Deutsche Tageszeitung - Lebenszeichen von Suu Kyi: Myanmars Ex-Regierungschefin trifft Rotkreuz-Vertreter

Lebenszeichen von Suu Kyi: Myanmars Ex-Regierungschefin trifft Rotkreuz-Vertreter


Lebenszeichen von Suu Kyi: Myanmars Ex-Regierungschefin trifft Rotkreuz-Vertreter
Lebenszeichen von Suu Kyi: Myanmars Ex-Regierungschefin trifft Rotkreuz-Vertreter / Foto: © Myanmar's Presidential Press and Information Bureau/AFP

Ein Treffen von Myanmars Ex-Regierungschefin Aung San Suu Kyi mit einem Vertreter des Roten Kreuzes hat das seit Langem erwartete Lebenszeichen von der Friedensnobelpreisträgerin geliefert. Der Myanmar-Repräsentant des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Arnaud de Baecque, besuchte die 81-Jährige am Montag sprach mit ihr unter vier Augen, wie das IKRK mitteilte.

Textgröße ändern:

Es war das erste Treffen Suu Kyis mit einem ausländischen Vertreter, das seit dem Militärputsch von 2021 öffentlich bekannt wurde. Suu Kyis Sohn Kim Aris begrüßte den Besuch als "wichtigen ersten Schritt". "Der heutige Tag bringt Hoffnung", schrieb er in mehreren Onlinenetzwerken.

Aris hatte nach der Verlegung seiner Mutter aus dem Gefängnis in den Hausarrest im April wiederholt einen unabhängig überprüfbaren Beleg dafür verlangt, dass sie noch lebt.

Er hoffe nun auf besseren humanitären Zugang, direkten Kontakt zu seiner Mutter und glaubwürdige, unabhängig überprüfte Informationen über ihren Gesundheitszustand, erklärte Aris. Letztlich müsse Suu Kyi gemeinsam mit allen politischen Gefangenen sofort und bedingungslos freigelassen werden.

Nach Angaben eines namentlich nicht genannten Mitarbeiters einer polizeilichen Sonderabteilung fand das Treffen im Haus eines früheren Ministers in der Hauptstadt Naypyidaw statt. Dort lebe Suu Kyi unter Bewachung. Offiziell haben die Behörden weder den genauen Ort ihres Hausarrests noch die verbleibende Dauer ihrer Strafe bekanntgegeben.

Das Büro des myanmarischen Präsidenten hatte das Treffen zunächst bekannt gemacht und Fotos von Suu Kyi und de Baecque veröffentlicht. Das IKRK bestätigte die Echtheit zweier Aufnahmen, erklärte aber, diese nicht selbst gemacht zu haben. Auf den Bildern sind Suu Kyi und de Baecque beim Händedruck und im Gespräch zu sehen.

Regierungssprecherin Khaing Khaing Soe teilte mit, das Treffen habe mehr als eine halbe Stunde gedauert. Suu Kyis Gesundheitszustand sei "stabil und gut". Die Regierung hatte den Zustand der Friedensnobelpreisträgerin bereits zuvor mit ähnlichen Worten beschrieben.

Das IKRK selbst machte weder zum Ort des Treffens noch zu Suu Kyis Gesundheitszustand Angaben. Beobachtungen bei Besuchen von Gefangenen teile die Organisation nach ihren Arbeitsgrundsätzen ausschließlich den zuständigen Behörden mit, erklärte das IKRK.

Das Militär hatte Suu Kyis gewählte Regierung im Februar 2021 gestürzt und die Friedensnobelpreisträgerin inhaftiert. Sie wurde wegen zahlreicher Vorwürfe zu mehr als 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Menschenrechtsgruppen bezeichnen die Verfahren als politisch motiviert.

Der frühere Juntachef Min Aung Hlaing wurde nach stark eingeschränkten Wahlen im vergangenen April als ziviler Präsident eingesetzt. Suu Kyis Partei war von der Abstimmung ausgeschlossen. Die Regierung bemüht sich seither um eine außenpolitische Normalisierung. Min Aung Hlaing soll in dieser Woche Thailand besuchen.

Der Myanmar-Experte David Mathieson wertete das Treffen Suu Kyis mit dem IKRK-Vertreter als Teil des "alten Spiels des Militärs", Suu Kyi als Verhandlungsmasse einzusetzen. Dass die Bilder wenige Tage vor Min Aung Hlaings Reise nach Bangkok veröffentlicht worden seien, sei kein Zufall.

Seit dem Putsch herrscht in Myanmar Bürgerkrieg. Nach Angaben der Konfliktbeobachter der Organisation Acled wurden dabei mehr als 100.000 Menschen getötet. Der südostasiatische Staatenbund Asean schließt die Führung Myanmars bislang von hochrangigen Treffen aus.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Kallas: EU will Russland-Sanktionen deutlich ausweiten

Die EU will die Sanktionen gegen Russland nach den Worten der Außenbeauftragten Kaja Kallas in den kommenden Monaten deutlich ausweiten. "Im Herbst werde ich die weitreichendste Sanktionsliste seit Beginn des Krieges vorlegen. Sollte sie beschlossen werden, wird sich die Zahl der sanktionierten russischen Personen, Unternehmen und Organisationen sofort um ein Drittel erhöhen", sagte Kallas der Zeitung "Welt" vom Montag. "Der Druck muss verstärkt werden, bis Russland den Krieg beendet."

Trump will Militärübungen mit Südkorea "wesentlich" verringern

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die Militärübungen seines Landes mit dem traditionellen Verbündeten Südkorea "wesentlich" zu verringern. Die gemeinsamen Manöver seien "nicht nur kostenintensiv, wobei viele dieser Kosten von den USA bezahlt werden (wie üblich!)", erklärte Trump am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social. Darüber hinaus seien diese Militärübungen auch ein Signal, das "total unangemessen und feindlich" gegenüber Nordkorea sei.

Lula und Flavio Bolsonaro umwerben bei Wahlkampfauftakt Brasiliens weibliche Wählerschaft

Brasiliens Staatschef Inácio Lula da Silva und sein rechtsgerichteter Herausforderer Flavio Bolsonaro haben zum offiziellen Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs insbesondere die weibliche Wählerschaft im Land umworben. Der 80-jährige Lula, der bei der Wahl am 4. Oktober um eine vierte Amtszeit kämpft, trat am Sonntag in einem Stadion in São Bernardo do Campo im Bundesstaat São Paulo auf. Nach Angaben der Organisatoren kamen etwa 40.000 Menschen.

19 Tote und Dutzende Verletzte bei gegenseitigen Angriffen in Russland und der Ukraine

Bei gegenseitigen Drohnen- und Raketenangriffen sind in Russland und der Ukraine 19 Menschen getötet worden. Die ukrainischen Behörden meldeten am Sonntag zudem Schäden an einem der größten Stahlwerke des Landes. Die ukrainische Armee griff derweil Moskau mit hunderten Drohnen an, der Moskauer Regionalgouverneur Andrej Worobjow sprach von "einem der massivsten Drohnenangriffe in jüngster Zeit". Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge wurden landesweit 822 ukrainische Drohnen abgefangen.

Textgröße ändern: