Deutsche Tageszeitung - Studie: Reform von Einkommensteuer würde große Haushaltslöcher verursachen

Studie: Reform von Einkommensteuer würde große Haushaltslöcher verursachen


Studie: Reform von Einkommensteuer würde große Haushaltslöcher verursachen
Studie: Reform von Einkommensteuer würde große Haushaltslöcher verursachen / Foto: © AFP/Archiv

Die schwarz-rote Koalition will die Einkommensteuer reformieren - einer Studie zufolge könnte das jedoch zu Steuer-Mindereinnahmen in Milliardenhöhe führen. Eine spürbare Entlastung für breite Einkommensschichten reduziere die staatlichen Steuereinnahmen um zweistellige Milliardenbeträge im Jahr, teilte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag mit. Dies würde die Haushaltslöcher von Bund, Ländern und Gemeinden noch weiter vergrößern.

Textgröße ändern:

Die Spitzen von Union und SPD wollen bei einem Treffen des Koalitionsausschusses am Mittwoch auch über eine Einkommensteuerreform diskutieren. Im Koalitionsvertrag hatten die Parteien vereinbart, "kleine und mittlere Einkommen bei der Einkommensteuer zu entlasten". Dies soll nun umgesetzt werden.

Das IMK untersuchte sechs verschiedene Reformoptionen. Die höchsten Steuer-Mindereinnahmen gibt es laut Studie bei einer Variante, die den sogenannten "Mittelstandsbauch" - das schnelle Ansteigen des Steuertarifs bei kleineren und mittleren Einkommen - entfernen würde. Die Folge wären demnach jährliche Mindereinnahmen von gut 33 Milliarden Euro - auch wenn im Gegenzug der Spitzensteuersatz von aktuell 42 Prozent um drei Prozentpunkte angehoben würde.

Auch bei drei anderen untersuchten Reformoptionen erwartet das IMK verringerte Steuereinnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe. Mit rund fünf Milliarden Euro etwas weniger Mindereinnahmen werden bei einer Variante prognostiziert, die vor allem den Grundfreibetrag deutlich erhöhen würde. Zusätzliche Steuereinnahmen von zwei Milliarden Euro erwartet das Institut bei einer Option mit einem späteren und höheren Spitzensteuersatz.

Diese beiden Varianten würden jemanden mit einem mittlerem Vollzeiteinkommen allerdings um weniger als 20 Euro im Monat entlasten. Das IMK hält deshalb als Fazit seiner Analyse fest: "Die Ziele einer spürbaren Entlastung für breite Einkommensschichten und geringer Mindereinnahmen sind kaum miteinander vereinbar."

"Die Bundesregierung sollte sich daher von Illusionen einer großen Einkommensteuerreform verabschieden", fordert Studienautorin Katja Rietzler. Sie sollte stattdessen erwägen, "die Entlastungen auf das verfassungsrechtlich gebotene Minimum beim Grundfreibetrag und bei Kinderfreibetrag beziehungsweise Kindergeld zu beschränken". Auch dafür müssten in den öffentlichen Haushalten schon mehrere Milliarden Euro jährlich bereitgestellt werden.

Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei 12.348 Euro - wer weniger verdient, muss keine Einkommensteuer zahlen. Pro Kind können zudem aktuell 3414 Euro pro Elternteil als Freibetrag bei der Steuer angerechnet werden.

Medienberichten zufolge hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) zwei mögliche Varianten für eine Reform der Einkommensteuer vorgelegt. Bei beiden würde demnach der Spitzensteuersatz erst ab einem deutlich höheren Jahreseinkommen als bisher greifen. Aktuell wird er ab rund 70.000 Euro fällig.

Zur Gegenfinanzierung will Klingbeil den Reichensteuersatz erhöhen. Dieser liegt derzeit bei 45 Prozent und wird für Alleinstehende ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rund 280.000 Euro fällig.

(Y.Ignatiev--DTZ)

Empfohlen

US-Medien: CIA-Direktor Ratcliffe warnte in Moskau vor Angriff auf Nato-Staaten

Bei seinem Besuch in Moskau hat der Chef des US-Geheimdienstes CIA, John Ratcliffe, die russische Seite laut US-Medienberichten vor einem möglichen Angriff auf Nato-Mitgliedstaaten gewarnt. Das "Wall Street Journal" berichtete am Mittwoch, Hintergrund seien US-Geheimdiensteinschätzungen, wonach der russische Präsident Präsident Wladimir Putin in den kommenden Jahren womöglich einen "begrenzten Angriff" ausführen lassen könnte.

Erste Debatte französischer Präsidentschaftskandidaten

Sieben französische Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten treffen am Donnerstag (16.45 Uhr) zu einer ersten Debatte zusammen. Knapp acht Monate vor der Wahl steht das komplette Kandidatenfeld zwar noch nicht fest. Doch jene Bewerberinnen und Bewerber, die sich bereits erklärt haben, debattieren im Rahmen einer Veranstaltung des französischen Unternehmerverbands miteinander.

Koalitionsfraktionen stecken bei Klausur weiteren Reformkurs ab

Nach der Klausurtagung der Bundesregierung kommen ab Donnerstag auch die Regierungsfraktionen im Bundestag zu Beratungen zusammen. Bei der zweitägigen Klausursitzung in Münster (ab 12.30 Uhr) wollen die geschäftsführenden Vorstände von Unionsfraktion und SPD-Fraktion über die Umsetzung der Reformvorhaben sprechen - etwa über die Reformen der Renten- und Pflegeversicherung -, und weitere Vorhaben der kommenden Monate auf den Weg bringen. Das Treffen soll auch der Stärkung des koalitionsinternen Zusammenhalts dienen.

Chef des Dachverbandes der DDR-Opfer kritisiert Linken-Forderung nach Enteignung

Der Vorsitzende des Dachverbands der DDR-Opfer, Dieter Dombrowski, hat die Forderung der Berliner Linken nach Enteignung von Wohnungskonzernen auch wegen der Erfahrungen in der DDR kritisiert. "Was Verstaatlichung für Folgen hat, konnte man vor 1989 in ganz Osteuropa und der DDR sehen", sagte Dombrowski dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstagsausgaben). "Wohnungen gab es damals keine. Und wenn es welche gab, dann waren sie in einem jämmerlichen Zustand - mit Ausnahme der Neubauten."

Textgröße ändern: