Deutsche Tageszeitung - Streit um Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt - USA drohen mit Rückzug

Streit um Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt - USA drohen mit Rückzug


Streit um Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt - USA drohen mit Rückzug
Streit um Nachfolge von Bosnien-Beauftragten Schmidt - USA drohen mit Rückzug / Foto: © AFP/Archiv

Die USA und die Europäer haben sich nicht auf einen neuen internationalen Bosnien-Beauftragten einigen können, der die Nachfolge des deutschen Amtsinhabers Christian Schmidt antreten soll. Die Verhandlungen über die Wahl seines Nachfolgers sollten aber fortgesetzt werden, erklärte Schmidt am Donnerstagabend. Die USA reagierten auf das vorläufige Scheitern der Gespräche mit der Ankündigung, dass sie ihre Rolle in Bosnien-Herzegowina "überdenken" wollten.

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Über einen Nachfolger von Schmidt war seit Mittwoch in Sarajevo verhandelt worden, zunächst erfolglos. Bosnische Medien berichteten, dass sich die Europäer und die USA nicht auf einen Kompromiss verständigen konnten.

Die Regierung in Washington machte unter anderem "europäische Unentschlossenheit" für die Entwicklung verantwortlich. Dadurch seien die USA gezwungen, "unsere Rolle in der derzeitigen internationalen Präsenz in Bosnien-Herzegowina zu überdenken", hieß es in einer Erklärung eines namentlich nicht genannten Sprechers des US-Außenministeriums.

Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt hatte im vergangenen Monat bekanntgegeben, dass er im Juni als Bosnien-Beauftragter zurücktreten werde. Als Grund nannte er unter anderem "enormen und überraschenden Druck" der USA. Dabei habe auch der Streit um eine Pipeline von Kroatien nach Bosnien eine Rolle gespielt, die von der EU auf den Weg gebracht, aber dann nicht von ihr finanziert worden sei. Nun brauche Bosnien die USA, diese hätten aber ihre eigenen Vorstellungen, sagte Schmidt der "Augsburger Allgemeinen".

Bosnien-Herzegowina ist seit dem Dayton-Abkommen von 1995 geteilt in die überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und die kroatisch-muslimische Föderation Bosnien und Herzegowina. Die beiden halbautonomen Landesteile sind durch eine schwache Zentralregierung miteinander verbunden. Fast ein Drittel der 3,5 Millionen Einwohner Bosniens lebt in der Republika Srpska, deren Gebiet fast die Hälfte des Balkanstaates ausmacht.

Der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina hat die Aufgabe, über die Einhaltung des Friedensabkommens von Dayton zu wachen. In dieser Funktion hat er weitreichende Befugnisse bis hin zum Erlass von Gesetzen und zur Entlassung gewählter Amtsträger.

Schmidt hatte den Posten seit 2021 inne. Die Amtszeit des Deutschen war von massiven Spannungen mit der Republika Srpska geprägt. Deren ehemaliger Präsident Milorad Dodik hatte Schmidt immer wieder scharf kritisiert. Dodik, der gute Beziehungen zum Kreml pflegt, zweifelte etwa die Legitimität des UN-Repräsentanten an und stellte Schmidt als Bedrohung für die Republika Srpska dar.

(T.W.Lukyanenko--DTZ)

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