstag mehr als 300 Menschen festgenommen worden. Insgesamt seien 325 Menschen in Gewahrsam genommen worden, erklärte die Londoner Polizei am Sonntag. Die Festnahmen erfolgten demnach "wegen der Unterstützung einer verbotenen Organisation nach den Anti-Terror-Gesetzen".

Ausschreitungen nach "GenZ"-Protest in Köln: Mehr als 20 Polizisten verletzt

Bei Ausschreitungen nach der "GenZ"-Demonstration in Köln ist es nach Polizeiangaben unter anderem zu einem Angriff auf ein Geschäft sowie massiven Attacken auf Einsatzkräfte gekommen. Wie die örtliche Polizei am Sonntag mitteilte, wurden einer ersten Bilanz zufolge 23 Beamte verletzt und mehrere Verdächtige in Gewahrsam genommen. Im Rucksack eines festgenommenen 56-Jährigen fanden die Einsatzkräfte demnach Molotowcocktails sowie Stichwaffen.

Hessens Innenminister: Bis zu 1500 gewaltbereite Störer bei Krawallen in Frankfurt

Bei schweren Ausschreitungen nach Jugendprotesten in Frankfurt am Main sind Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) zufolge am Samstagabend 17 Geschäfte beschädigt und fünf davon geplündert worden. 54 Verdächtige seien festgenommen und mehr als zehn Polizisten verletzt worden, sagte Poseck am Sonntag vor Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stadtverwaltung und Polizei.

Spannung steigt vor US-Kongresswahlen - Richterin weist Weißes Haus in die Schranken

Die Spannung steigt - nicht nur in den USA: Am Dienstag stehen die Kongresswahlen an, die das Machtverhältnis in Washington deutlich verändern könnten. Bei den sogenannten Midterms geht es um die künftigen Mehrheiten in beiden Kongresskammern - die Demokraten wollen den Republikanern von US-Präsident Donald Trump sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat entreißen. Kurz vor dem Urnengang untersagte eine Bundesrichterin der US-Regierung, Wahlbeamten und Wahlhelfern mit Strafverfolgung zu drohen.

Textgröße ändern: