Deutsche Tageszeitung - Trauer und Racheschwüre bei Beerdigung von Chamenei in Maschhad

Trauer und Racheschwüre bei Beerdigung von Chamenei in Maschhad


Trauer und Racheschwüre bei Beerdigung von Chamenei in Maschhad
Trauer und Racheschwüre bei Beerdigung von Chamenei in Maschhad / Foto: © AFP

In tiefer Trauer und voller Zorn über die neuen schweren US-Angriffen haben in der iranischen Stadt Maschhad am Donnerstag zahlreiche Menschen Abschied vom langjährigen obersten Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, genommen. Trauernde weinten und schlugen sich auf die Brust, während Chameneis Sarg durch die Menge geleitet wurde. Viele schwenkten iranische Flaggen und rote Fahnen, die als Symbol für Rache gelten: "Kein Kompromiss mit den Mördern", skandierten die Menschen. Die Beerdigung in Maschhad sollte der Abschluss der sechstägigen Trauerfeiern in mehreren Städte im Iran und im Irak sein.

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Chamenei war am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar bei einem Luftangriff auf seine Residenz in Teheran getötet worden. Er hatte seit 1989 an der Spitze des Landes gestanden. Maschhad ist die Heimatstadt Chameneis, die Beisetzung sollte im Mausoleum des Imams Resa stattfinden, dem wichtigsten schiitischen Heiligtum im Iran.

Die neuesten US-Angriffe auf den Iran führten nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens dazu, dass der Zugverkehr zwischen Teheran und Maschhad unterbrochen war. Die iranische Eisenbahn sprach von einem "kriminellen Angriff des US-israelischen Feindes" auf die Strecke. Für betroffene Fahrgäste sei ein Weitertransport auf der Straße organisiert worden.

Das iranische Außenministerium verurteilte die Angriffe auf Bahninfrastruktur als "offenkundiges Kriegsverbrechen". Der Iran werde seine territoriale Unversehrtheit, Souveränität und nationale Sicherheit verteidigen.

Ein Flugzeug hatte den Sarg mit Chameneis Leichnam am Donnerstag nach Maschhad gebracht, angesichts der jüngsten Eskalation wurde die Maschine von einem iranischen Kampfjet begleitet. Die US-Armee hatte in der Nacht zum Donnerstag in der zweiten Nacht in Folge nach eigenen Angaben dutzende militärische Ziele im Iran ins Visier genommen, laut US-Präsident Donald Trump erfolgten die Angriffe als Vergeltung für vorangegangene iranische Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus.

"Nur der Tod von Trump und (dem israelischen Regierungschef Benjamin) Netanjahu wird unseren Schmerz lindern. Es sollte überhaupt keine Kompromisse geben", sagte eine 35 Jahre alte Hausfrau der Nachrichtenagentur AFP während der Trauerfeierlichkeiten mit Blick auf das im Juni geschlossenen Rahmenabkommen für ein Ende des Krieges. Zum Tod von Chamenei fügte sie hinzu: "Der Verlust unseres Führers ist schwerer als der unserer Eltern."

"Alle Menschen hier wollen Rache", sagte der Ladenbesitzer Mohammed Afscharian. "Ich weiß nicht, wie das mit der Diplomatie weitergehen soll und welche Politik dahintersteht, aber alle Menschen hier tragen roten Fahnen, weil sie Rache wollen." Wenn Trump ein Abkommen verhandeln wolle, "muss er uns Netanjahu ausliefern", forderte Afscharian.

An einem Hotel mit dem Namen "Miami" war ein riesiges Plakat zu sehen, auf dem ein Kopfgeld auf US-Präsident Trump ausgesetzt wurde, nahe dem Beisetzungsort war auf einem Banner "Kill Trump" zu lesen. Auf einem weiteren Schild stand: "Blut wird fließen."

Maschhads Gouverneur Hassan Hosseini wurde im staatlichen Fernsehen mit der Aussage zitiert, er erwarte 15 Millionen Teilnehmer zu den Feierlichkeiten. Seit dem Morgen strömten zumeist in Schwarz gekleidete Menschen zu dem Mausoleum, in dem Chamenei beigesetzt werden sollte. Angesichts von Temperaturen von fast 40 Grad wurden die Trauernden von Feuerwehrwagen aus zur Abkühlung mit Wasser besprüht.

Die eigentliche Trauerfeier wurde vom frühen Morgen (Ortszeit) auf den Nachmittag verlegt, weil sich laut den Organisatoren die Feierlichkeiten im Irak verzögert hatten. Kurz nach 02.00 Nachmittags (Ortszeit) kam der Trauerzug mitten in der heißesten Tageszeit an. Die Beerdigung selbst sollte am Abend stattfinden, das Gebet sollte der 101 Jahre alte Ayatollah Hussein Nuri Hamedani sprechen.

Das staatliche Fernsehen berichtete, dass Chameneis Sarg mit einem Hubschrauber die letzte Strecke des Weges zurücklegen sollte, weil erwartet wurde, dass auf der Hauptstraße kein Durchkommen mehr möglich war.

Mit Chamenei sollten auch mehrere ebenfalls bei dem Angriff am 28. Februar getötete Angehörige beigesetzt werden, darunter seine Tochter und seine 14 Monate alte Enkeltochter, sowie die Frau seines Sohnes Modschtaba, der zu seinem Nachfolger als oberster Führer ernannt wurde. Modschtaba Chamenei wurde iranischen Angaben zufolge bei dem Angriff verletzt und ist seither nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden.

(U.Beriyev--DTZ)

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