Deutsche Tageszeitung - Reparaturstau bei der Bundeswehr: Bundesregierung räumt "Herausforderungen" ein

Reparaturstau bei der Bundeswehr: Bundesregierung räumt "Herausforderungen" ein


Reparaturstau bei der Bundeswehr: Bundesregierung räumt "Herausforderungen" ein
Reparaturstau bei der Bundeswehr: Bundesregierung räumt "Herausforderungen" ein / Foto: © AFP/Archiv

Nach Berichten über einen massiven Reparaturstau bei der Bundeswehr hat die Bundesregierung "Herausforderungen" eingeräumt, die Erfüllung der Bündnisverpflichtungen sieht sie jedoch nicht in Gefahr. Die "Einsatzbereitschaft der Großwaffensysteme" gehe "in die richtige Richtung", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. Es gebe jedoch auch Bereiche "mit Herausforderungen", etwa durch die Abgabe großer Waffensysteme an die Ukraine und durch deutlich mehr Militärübungen.

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Laut einer Recherche von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" sind viele Fahrzeuge und Waffensysteme der Bundeswehr wegen fehlender Ersatzteile offenbar nicht einsatzbereit. Wie das Recherchenetzwerk unter Berufung auf einen internen Lagebericht eines zentralen Dienstleisters der Bundeswehr berichtet, soll die Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) mit kurzfristigen Reparaturanforderungen aus dem Ministerium nicht hinterherkommen.

Die HIL mit Sitz in Bonn ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Verteidigungsministeriums. Die Gesellschaft ist bundesweit für die Instandhaltung von landbasiertem Kriegsgerät wie Panzern und Haubitzen zuständig.

In dem internen Bericht sei die Rede von chaotischen Planungen des Ministeriums und einem akuten Mangel an Ersatzteilen, heißt es in dem Medienbericht. Das führe dazu, dass mit einer "Einschränkung der materiellen Einsatzbereitschaft wesentlicher Waffensysteme" zu rechnen sei. Letztlich gefährde die Lage insgesamt die Verteidigungsfähigkeit. Deutschland könnte so auch daran scheitern, "Bündnisverpflichtungen verlässlich zu erfüllen".

Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums erklärte dazu auf AFP-Anfrage, die "Strukturen und Kapazitäten für diesen Instandhaltungsaufwand" seien bei der HIL "grundsätzlich vorhanden". "Wir arbeiten mit der HIL stetig daran, auch nach intensiven Übungen die technische Einsatzbereitschaft schnell wieder zu verbessern."

Wenn das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) neue Systeme bestelle, sei "in der Regel eine Instandhaltung für drei bis vier Jahre inbegriffen, inklusive Ersatzteilversorgung durch die Industrie", erklärte die Sprecherin. Die HIL habe insofern "keine direkte Verantwortung. Allerdings könne auch die Industrie "nicht immer die geforderten Ersatzteile fristgerecht liefern".

Die Sprecherin verwies auf die vor zwei Wochen vorgestellte Reform des Beschaffungsamtes, bei der die Ersatzteilversorgung einen hohen Stellenwert habe. Das BAAINBw ist zuständig für den Einkauf sämtlicher Rüstungsgüter, inklusive der Ersatzteile.

Auch der Ministeriumssprecher wollte vor Journalisten in Berlin die konkreten Inhalte des Berichts von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" nicht kommentieren, verwies aber auf die neuen "Herausforderungen" für die Bundeswehr angesichts von Bedrohungen durch Russland.

So seien Leopard-Panzer, Marder-Schützenpanzer und Panzerhaubitzen an die Ukraine abgegeben worden. Damit verbunden seien auch immer Abgaben von Ersatzteilpaketen. "Und natürlich fehlen uns diese Teile, weil auch bei manchen Systemen wie zum Beispiel Marder und Panzer und Panzerhaubitze die Teile gar nicht mehr so einfach zu besorgen sind."

Der "zweite große Grund" für Engpässe sei: "Die Truppe übt viel mehr." Nach großen Militärmanövern etwa im Baltikum sei eine "intensive technische Nachbereitung" erforderlich, sagte der Sprecher. "Wenn sie dort Bataillone aufeinanderjagen und das intensiv machen", dann leide das Material und Gerät werde "ans Limit" gefahren. "Und in diesem Bereich haben wir natürlich auch eine Herausforderung."

Mit Blick auf die Verfügbarkeit von Waffensystemen betonte der Ministeriumssprecher, die Gerätereserve sei ebenso erhöht worden wie der Vorrat an Ersatzteilen. Als Beispiele nannte er Kampfflugzeuge, wo es "ein richtiges Tief" gegeben habe. Auch beim Schützenpanzer Puma sei die Verfügbarkeit im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Und beim einstigen "Pannenflieger" A400M gebe es jetzt "ständige Verlässlichkeit".

Wie das Recherchenetzwerk weiter berichtet, sollen im Mai 2026 zum Beispiel nur rund die Hälfte der Panzerhaubitzen 2000 im Bestand einsetzbar gewesen sein. Auch beim Schützenpanzer Marder und dem Radpanzer Boxer soll sich im Mai fast die Hälfte der Geräte in der Wartungs- und Reparaturschleife befunden haben.

(P.Hansen--DTZ)

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