Deutsche Tageszeitung - Ukraine: 437 Zivilisten im Juli getötet - Selenskyj fordert mehr Patriot-Raketen

Ukraine: 437 Zivilisten im Juli getötet - Selenskyj fordert mehr Patriot-Raketen


Ukraine: 437 Zivilisten im Juli getötet - Selenskyj fordert mehr Patriot-Raketen
Ukraine: 437 Zivilisten im Juli getötet - Selenskyj fordert mehr Patriot-Raketen / Foto: © Odesa Regional Military Administration/AFP

Im Juli sind in der Ukraine nach Angaben der UNO mindestens 437 Zivilisten getötet worden - so viele wie seit Mai 2022 nicht mehr. Wie das UN-Menschenrechtsbüro am Donnerstag weiter mitteilte, lag die Zahl der Todesopfer damit 30 Prozent über dem Vormonat und 70 Prozent über dem Wert vom Juli 2025. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte angesichts zunehmender russischer Angriffe mit ballistischen Raketen deutlich mehr US-Patriot-Abfangraketen. Während Moskau am Donnerstag erneut Ziele in der Ukraine angriff, setzte auch Kiew seine Angriffe fort.

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Allein in der Hauptstadt Kiew wurden den UN-Angaben zufolge im Juli mindestens 54 Zivilisten getötet. Neben den Todesopfern wurden in der Ukraine laut UN-Menschenrechtsbüro im vergangenen Monat mindestens 2610 Zivilisten verletzt.

Wie aus den UN-Zahlen weiter hervorgeht, wurden allein seit Jahresbeginn in der Ukraine 1839 Zivilisten getötet und 10.638 weitere verletzt - eine Zunahme um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Seit Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 hat die UNO insgesamt 16.874 getötete Zivilisten in der Ukraine erfasst, geht aber von einer deutlich höheren tatsächlichen Zahl aus.

Eine AFP-Auswertung von Daten der ukrainischen Luftwaffe hatte ergeben, dass Russland im Juli so viele Raketen auf die Ukraine abfeuerte wie nie zuvor seit Kriegsbeginn. Staatschef Selenskyj sagte dem US-Nachrichtensender CNN vor diesem Hintergrund, seinem Land stünden in diesem Jahr zweieinhalb Mal weniger Abfangraketen zur Verfügung als noch 2025, während Russland monatlich mehr als doppelt so viele ballistische Raketen einsetze wie zuvor.

Das Missverhältnis zwischen von Russland abgefeuerten ballistischen Raketen und ukrainischen Abwehrraketen war in den vergangenen Wochen mehrfach deutlich geworden. So konnte die Ukraine bei einem russischen Großangriff Anfang August nach eigenen Angaben keine einzige der 28 abgefeuerten ballistischen Raketen abfangen.

Präsident Selenskyj bezifferte den Mindestbedarf seines Landes an Patriot-Luftabwehrraketen auf fünf Prozent der gesamten US-Bestände. Mit einer entsprechenden Menge könne die Ukraine "den Winter überstehen und Menschenleben retten", sagte Selenskyj. Mit zehn Prozent könne sie "alle russischen ballistischen Raketen zerstören".

Die ukrainische Luftwaffe will unterdessen keine genauen Zahlen zu russischen Raketenangriffen mehr veröffentlichen. Nach Angaben von Luftwaffensprecher Jurij Ihnat sollen weder die Zahl der von Russland abgefeuerten noch die der abgeschossenen oder abgefangenen Raketen genannt werden. Gleiches gilt für Raketen, die ihr Ziel verfehlten. Weiterhin veröffentlicht werden sollen allgemeine Angaben zu Angriffen und Warnungen an die Bevölkerung.

Bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Personenzug in der Region Odessa wurden am Donnerstag nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn der Lokführer und sein Assistent getötet. Die 340 Fahrgäste und das übrige Zugpersonal konnten demnach unverletzt in Sicherheit gebracht werden. Selenskyj erklärte, dem Bediener der Drohne könne nicht entgangen sein, dass das Ziel ausschließlich zivil gewesen sei.

Die Ukraine griff ihrerseits erneut weitab von der Front Ziele in Russland an. Ein ukrainischer Langstreckenangriff legte eine große Ölraffinerie in Orsk rund 1300 Kilometer von der Front entfernt lahm. Die Reparaturen könnten wegen des nötigen Imports von Ersatzteilen und westlicher Sanktionen bis zu sechs Monate dauern, erklärte der Gouverneur der Region Orenburg, Jewgeni Solnzew. Die Region müsse sich auf zusätzliche Treibstoffimporte einstellen.

Auf der von Russland kontrollierten Halbinsel Krim starben nach Angaben der von Moskau eingesetzten Behörden fünf Menschen, als nach einem ukrainischen Angriff auf Sewastopol ein Sprengkörper explodierte. Vier der Toten gehörten laut dem von Moskau eingesetzten Regionalgouverneur einem Bombenentschärfungsteam an, der fünfte war demnach eine Sicherheitskraft.

Ungeachtet der anhaltenden Kämpfe tauschten Russland und die Ukraine am Donnerstag die Leichname getöteter Soldaten aus. Nach ukrainischen Angaben übergab Russland die sterblichen Überreste von 261 Menschen, bei denen es sich nach russischer Darstellung um ukrainische Soldaten handeln soll. Dem russischen Medium RBC zufolge erhielt Russland im Gegenzug 24 Leichname.

Der Austausch von Kriegsgefangenen und Leichnamen getöteter Soldaten gehört zu den wenigen Bereichen, in denen beide Seiten weiterhin Vereinbarungen miteinander treffen. Die maßgeblich von den USA angestoßenen Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine liegen hingegen weiterhin auf Eis.

(W.Uljanov--DTZ)

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