Deutsche Tageszeitung - EU-Beitritt der Ukraine: Merz schlägt "assoziierte Mitgliedschaft" vor

EU-Beitritt der Ukraine: Merz schlägt "assoziierte Mitgliedschaft" vor


EU-Beitritt der Ukraine: Merz schlägt "assoziierte Mitgliedschaft" vor
EU-Beitritt der Ukraine: Merz schlägt "assoziierte Mitgliedschaft" vor / Foto: © AFP

Angesichts des langwierigen EU-Beitrittsprozesses hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Art vorübergehende Teilmitgliedschaft der Ukraine ins Spiel gebracht. "Ich schlage vor, die Idee einer 'assoziierten Mitgliedschaft' für die Ukraine weiter zu erörtern", schrieb Merz in einem am Donnerstag veröffentlichten Brief an die EU-Spitzen, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Demnach soll Kiew etwa an Treffen des Rats der EU-Länder und des Europarats teilnehmen können, ohne jedoch ein Stimmrecht zu erhalten.

Textgröße ändern:

Er stelle sich "eine politische Lösung vor, die die Ukraine der Europäischen Union und ihren Kerninstitutionen sofort wesentlich näher bringt, ohne die laufenden Beitrittsverhandlungen zu beeinträchtigen", schrieb Merz in dem Brief. Dies ist seiner Einschätzung nach ohne Vertragsänderungen möglich und würde "lediglich eine starke politisch Einigung" erfordern.

Der am 18. Mai datierte Brief ist an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident António Costa und den zyprischen Präsidenten Nikos Christodoulidis adressiert. Zypern hat derzeit die halbjährlich rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.

Merz' Vorschlag zufolge könnte die Ukraine auch ein Mitglied der Kommission benennen, ohne Ressort und Stimmrecht. Eine ähnliche Regelung sieht er für das EU-Parlament vor. Der EU-Haushalt würde "nicht sofort in vollem Umfang auf die Ukraine Anwendung finden", sondern "entsprechend dem Fortschritt in den Beitrittsverhandlungen". Zudem sieht die Initiative eine "volle Angleichung der Ukraine an die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" der EU vor, inklusive der Beistandsklausel nach Artikel 42.7. Der Bundeskanzler schreibt in diesem Zusammenhang von einer "Sicherheitsgarantie" für Kiew.

Merz hatte bereits nach dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der EU in Nikosia eine "engere Einbindung" der Ukraine in die europäischen Institutionen vorgeschlagen.

Aus deutschen Regierungskreisen verlautete, der Kanzler wolle mit der Initiative eine "neue Dynamik" in den Erweiterungsprozess bringen. Das gelte auch für die anderen Beitrittskandidaten, wie etwa die Westbalkanstaaten. "Ich schlage vor, dass wir auch für jene Bewerberländer nach innovativen Lösungen suchen, die sich bereits seit langer Zeit auf ihren Beitritt vorbereiten, und dass wir ihren Beitrittsprozess ebenfalls beschleunigen."

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Selenskyj will bei G7-Gipfel mit Trump über Ukraine-Krieg sprechen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will am Rande des G7-Treffens im französischen Evian mit US-Präsident Donald Trump über die russische Invasion und die Bemühungen um eine Ende des Krieges sprechen. In einem Telefonat mit Trump am Sonntag, in dem er diesem zu seinem 80. Geburtstag gratulierte, habe er "über Maßnahmen gesprochen, die jetzt zum Frieden beitragen könnten", erklärte Selenskyj in Onlinediensten.

Unterzeichnung von Abkommen zu Iran-Krieg weiter ungewiss - Israel greift Beirut erneut an

Widersprüchliche Angaben aus Washington und Teheran und neue israelische Angriffe auf Vororte von Beirut: Ein lange erwartetes Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges ist weiterhin in der Schwebe. US-Präsident Donald Trump kündigte eine Unterzeichnung für Sonntag, seinen 80. Geburtstag an. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums schloss dies jedoch aus. Nach neuen israelischen Angriffen auf südliche Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut zog der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf weitere Gespräche mit den USA in Zweifel.

Ausschreitungen bei Anti-G7-Protesten in Genf: Gebäude beschädigt

Am Rand der Proteste gegen den G7-Gipfel in Evian ist es in Genf zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten bewarfen Sicherheitskräfte mit Flaschen, Steinen und Feuerwerkskörpern, wie AFP-Reporter am Sonntag beobachteten. Die Polizei setzte Tränengas ein. Mehrere Gebäude wurden nach Polizeiangaben beschädigt, darunter der Sitz der Internationalen Fernmeldeunion und Banken. Mindestens ein Auto brannte ab.

Selenskyj fordert vor G7- und EU-Gipfel mehr Luftverteidigungssysteme für die Ukraine

Kurz vor dem am Montag beginnenden G7-Gipfel im französischen Evian und einem Treffen der EU-Staats- und -Regierungschefs am Donnerstag in Brüssel hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Forderungen zur Lieferung westlicher Luftverteidigungssysteme erneuert. "Es ist sehr wichtig, dass diese Verhandlungen zu konkreten Entscheidungen führen", erklärte Selenskyj am Sonntag. Beim G7-Gipfel wird Selenskyj nach US-Angaben auf US-Präsident Donald Trump treffen.

Textgröße ändern: