Deutsche Tageszeitung - Kiew: Russische Drohne trifft Atommüllagergebäude bei Tschernobyl

Kiew: Russische Drohne trifft Atommüllagergebäude bei Tschernobyl


Kiew: Russische Drohne trifft Atommüllagergebäude bei Tschernobyl
Kiew: Russische Drohne trifft Atommüllagergebäude bei Tschernobyl / Foto: © AFP/Archiv

Bei einem russischen Drohnenangriff auf die Ukraine ist das Gebäude eines Atommüllagers nahe dem ehemaligen Kraftwerk Tschernobyl getroffen und laut Betreiber "teilweise zerstört worden". Die Strahlenwerte nach dem Angriff seien normal geblieben, erklärte der ukrainische Betreiber Energoatom am Sonntag. Bei gegenseitigen Angriffen der Ukraine und Russlands wurden am Wochenende mehrere Menschen getötet. In London sollte es bei einem Gipfeltreffen am Abend um die weitere Ukraine-Unterstützung gehen.

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Durch eine russische Drohne sei ein Gebäude zur Aufnahme von Atommüllbehältern im Sperrkreis um das einstige Atomkraftwerk Tschernobyl getroffen worden, erklärte Energoatom im Onlinedienst Telegram. Das Gebäude sei zu diesem Zeitpunkt leer gewesen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte im Onlinedienst X, eines der Gebäude der zentralen Zwischenlageranlage für abgebrannte Brennelemente sei von einer Drohne getroffen worden. "Bislang" gebe es keine erhöhten Messwerte. Der Angriff sei ein Beleg für die "Dreistigkeit" Russlands.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bezeichnete den Vorfall als "zutiefst beunruhigend". IAEA-Chef Rafael Grossi verwies auf X darauf, dass sich auf dem Gelände "große Mengen" nuklearen Materials befänden. Die IAEA kündigte an, ein Experten-Team zu entsenden, um die Schäden zu inspizieren. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf X, es sei "nicht das erste Mal, dass russische Streitkräfte die ukrainischen Atomanlagen in Gefahr bringen". Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte lediglich mit, es seien Angriffe auf Ziele ausgeführt worden, die im Zusammenhang mit der ukrainischen Armee stünden.

Bei russischen Angriffen auf ein Dorf in der Region Saporischschja im Süden der Ukraine wurden in der Nacht zum Sonntag mindestens zwei Menschen getötet, wie Regionalgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Drei weitere Menschen seien nahe einer Haltestelle des Nahverkehrs verletzt worden. Durch nächtliche Angriffe auf die Region Dnipropetrowsk wurde nach Angaben der regionalen Behörden ebenfalls ein Mensch getötet. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht zum Sonntag 236 Drohnen ein, von denen 215 abgefangen worden seien. Das russische Verteidigungsministerium seinerseits gab an, in der Nacht zum Sonntag 95 ukrainische Drohnen abgefangen zu haben.

Bereits in der Nacht zum Samstag fing die russische Luftabwehr nach Angaben der russischen Behörden hunderte Drohnen ab, davon allein mehr als 140 in der Region um St. Petersburg. Die Angriffe erfolgten am letzten Tag des internationalen Wirtschaftsforums in der Heimatstadt von Präsident Wladimir Putin, der auf der Konferenz gesprochen hatte. Die Ukraine hatte am Mittwoch, kurz vor Beginn der Veranstaltung, Energie- und Militäranlagen in der Stadt angegriffen.

Moskau und Kiew hatten in den vergangenen Monaten die gegenseitigen Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken. In der britischen Hauptstadt London wollten am Sonntag Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Regierungschef Keir Starmer mit Selenskyj zusammenkommen. Bei dem Treffen sollte es nach Angaben aus Paris unter anderem auch um den verstärkten Druck auf Russland gehen.

Kreml-Chef Putin hatte am Freitag ein von Selenskyj vorgeschlagenes Gipfeltreffen abgelehnt. Der ukrainische Präsident warf Putin daraufhin vor, er wolle den Krieg "einfach nicht beenden". Putin empfing derweil Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) im Kreml. Es sei "ein gutes Gespräch" gewesen, sagte am Freitagabend Präsidentenberater Juri Uschakow nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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