Deutsche Tageszeitung - Regierung will deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus testen

Regierung will deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus testen


Regierung will deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus testen
Regierung will deutlich mehr Menschen auf das Coronavirus testen / Foto: ©

Die Bundesregierung setzt im Kampf gegen das Coronavirus auf eine kräftige Ausweitung der Tests. Mehr Menschen zu testen mache "natürlich Sinn", um mit der exponentiellen Ausbreitung des Virus Schritt zu halten, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag. Mehrere Medien zitierten aus internen Dokumenten, wonach die Regierung eine größtmögliche Erhöhung anstrebt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) machte derweil klar, dass eine Debatte über die Lockerung der Corona-Restriktionen noch nicht anstehe.

Textgröße ändern:

Vorbild für die weiteren Maßnahmen der Bundesregierung könnte Südkorea sein: Den dortigen Behörden war es mit Massentests und der Isolierung von Erkrankten gelungen, die Ausbreitung des neuartigen Erregers stark zu verlangsamen, ohne das öffentliche Leben zum Stillstand zu bringen.

Dazu sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums: "Wir gucken uns alle Länder an, wo wir sehen, dass die Maßnahmen helfen." Die "Bild"-Zeitung zitiert einen entsprechenden Beschluss aus einem internen Protokoll einer Telefonkonferenz zwischen Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) und den Chefs der Staatskanzleien der Länder. Darin heiße es: "Bund und Länder stimmen darin überein, die Kapazitäten zur Testung auf das neue Corona-Virus deutlich zu erhöhen."

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Experten in einem vertraulichen Strategiepapier des Bundesinnenministeriums, aus dem "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR zitierten. Das Ministerium wollte sich mit Verweis auf die Vertraulichkeit nicht zum Inhalt des Papiers äußern.

Die deutschen Amtsärzte halten Überlegungen zur drastischen Erhöhung der Test-Zahl allerdings für unrealistisch. "Flächendeckende Corona-Tests wie in Südkorea sind in Deutschland undurchführbar", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, dem Nachrichtenportal "t-online.de". "Dafür haben wir zu wenig Personal und zu wenig Laborkapazität."

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprach sich derweil für die besondere Isolation von Risikogruppen und flächendeckende Tests aus. Vieles deute darauf hin, dass auch das "Sammeln, Nachverfolgen und Auswerten der Daten zu Risikogruppen, Infizierungen, Erkrankungen und Heilungen" dabei helfen könne, "gangbare Wege zu finden, um schrittweise die Einschränkungen wieder aufzuheben", sagte sie der "Welt" vom Freitag.

Kanzlerin Merkel bat in der Frage einer Aufhebung der Beschränkungen um Geduld. Es gebe immer noch einen Anstieg der Neuinfektionen, sagte Merkel am Donnerstagabend. Angesichts einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen könne die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen noch nicht bewertet werden: "Deshalb sind wir noch gar nicht in dem Bereich zu sehen, ob diese Maßnahmen wirken", sagte sie.

Zuletzt waren die Rufe nach einer Strategie für die schrittweise Aufhebung der Restriktionen lauter geworden. So fordert unter anderen der Deutsche Städtetag Konzepte für eine graduelle Rückkehr zum Alltag.

In den vergangenen Wochen waren in Deutschland weitgehend Schulen und Kitas geschlossen worden. Auch andere öffentliche Einrichtungen wie Klubs machten dicht, inzwischen sind auch viele Geschäfte und alle Restaurants geschlossen. Seit Montag sind zudem Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum verboten.

Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) befürwortet den Einsatz einer sogenannten Tracking-App im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus. Eine solche Software auf Smartphones sei "sinnvoll, um das Virus zielgerichtet einzudämmen", sagte Bär dem "Handelsblatt". Die App ermögliche es, Kontaktpersonen eines Infizierten zu ermitteln. "Wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung jetzt nutzen, um die Krise zu überwinden", sagte Bär.

Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer wies auf rechtliche Hürden für eine solche App hin: "Grundvoraussetzung für uns wären Freiwilligkeit und Einklang mit dem Datenschutz." Grundsätzlich könnte eine Tracking-App aber zu einer "starken Entlastung der überlasteten Gesundheitsämter" führen.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

Israelische Kampfjets greifen von Huthis kontrollierte Hafenstadt Hodeida im Jemen an

Einen Tag nach dem Drohnenangriff der Huthi-Miliz auf Tel Aviv hat Israel die von den Rebellen kontrollierte Hafenstadt Hodeida im Jemen bombardiert. Kampfjets hätten "militärische Ziele des Huthi-Terrorregimes im Gebiet des Hafens von Hodeida" ins Visier genommen, teilte die israelische Armee am Samstag mit. Die Luftangriffe seien eine Reaktion "auf hunderte Angriffe" der Rebellen auf Israel in den vergangenen Monaten. Es handelt sich um die ersten von Israel gemeldeten Angriffe gegen den Jemen.

Krankenhaus im Gazastreifen: Baby aus Bauch von getöteter Schwangerer gerettet

Im Gazastreifen haben Mediziner nach Angaben eines Krankenhauses ein Baby aus dem Leib einer bei einem Angriff getöteten Schwangeren gerettet. Die neun Monate schwangere Frau sei bei israelischem Beschuss des Flüchtlingslagers Nuseirat schwer verletzt worden und im Krankenhaus gestorben, sagte der Leiter der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung im Al-Awda-Krankenhaus, Raed al-Saudi, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP.

Israel bestätigt Luftangriffe auf von Huthis kontrollierte Hafenstadt Hodeida im Jemen

Israel hat die von der Huthi-Miliz kontrollierte Hafenstadt Hodeida im Jemen aus der Luft angegriffen. Die Kampfjets hätten "militärische Ziele des Huthi-Terrorregimes im Gebiet des Hafens von Hodeida" ins Visier genommen, teilte die israelische Armee am Samstag mit. Die Luftangriffe seien eine Reaktion "auf hunderte Angriffe" der Rebellen auf Israel in den vergangenen Monaten. In der Nacht zum Freitag war bei einem Drohnenangriff der Huthis auf Tel Aviv ein Mensch getötet worden. Der israelische Verteidigungsminister Joav Gallant kündigte daraufhin Vergeltung an.

Fast drei Jahrzehnte im US-Kongress: Demokratin Sheila Jackson Lee ist tot

Die demokratische US-Abgeordnete Sheila Jackson Lee ist im Alter von 74 Jahren gestorben. "Mit unglaublicher Trauer über unseren Verlust, aber auch mit tiefer Dankbarkeit für das Leben, das sie mit uns geteilt hat, geben wir heute das Ableben der Abgeordneten Sheila Jackson Lee bekannt", erklärte die Familie der texanischen Abgeordneten und entschiedenen Kämpferin für Minderheitenrechte und Gerechtigkeit am Freitag im Onlinedienst X.

Textgröße ändern: