Deutsche Tageszeitung - Schmerzerfülltes Gedenken in Israel am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls

Schmerzerfülltes Gedenken in Israel am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls


Schmerzerfülltes Gedenken in Israel am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls
Schmerzerfülltes Gedenken in Israel am dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls / Foto: © AFP

Schweigende Trauer, schmerzhafte Erinnerungen und fortgesetzte Militärangriffe: Israel hat am Mittwoch den dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls begangen. Am Ort des Nova-Musikfestivals hielten die Anwesenden um 06.29 Uhr, der Uhrzeit des Beginns der Massaker, eine Schweigeminute ab. Die israelische Armee setzte unterdessen ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Der Jahrestag des Hamas-Überfalls fiel in die Schlussphase des Wahlkampfs zur israelischen Parlamentswahl in drei Wochen.

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Am Ort des von den radikalislamischen Kämpfern am 7. Oktober 2023 überfallenen Nova-Festivals neigten die Menschen während der Schweigeminute inmitten von Porträts ihrer getöteten Angehörigen und Freunde ihre Köpfe. Das Schweigen wurde jedoch von Techno-Musik unterbrochen, die mindestens einer der Anwesenden im Gedenken an die Opfer abspielen ließ.

Gedenkzeremonien waren auch am nahegelegenen Kibbuz Reim sowie im Kibbuz Kfar Aza geplant, die beide damals ebenfalls von der Hamas und ihren Verbündeten überfallen worden waren.

Am Ort des Nova-Festivals berichtete Katia Zohar, deren 23-jährige Tochter vor drei Jahren getötet wurde, "von der Minute, die unsere Leben für immer verändert hat". Ihre Tochter Bar habe sie damals angerufen und sie gebeten, abgeholt zu werden, "weil Raketen in der Luft waren". Später habe sie dann von der Straße aus angerufen und geschrien, "dass sie auf mich schießen".

Anna Davitashvili spielte bei dem Gedenken an ihren getöteten 25-jährigen Sohn den letzten Techno-Track ab, der damals vor Beginn des Angriffs auf dem Festival ertönt war. "Ich fühle ihn hier. Es tut mir so fürchterlich leid, dass ich ihn nicht retten konnte", sagte die Mutter mit Tränen in den Augen.

An der Nova-Gedenkstätte hörten Journalisten der Nachrichtenagentur AFP auch laute Knallgeräusche, die aus dem Gazastreifen hinüberdrangen. Das Al-Schifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza teilte mit, dass bei nächtlichen israelischen Luftangriffen zwei Menschen getötet worden seien. In der Stadt Chan Juni im Süden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben des Nasser-Hospitals ein Mann bei einem israelischen Angriff getötet und weitere verletzt.

Im Westjordanland zerstörte die israelische Armee unterdessen mehrere Gedenkstätten für Palästinenser, die in Konfrontationen mit den israelischen Sicherheitskräften oder in israelischen Gefängnissen starben. Die Streitkräfte hätten in dem gesamten Palästinensergebiet "Monumente für Terroristen" vernichtet, teilte ein Militärsprecher mit.

Die Hamas pries derweil den 7. Oktober 2023 als "glorreichen Tag in der Geschichte unseres Volkes". Die radikalislamische Palästinenserorganisation nahm in einer Erklärung für sich in Anspruch, im auf ihren Überfall folgenden Gaza-Krieg "den Mythos der unbezwingbaren (israelischen) Armee zerschmettert" zu haben.

Bei den Massakern am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der Hamas und ihrer Verbündeten 1221 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Allein beim Nova-Festival töteten sie mindestens 370 Menschen und nahmen 44 Geiseln. Es waren die schlimmsten Massaker an Juden seit dem Holocaust.

Israel reagierte mit massiven Angriffen im Gazastreifen, bei dem nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 74.200 Menschen getötet wurden. Trotz einer im Oktober vergangenen Jahres vereinbarten Waffenruhe greift die israelische Armee weiterhin Ziele im Gazastreifen an.

Die Aufarbeitung des Hamas-Überfalls spielt eine wichtige Rolle im Wahlkampf vor der israelischen Parlamentswahl 27. Oktober. Der langjährige Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, vor dem 7. Oktober 2023 Warnungen vor einem Hamas-Großangriff ignoriert zu haben. Laut einem kürzlich veröffentlichten Medienbericht soll ihn die Führung der Vereinigten Arabischen Emirate davor gewarnt haben.

Der frühere israelische Regierungschef Naftali Bennett sagte während des Gedenkens am Nova-Festivalort unter Bezug auf Netanjahu, möglich geworden sei der Hamas-Überfall durch ein "kolossales Versagen des Staates Israel, der gegründet wurde, um Juden in unserem Land zu verteidigen".

Netanjahu stellt sich als Garant der Sicherheit Israels dar und bestreitet Versäumnisse seinerseits vor dem 7. Oktober 2023. Umfragen zeigen, dass es für ihn und seine rechtsreligiöse Regierungskoalition bei der Wahl knapp werden könnte.

Der Ministerpräsident hatte bereits in einer Rede am Montag des Jahrestags gedacht. Darin betonte er, dass es niemals "Vergebung für die Mörder" des 7. Oktober geben und die Hamas niemals im Gazastreifen an die Macht zurückkehren werde.

Auch in Deutschland wurde am Mittwoch der Jahrestag des Hamas-Überfalls begangen. Dabei bekräftigte die Bundesregierung, dass sie entschlossen gegen Judenfeindlichkeit hierzulande vorgehen werde. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte: "Die Bundesregierung wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um Antisemitismus in all seinen neuen und alten Formen konsequent zu bekämpfen."

Anlässlich des Jahrestags waren in Berlin mehrere Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen geplant.

(V.Korablyov--DTZ)

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