Deutsche Tageszeitung - Zentralrat der Juden bezweifelt Linken-Versprechen zu Kampf gegen Judenhass

Zentralrat der Juden bezweifelt Linken-Versprechen zu Kampf gegen Judenhass


Zentralrat der Juden bezweifelt Linken-Versprechen zu Kampf gegen Judenhass
Zentralrat der Juden bezweifelt Linken-Versprechen zu Kampf gegen Judenhass / Foto: © AFP/Archiv

Der Zentralrat der Juden bezweifelt, dass die Berliner Linke ein verlässlicher Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein kann. Er habe zwar die Aussagen der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp vernommen, dass sie gegen Antisemitismus in der Hauptstadt vorgehen wolle, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Ihre Einstellung werde aber "offensichtlich in der von ihr vertretenen Partei in Berlin zumindest nicht von allen, ich befürchte nicht einmal von einer großen Mehrheit, geteilt".

Textgröße ändern:

Die Linkspartei mit Spitzenkandidatin Eralp hatte die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am Sonntag klar gewonnen. Gegen Teile der Berliner Linken gab es immer wieder Antisemitismusvorwürfe. Zuletzt wurden auch Kontakte ins Kriminellenmilieu Thema. Noch am Wahlabend wurde bekannt, dass der berüchtigte Clanchef Issa Remmo bei der Wahlparty des Linken-Bezirksverbands in Neukölln auftauchte. Ebenso anwesend war ein pro-palästinensischer Aktivist, der wegen israelfeindlicher Positionen in der Kritik steht.

Der Auftritt eines "bekannten Israel-Hassers" auf der Wahlparty in Neukölln oder anti-israelische Parolen bei einer Wahlkampfveranstaltung stünden im Widerspruch zu Eralps Aussagen, gegen Antisemitismus vorzugehen, sagte Schuster. "Und was mich am meisten erschreckt, ist, dass es offensichtlich nicht gelingt, auch diesen Bezirksverband Neukölln von eindeutig antisemitischen Positionen abzubringen. Ich habe in keiner Weise vernommen, dass man sich dort davon distanziert."

Dass der Berliner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak nach Bekanntwerden seiner Clan-Kontakte seine Parlamentsfunktionen ruhen lässt, sei "zwar schön und gut", sagte Schuster. "Aber nachdem in seinem Umfeld sowohl ein Clan-Chef als auch Ibrahim Ibrahim, der für die 'Volksfront zur Befreiung Palästinas' (PFLP) spricht, eine Rolle spielen, und solche Leute in der Partei weiter geduldet werden, hätte ich erwartet, dass er unverzüglich aus der Fraktion ausgeschlossen wird." Nach Schusters Worten wäre das ein "klares Signal" gewesen. "Das ist offensichtlich bewusst nicht der Fall."

Auf die Frage, was er von einer Beobachtung des Berliner Linken-Landesverbands durch den Verfassungsschutz halte, wie von der CDU vorgeschlagen, sagte Schuster: "Ich halte es generell für richtig und wichtig, wenn in Parteien extremistische Einstellungen geäußert werden und dies zum Teil auch unwidersprochen geschieht, dass eine Beobachtung solcher Parteien durch den Verfassungsschutz geprüft wird."

Zu möglichen Koalitionsverhandlungen der Berliner Linken mit SPD und Grünen äußerte Schuster die Hoffnung, dass Letztere beim Thema Antisemitismus keine Kompromisse eingehen werden. "Ich hoffe es. Die hundertprozentige Sicherheit oder das absolute Vertrauen habe ich allerdings nicht." Aber auch das werde interessant sein "zu sehen, wie die beiden Parteien reagieren und was über Lippenbekenntnisse hinausgeht".

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Polizei in Portugal räumt abermals Protestlager gegen Wohnungsnot

Die portugiesische Polizei hat nach eigenen Angaben abermals Protestlager gegen die Wohnungsnot in den Städten Lissabon und Porto geräumt. Sie sei am frühen Morgen eingeschritten, "um diese illegalen Lager aufzulösen", teilte die Polizei am Sonntag im Onlinedienst X mit. "Als der Dialog endete, führte der Einsatz zu 31 Festnahmen wegen Ungehorsams", hieß es weiter. Die Organisatoren der Protestlager prangerten eine unverhältnismäßige Gewaltanwendung durch die Beamten an.

Wenige Tage vor Parlamentswahl: Israel startet Großoffensive im Westjordanland

Wenige Tage vor der Parlamentswahl in Israel hat die Armee auf Anweisung von Regierungschef Benjamin Netanjahu eine Großoffensive im besetzten Westjordanland begonnen. Israelische Soldaten drangen am Samstag in die Stadt Hebron ein und vertrieben rund 2000 Palästinenser aus ihren Häusern, wie Verteidigungsminister Israel Katz dem Sender Kan sagte. Die israelische Armee kündigte an, am Wahltag am Dienstag würden sämtliche Übergänge zum Westjordanland geschlossen. In Tel Aviv demonstrierten Tausende gegen Netanjahu.

Präsidentenstichwahl in Brasilien: Rechtsgerichteter Kandidat Bolsonaro gibt Stimme ab

Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien hat der rechtsgerichtete Kandidat Flávio Bolsonaro am Sonntag seine Stimme abgegeben. "Brasilien hält nicht noch einmal vier solcher Jahre aus", sagte der Herausforderer des linksgerichteten Amtsinhabers Luiz Inácio Lula da Silva vor einem Wahllokal in Rio de Janeiro. "Das Leben aller hat sich verschlechtert." Für das bevölkerungsreichste Land Südamerikas sei "die Stunde für einen echten Wandel" gekommen.

Massive Beteiligung bei Schicksalswahl in Serbien

Schicksalswahl in Serbien: Unter massiver Beteiligung der Wählerinnen und Wähler hat das Balkanland am Sonntag ein neues Parlament bestimmt. Vor den Wahllokalen standen am Morgen tausende Menschen an, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Bei den vorgezogenen Neuwahlen fordert die aus den Studentenprotesten hervorgegangene Studentska Lista die Serbische Fortschrittspartei von Präsident Aleksandar Vucic heraus, der die Politik des Landes seit vielen Jahren beherrscht.

Textgröße ändern: