Junta im Niger schlägt Aufstand von Soldaten mit Hilfe Russlands nieder
Mit Hilfe Russlands hat die Junta im westafrikanischen Niger einen Aufstand meuternder Soldaten niedergeschlagen. Nach Gefechten in mehreren Vierteln der Hauptstadt Niamey brachte die Präsidentengarde am Samstagabend einen wichtigen Militärstützpunkt unter ihre Kontrolle und beendete damit den Aufstand, wie aus mehreren Quellen verlautete. Der Niger wird von Militärmachthaber Abdourahmane Tiani regiert. Unter seiner Regierung hat sich das Land von Frankreich und anderen westlichen Partnern abgewandt und mit Russland verbündet.
Die aufständischen Soldaten hatten in der Nacht zum Samstag und am Morgen den Präsidentenpalast und weitere Ziele in Niamey angegriffen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen schlug die Präsidialgarde einen Versuch zurück, in den Palast einzudringen, und blieb Militärmachthaber Tiani treu. Am Abend wurde dann gemeldet, dass der wichtige Militärstützpunkt 101 am Flughafen der Hauptstadt zurückerobert wurde.
"Die Präsidialgarde hat mit Hilfe der Russen die Kontrolle über den Luftwaffenstützpunkt zurückerlangt. Es gibt mehrere Tote in den Reihen der Meuterer", hieß es aus diplomatischen Kreisen in Niamey. Von zwei Vertretern aus nigrischen Sicherheitskreisen wurde die Rückeroberung des Stützpunktes bestätigt, einer von ihnen sagte, dies sei das "Ende der Meuterei".
Auf dem Stützpunkt befindet sich das Hauptquartier des russischen Africa Corps sowie der Generalstab der gemeinsamen Streitkräfte der Allianz der Sahel-Staaten (AES). Der russische Botschafter in Niamey, Viktor Woropajew, erklärte laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik Afrique, die Führung des Niger habe das Africa Corps, eine paramilitärische russische Einheit, um Hilfe bei der Niederschlagung der Meuterei gebeten.
Das nigrische Staatsfernsehen zeigte Bilder von dutzenden Soldaten, die sich mit erhobenen Händen ergaben, während andere in Reihen auf dem Boden saßen. Einige schienen verletzt zu sein. Die Identität und die Dienstgrade der Soldaten, unter denen sich auch Frauen befanden, wurden nicht bekannt gegeben. Die Ziele der Aufständischen, die zwischenzeitlich drei Militärstützpunkte unter ihrer Kontrolle hatten, blieben unklar.
Die vor zwei Jahren gegründete Allianz der Sahelstaaten bestehend aus Mali, Burkina Faso und dem Niger erklärte, sie sei "Opfer eines Verrats durch eine Gruppe von Soldaten geworden, die an einem Unternehmen zur Destabilisierung beteiligt waren". Dieses sei "eingedämmt und vereitelt" worden.
Mehrere hundert Menschen versammelten sich auf einem großen Platz in Niamey, um Militärmachthaber Tiani ihre Unterstützung zu bekunden. "Es lebe General Tiani", "Nieder mit den Feinden Nigers" oder "Der Niger wird nicht fallen", war auf Plakaten zu lesen.
Es war das dritte Mal in diesem Jahr, dass es in Niamey Schusswechsel gab. Im Januar und im Juni griffen Dschihadisten den Flughafen und den dortigen Militärstützpunkt an, was jedoch zurückgeschlagen wurde. Am Flughafen wurde im Dezember und Januar eine bedeutende Ladung Uran gelagert. Ein Abtransport der brisanten Fracht wurde bislang nicht beobachtet.
Im Niger hatten Militärs am 26. Juli 2023 den demokratisch gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt und die Macht im Land übernommen. Bazoum wird seither im Präsidentenpalast in Niamey gefangen gehalten.
Für die USA und die frühere Kolonialmacht Frankreich war der Niger bis dahin ein wichtiger Ausgangspunkt für Einsätze gegen Dschihadisten in der Sahelregion. Im Dezember 2023 verließen die letzten französischen Soldaten auf Wunsch der neuen Machthaber das Land. Der Niger ist ebenso wie die Nachbarstaaten Mali und Burkina Faso seit Jahren mit dschihadistischer Gewalt konfrontiert.
(L.Svenson--DTZ)