Deutsche Tageszeitung - Paris und Berlin streben neue Impulse für EU-Erweiterung auf dem Westbalkan an

Paris und Berlin streben neue Impulse für EU-Erweiterung auf dem Westbalkan an


Paris und Berlin streben neue Impulse für EU-Erweiterung auf dem Westbalkan an

Deutschland und Frankreich haben bei einem Gipfeltreffen in Montenegro versucht, neue Impulse für die Erweiterung der EU um die Länder des westlichen Balkans zu setzen. Die EU müsse "zeigen, dass sie erweiterungsfähig und erweiterungswillig ist", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Freitag vor dem Treffen in Tivat in Montenegro. Dabei äußerte er sich auch kritisch über den EU-Erweiterungsprozess der vergangenen Jahre. Zuvor hatten Berlin und Paris ein Papier vorgelegt, in dem sie "neuen Schwung" für die EU-Erweiterung forderten.

Textgröße ändern:

"Wenn wir jetzt seit 13 Jahren keine neuen Mitglieder mehr aufgenommen haben, das zeigt, dass die Versäumnisse auch auf der Seite der Europäischen Union liegen", sagte Merz vor Beginn des Treffens in der montenegrinischen Küstenstadt. Er fühle sich ermuntert durch Gespräche im Vorfeld des Treffens, aber es liege noch "ein großer Teil der Wegstrecke vor uns". Die Sache seit jedoch "lösbar". Einige Mitgliedstaaten seien "schon soweit", insbesondere das Gastgeberland Montenegro.

Neben Montenegro gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, das Kosovo, Nordmazedonien und Serbien zum Westbalkan. Alle sechs bewerben sich seit vielen Jahren um eine Mitgliedschaft in der EU, Montenegro ist bei den Bemühungen um einen Beitritt am weitesten fortgeschritten. Der EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos zufolge könnte das Land bereits Ende 2028 als 28. Mitglied in die EU aufgenommen werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron "und ich haben einen konkreten Vorschlag unterbreitet, wie wir jetzt in die nächsten Schritte gehen, wie wir die Erweiterung insbesondere um einige der Staaten des Westbalkans ermöglichen können", sagte Merz.

Frankreich und Deutschland hatten am Tag vor dem Gipfeltreffen in Tivat in einem gemeinsamen Papier gefordert, für eine "wahrhaft europäische Union" müssten "zusätzliche Anreize im Rahmen eines auf Leistung beruhenden, schrittweisen Integrationsprozesses" geschaffen werden. Konkret soll Beitrittskandidaten etwa schon vor Vollzug des Beitritts unter bestimmten Umständen voller Zugang zum europäischen Binnenmarkt gewährt werden. Ziel bleibe allerdings eine Vollmitgliedschaft der Beitrittskandidaten - in einem schnellerem Tempo.

Es gehe darum, das "überformalistische, bürokratische Verfahren" zu vereinfachen und den Prozess der Beitrittsverhandlungen zu beschleunigen, hieß es aus Regierungskreisen. Im Wesentlichen sehe der Vorschlag einen "leistungsbasierten, schrittweisen Integrationsansatz" vor. So soll den Beitrittskandidaten auch eine Art Beobachterstatus in den EU-Institutionen gewährt werden.

Es ist bereits mehr als 20 Jahre her, dass die EU den Westbalkanländern eine Mitgliedschaft in Aussicht gestellt hat. In einigen der Beitrittskandidaten ist derzeit eine zunehmende Hinwendung zu Russland zu beobachten. Besonders kritisch sieht Brüssel das enge Band Serbiens zu Russland. So ruft die EU Belgrad immer wieder auf, die gegen Moskau verhängten Sanktionen umzusetzen. Nordmazedonien, das seit 2020 Nato-Mitglied ist, gerät Beobachtern zufolge zunehmend unter den Einfluss Serbiens und auch Chinas.

Zwischen den Staaten der Region gibt es zudem immer wieder starke Spannungen, so etwa vor allem zwischen Serbien und dem Kosovo sowie zwischen Serbien und Montenegro. Das Kosovo hatte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, was Belgrad bis heute nicht anerkennt. Montenegro löste sich 2006 aus dem Staatenverbund mit Serbien.

Es ist das erste Mal, dass ein EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro stattfindet. Der vorherige EU-Westbalkan-Gipfel hatte im Dezember in Brüssel stattgefunden. EU-Ratspräsident António Costa erklärte, die Erweiterung, insbesondere in Richtung Westbalkan, sei "die wichtigste geopolitische Investition, die die Europäische Union derzeit tätigt". Für dieses Ziel müsse die EU aber "härter und schneller arbeiten".

(L.Svenson--DTZ)

Empfohlen

Neue Proteste in Frankreich - Furcht vor Ausschreitungen

In ganz Frankreich sind für Samstag neue Proteste gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungswesen angekündigt. Landesweit sind rund 150 Demonstrationen geplant. Die Behörden befürchten erneut schwere Ausschreitungen und mobilisierten 70.000 Polizisten. Das Umfeld von Innenminister Laurent Nuñez warnt vor "Vorfällen städtischer Gewalt vergleichbar mit jenen am 17. Oktober".

Bundesweite Jugendproteste geplant - Forderung nach bezahlbarem Leben

In bundesweiten Kundgebungen wollen junge Menschen am Samstag für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben auf die Straße gehen. In den vier Großstädten Berlin, Köln, Frankfurt und München veranstaltet die Gruppierung "GenZ regelt!" eigene Kundgebungen, in 30 weiteren Städten können sich Interessenten örtlichen Initiativen anschließen. Sie fordern von der Politik ein stärkeres Eintreten für die Belange junger Menschen. Die Veranstalter rufen zur Gewaltfreiheit auf.

Parteitag der Linken in Berlin entscheidet über Koalitionsverhandlungen

Die Berliner Linke will am Samstag (10.00 Uhr) auf einem Parteitag über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD entscheiden. Sollten die Wahlsieger der Linken sich erwartungsgemäß für die Verhandlungen entscheiden, könnten sechs Wochen nach der Wahl die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung beginnen. Grüne und SPD haben bereits für Koalitionsverhandlungen gestimmt.

Trump wettert bei Wahlkampfauftritt in Florida gegen "Kommunisten" bei Demokraten

Wenige Tage vor den US-Kongresswahlen hat Präsident Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Florida die Demokraten erneut scharf attackiert. Die Kundgebungen seiner Republikaner hätten nur einen Zweck: zu verhindern, dass bei den sogenannten Midterms "Kommunisten, die Amerika hassen", die Kontrolle über den US-Kongress übernähmen, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) vor Anhängern in Daytona Beach. Auch mehrere demokratische Kongresskandidaten griff er persönlich an.

Textgröße ändern: