Deutsche Tageszeitung - Drohnenalarm in Litauen: Bevölkerung und Staatsspitze in Vilnius müssen Schutz suchen

Drohnenalarm in Litauen: Bevölkerung und Staatsspitze in Vilnius müssen Schutz suchen


Drohnenalarm in Litauen: Bevölkerung und Staatsspitze in Vilnius müssen Schutz suchen
Drohnenalarm in Litauen: Bevölkerung und Staatsspitze in Vilnius müssen Schutz suchen / Foto: © AFP

Wegen eines Drohnenalarms im litauischen Vilnius ist erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine in der Hauptstadt eines EU- und Nato-Staats eine Schutzanweisung für die Bevölkerung und die Staatsspitze ausgelöst worden. Das öffentliche Leben in Litauens Hauptstadt stand am Mittwochvormittag still und der Präsident, die Ministerpräsidentin und die Abgeordneten mussten sich in Sicherheit begeben. Kurz darauf konnte Entwarnung gegeben werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte Russland und Belarus verantwortlich.

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Der Alarm wurde gegen 10.20 Uhr (Ortszeit, 09.20 Uhr MESZ) auf den Handys in Vilnius ausgelöst. Die Menschen wurden aufgefordert, sich "unverzüglich" in einen Schutzraum oder an einen anderen sicheren Ort zu begeben und weitere Anweisungen abzuwarten. Zivilisten in Büros und Wohnhäusern begaben sich umgehend in Keller oder ausgewiesene Schutzräume.

"Ich zog mich an und ging in den Keller", sagte der Fotograf Andrej Vasilenko, der sich beim Ertönen des Alarms in seiner Wohnung befand, der Nachrichtenagentur AFP. "Ich war allein, keine anderen Bewohner des Gebäudes waren da." Der Vorfall sei "seltsam" gewesen, "aber gleichzeitig leben so viele Menschen in der Ukraine seit vier Jahren damit".

Präsident Gitanas Nauseda und Regierungschefin Inga Ruginiene sowie Abgeordnete des Parlaments in Vilnius wurden in Sicherheit gebracht, wie ihre Büros gegenüber der Nachrichtenagentur BNS erklärten. Hochrangige Politiker waren nach einem Drohnenalarm im vergangenen Jahr bereits in Schutzräume gebracht worden, nicht jedoch die allgemeine Bevölkerung.

Laut dem Verteidigungsministerium wurde der internationale Flughafen von Vilnius geschlossen. Der Flugverkehr war vorübergehend ausgesetzt. Zudem kam der Zugverkehr in dem Baltenstaat zum Erliegen.

Litauens Armee teilte mit, im Luftraum des benachbarten Belarus sei ein Radarsignal festgestellt worden, "das die typischen Merkmale eines unbemannten Luftfahrzeugs aufweist". Die Nato-Luftüberwachung sei aktiviert worden.

Der Leiter des litauischen Krisenzentrums, Vilmantas Vitkauskas, sagte dem Sender LRT, dass eine Drohne im Bezirk Vilnius gesichtet worden sei. Nähere Angaben machte er nicht.

Gegen 11.00 Uhr (Ortszeit) wurde der Drohnenalarm wieder aufgehoben. Die Menschen konnten die Schutzräume wieder verlassen.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen erklärte nach dem Vorfall, Russland und Belarus trügen die "direkte Verantwortung" für jegliche Drohnenvorfälle an der EU-Ostflanke. Nato-Generalsekretär Mark Rutte betonte, selbst wenn die Drohnen von der Ukraine gestartet worden seien, sei es nicht die Schuld des Landes. Die Drohnen seien wegen des "rücksichtslosen" und "illegalen" Angriffs Russlands dort.

Die Baltenstaaten Litauen, Estland und Lettland gehören zu den vehementesten Unterstützern der von Russland angegriffenen Ukraine. Moskau wirft den drei früheren Sowjetrepubliken immer wieder vor, dass sie der Ukraine als Basis für Angriffe auf russisches Territorium dienten. Die Länder weisen dies zurück.

Derartige Alarme traten in den vergangenen Monaten häufiger auf, da die ukrainischen Angriffe auf russische Ziele in der nahegelegenen Region St. Petersburg intensiviert wurden. Am Dienstag hatte ein in Litauen stationierter Nato-Kampfjet über Estland eine offenbar verirrte ukrainische Drohne abgeschossen. Kiew beschuldigte Moskau, absichtlich ukrainische Drohnen in die Baltenstaaten umzuleiten.

In Lettland hatte ein Drohnenvorfall zuletzt eine Regierungskrise ausgelöst. Regierungschefin Evika Silina trat in der vergangenen Woche zurück.

(M.Travkina--DTZ)

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