Deutsche Tageszeitung - Tunesien: Bekannte Menschenrechtsaktivistin zu 25 Jahren Haft verurteilt

Tunesien: Bekannte Menschenrechtsaktivistin zu 25 Jahren Haft verurteilt


Tunesien: Bekannte Menschenrechtsaktivistin zu 25 Jahren Haft verurteilt
Tunesien: Bekannte Menschenrechtsaktivistin zu 25 Jahren Haft verurteilt / Foto: © AFP

In Tunesien muss eine der prominentesten Menschenrechtsaktivistinnen des Landes nach eigenen Angaben für 25 Jahre ins Gefängnis. Die Oppositionelle Sihem Bensedrine, eine frühere Journalistin und Leiterin der Wahrheitskommission, teilte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag mit, dass sie in der Nacht zuvor zu 25 Jahren Haft verurteilt worden sei. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, den Abschlussbericht der Kommission zur Aufarbeitung der Verbrechen früherer Machthaber gefälscht zu haben.

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Bensedrine kündigte Berufung an. Dieses Urteil habe "nichts mit Gerechtigkeit zu tun", erklärte die 75-Jährige. "Sie hat mit einem totalitären Regime zu tun, das das Erbe der IVD auslöschen will."

Die Aktivistin bezog sich dabei auf die Instanz für Wahrheit und Würde (IVD), der sie seinerzeit als Präsidentin vorstand. Die Kommission untersuchte bis 2018 die Menschenrechtsverbrechen unter der Herrschaft des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali und der des Staatsgründers Habib Bourguiba.

Ben Ali wurde im Zuge des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 gestürzt. Insgesamt wurden von der Kommission die Vorwürfe von 49.000 Opfern gehört. Ziel war es, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen und die Opfer zu rehabilitieren.

Neben einem angeblich teils gefälschten Abschlussbericht werfen die Behörden Bensedrine vor, ihr Amt als IVD-Vorsitzende zur Begünstigung eines Geschäftsmanns missbraucht zu haben.

Bensedrine weist die Vorwürfe zurück. Sie sei vielmehr das Ziel "mafiöser Beamter, (die) den Staat als Geisel nehmen", um die Arbeit der Wahrheitskommission zu "delegitimieren". Die Internationale Föderation für Menschenrechte (FIDH) bezeichnete die gegen Bensedrine erhobenen Vorwürfe diese Woche als "unbegründet".

Nach Jahrzehnten autoritärer Herrschaft galt Tunesien nach 2011 als Hoffnungsträger für Demokratie in der Region. Doch Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit langem einen massiven Rückschritt bei Rechten und Freiheiten unter Präsident Kais Saied. Zahlreiche tunesische Oppositionelle sind mittlerweile entweder im Gefängnis oder im Exil.

Saied hat im Juli 2021 mithilfe eines Notstandsartikels der Verfassung die damalige Regierung und das Parlament entmachtet. In der Folge trieb er eine Verfassungsänderung voran, die ihm deutlich mehr Macht verlieh.

(Y.Ignatiev--DTZ)

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