Deutsche Tageszeitung - Union streitet über Mütterrente

Union streitet über Mütterrente


Union streitet über Mütterrente
Union streitet über Mütterrente / Foto: © AFP

Unionsintern ist der Streit um die Ausweitung der Mütterrente wieder aufgeflammt. CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann schloss zwar aus, das Vorhaben rückgängig zu machen. Vom CDU-Sozialflügel kam dennoch diese Forderung. Zuvor waren auch innerhalb der CSU, die das Vorhaben im Koalitionsvertrag durchgesetzt hatte, Zweifel daran laut geworden.

Textgröße ändern:

"Die Vollendung der Mütterrente ist im ersten Rentenpaket der Koalition beschlossen, sie wird kommen", sagte Hoffmann der "Augsburger Allgemeinen" (Samstagausgabe). "Die Umsetzung ist eine Frage von Gerechtigkeit und Glaubwürdigkeit." Gerade Frauen mit kleinen Renten müssten sich darauf verlassen können, "dass gilt, was wir politisch entschieden haben".

Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, wies das Argument zurück, dass die Ausweitung der Mütterrente Altersarmut mindere: "Die Mütter, die die 19 Euro zusätzlich am dringendsten bräuchten, würden sie eh nicht bekommen, weil es mit der Grundrente verrechnet wird", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Angesichts der Sparzwänge bei den Sozialausgaben halte er das Vorhaben für falsch. Es sei nicht darstellbar, dass die Politik über grundlegende Änderungen und schmerzhafte Einsparungen auf der einen Seite diskutiere und auf der anderen Seite ein politisches "Prestigeobjekt" für sakrosankt erkläre, sagte Radtke. "Es ist gut, dass sich nun auch in der CSU etwas beim Thema Mütterrente bewegt."

CSU-Chef Markus Söder hatte die Ausweitung der Mütterrente in den Koalitionsverhandlungen trotz Bedenken in CDU und SPD durchgesetzt. Sie ist inzwischen bereits gesetzlich beschlossen und soll ab 1. Januar 2027 gelten. Zuletzt wurde das Vorhaben aber auch in der CSU-Führung wieder infrage gestellt.

Nach Parteivize Manfred Weber hat sich auch der frühere bayerische Verkehrsminister Hans Reichhart dagegen ausgesprochen. Der CSU-Schatzmeister sagte am Freitag dem Bayerischen Rundfunk, dass es bei den anstehenden Sozialreformen auch die Bereitschaft geben müsse, "heilige Kühe" wie die Mütterrente zu opfern. Bei der Debatte über Sozialstaatsreformen müsse man bei "null starten" und bestimmte Projekte der Vergangenheit in Frage stellen.

Mit der Ausweitung der Mütterrente sollen Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben, drei Rentenpunkte für ihre Erziehungsleistung erhalten. Für Mütter ab 1992 geborener Kinder ist dies bereits der Fall. Die Kosten für die Ausweitung werden mit rund fünf bis sechs Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

(I.Beryonev--DTZ)

Empfohlen

Frankreichs Ex-Premier Philippe will konservative Parteien in neuem Bündnis einen

Knapp acht Monate vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich will der Mitte-Rechts-Kandidat Edouard Philippe die konservativen Parteien in einem neuen Wahlbündnis oder einer neuen Partei einen. Es gehe darum, "die neue Partei oder den neuen Parteienverbund zu schmieden, der es allen, die ihre Kräfte im Dienste des Landes bündeln wollen ermöglicht, gemeinsam zu regieren", sagte der Vorsitzende der Partei Horizons am Sonntag bei einer Veranstaltung im nordfranzösischen Tourcoing.

AfD-Verbotsverfahren: Merz warnt vor sehr hohen Hürden

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich weiter skeptisch zur Einleitung eines Parteiverbotsverfahrens gegen die AfD gezeigt. Er wolle sich Forderungen, "dass man wenigstens den sogenannten völkischen Teil der AfD verbieten sollte, (...) nicht verschließen", sagte Merz im ARD-"Sommerinterview" am Sonntag. Aber in Deutschland seien die Hürden für ein Parteienverbot "sehr, sehr hoch".

Merz: Regierung hat Reaktion auf Drohnenvorfall in Leipzig weitgehend festgelegt

Die Bundesregierung hat ihre Reaktion auf den Vorfall mit der Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig weitgehend festgelegt. "Wir sind dabei, die Ermittlungen abzuschließen", sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Sonntag im ARD-"Sommerinterview". "Wir haben eine weitgehende Einigung in der Bundesregierung, wie wir reagieren, und das werden wir in den nächsten Tagen auch klar zum Ausdruck bringen."

Merz warnt vor wirtschaftlichen Folgen einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat vor den wirtschaftlichen Folgen einer AfD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt gewarnt. "Das Land wird erheblichen Schaden nehmen, wenn es so kommt, wie wir das jetzt befürchten müssen", sagte Merz am Sonntagabend im ARD-"Sommerinterview". Er warnte dabei konkret vor einem Rückzug internationaler Investoren.

Textgröße ändern: