Deutsche Tageszeitung - Kritik an Abschaffung der "Rente mit 63" wird lauter - auch bei der SPD

Kritik an Abschaffung der "Rente mit 63" wird lauter - auch bei der SPD


Kritik an Abschaffung der "Rente mit 63" wird lauter - auch bei der SPD
Kritik an Abschaffung der "Rente mit 63" wird lauter - auch bei der SPD / Foto: © AFP/Archiv

Die Forderung der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten nach einer Beibehaltung der abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte gewinnt an Unterstützung. Die SPD-Regierungschefinnen des Saarlands und Mecklenburg-Vorpommerns, Anke Rehlinger und Manuela Schwesig, erteilten der von der Rentenkommission vorgeschlagenen Abschaffung der so genannten "Rente mit 63" eine klare Absage. Auch der SPD-Sozialexperte Bernd Rützel, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales, schloss sich der Forderung an.

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In der CDU wurden aber auch Gegenstimmen laut: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) widersprach seinen ostdeutschen Kollegen "Wir sollten das Rentenpaket nicht noch einmal aufschnüren, sondern das, was jetzt vereinbart ist, zügig umsetzen", sagte Günther der "Welt". Zwar sei die Rentenreform mit Einschnitten verbunden, "die auch wehtun". Andererseits hätten Union und SPD auch eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen.

Mit der SPD-Vizechefin und saarländischen Regierungschefin Rehlinger bekamen die Gegner einer Abschaffung Unterstützung aus einem westdeutschen Bundesland. "Ich lehne den aktuellen Vorschlag an dieser Stelle ab, weil er dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen widerspricht", sagte Rehlinger der Funke Mediengruppe.

Die Sozialdemokratin schlug einen Kompromiss vor: Sie hätte kein Problem damit, der Forderung von CSU-Chef Markus Söder nachzukommen und bei der Rentenreform auf die von der Rentenkommission vorgeschlagenen Abschaffung der Minijobs zu verzichten. Im Gegenzug müsse die "Rente mit 63" fortbestehen, sagte Rehlinger.

Die drei CDU-Ministerpräsidenten in Ostdeutschland - Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) - hatten gemeinsam gefordert, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren doch zu erhalten. Sie begründeten dies damit, dass viele Menschen in Ostdeutschland im Alter ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.

Das Aus für die "Rente mit 63" ist Teil eines Pakets von 33 Empfehlungen der Expertenkommission zur Alterssicherung. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will das Paket ebenso wie die SPD-Parteiführung möglichst eins zu eins umsetzen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze verteidigte am Montag seine Haltung. "Es geht nicht darum, dem Bundeskanzler in den Rücken zu fallen", sagte er zu Welt TV. "Wir vertreten die Meinung hier für unsere ostdeutschen Bundesländer - und das ist auch ein Stück weit meine Aufgabe."

Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Ministerpräsidentin Schwesig bekräftigte am Montag ihre Unterstützung. Der Osten wäre angesichts der dort typischen Erwerbsbiografie von einem Ende der abschlagsfreien Frühverrentung "sehr stark" betroffen, sagte sie am Montag im ZDF-"Morgenmagazin.

Auch in der SPD-Bundestagsfraktion wurde eine Beibehaltung gefordert. "Wer 45 Jahre gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss auch weiterhin mit 65 ohne Abschläge in Rente gehen können", sagte der SPD-Sozialpolitiker Rützel der Mediengruppe Bayern. Wenn überhaupt müsse eine Änderung mit "langen Übergangszeiträumen" ausgestattet werden: "Übergänge von zehn Jahren wären das Mindeste."

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig warnte indes die Koalitionsparteien davor, das Paket mit Expertenempfehlungen zur Rentenreform wieder aufzuschnüren. "Wenn wir jetzt einen Baustein hier rausziehen, dann fällt im Zweifel das gesamte Haus der Reform zu Boden", sagte Reddig im Deutschlandfunk. Dies gelte sowohl für Forderungen, die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren beizubehalten, als auch für den Wunsch, auf die weitgehende Abschaffung von beitragsfreien Minijobs zu verzichten.

Die Bundesregierung wollte sich am Montag nicht zu der Debatte äußern. An dem Gesetzentwurf zur Rentenreform werde "mit Hochdruck" gearbeitet, sagte eine Sprecherin des Bundesarbeitsministeriums. Ein Termin für einen Kabinettsbeschluss gebe es aber noch nicht.

Die Bundesarbeitsministerin und SPD-Ko-Vorsitzende Bärbel Bas hatte am Sonntag die Union aufgefordert, ihre Position zu der Frage zu klären. Gleichzeitig betonte Bas aber auch, dass diese Empfehlung der Renten-Reformkommission zu Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte für sie kein Wunschprojekt ist.

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hatte kürzlich mit einem Nein zur Rentenreform im Bundesrat gedroht, falls die "Rente mit 63" abgeschafft wird. Unklar war, ob in der Länderkammer die 35 Stimmen zusammenkommen würden, um das Projekt zu stoppen. Die fünf ostdeutschen Bundesländer kommen zusammen nur auf 19 Stimmen. Sollten zusätzlich auch alle westdeutschen Länder mit SPD-Regierungschef dagegen stimmen (Niedersachsen, Saarland, Bremen, Hamburg), ergäbe dies nur 34 Stimmen. Für eine Mehrheit wäre noch ein weiteres Land nötig, etwa das derzeit CDU-regierte Berlin.

(G.Khurtin--DTZ)

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