Kanada und Türkei nehmen Gespräche über Freihandelsabkommen auf
Das sich in einem Handelsstreit mit den USA befindliche Kanada hat Gespräche mit der Türkei über ein Freihandelsabkommen aufgenommen. "Wir haben beschlossen, noch vor Jahresende Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufzunehmen, das eine Ausweitung des Handels und der Investitionen vorsieht", erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Besuch des kanadischen Premiers Mark Carney in Ankara am Donnerstag vor Journalisten.
"Wir hoffen, unser Handelsvolumen, das derzeit bei rund drei Milliarden Dollar (rund 2,7 Milliarden Euro) liegt, auf fünf Milliarden Dollar und anschließend auf zehn Milliarden Dollar zu steigern", erklärte Erdogan. Zudem wollten beide Länder die Zahl der Direktflüge zwischen ihren Ländern "in etwa verdoppeln".
Carney erklärte, kanadische Unterhändler würden im November zu einer ersten Runde von Freihandelsgesprächen nach Ankara reisen. "Unser Ziel ist nicht die Autarkie, sondern kollektive Widerstandsfähigkeit", sagte Carney.
Deshalb baue Kanada "engere Partnerschaften mit zuverlässigen Partnern auf, die für beide Seiten neue Chancen eröffnen. Und in der Türkei haben wir einen außergewöhnlichen Partner", betonte der Premier.
Am Freitag wird Carney in Istanbul mit führenden türkischen Wirtschaftsvertretern aus wichtigen Branchen wie Energie, Luft- und Raumfahrt und kritische Rohstoffe zusammentreffen. Beide Länder haben auch Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergie geprüft. Außerdem kündigten sie ein Partnerschaftsabkommen in der Verteidigungsindustrie an.
Dazu sagte Carney: "Das neue Abkommen über eine Partnerschaft in der Verteidigungsindustrie wird kanadische und türkische Unternehmen zusammenbringen, um gemeinsam gute Arbeitsplätze im Inland zu schaffen, Exportmöglichkeiten ins Ausland zu erschließen, die Sicherheit unserer Bürger zu erhöhen und das Nato-Bündnis zu stärken."
Carney hatte auf mehreren Auslandsreisen jüngst die Beziehungen zu Ländern wie Saudi-Arabien, Indien und China wiederbelebt, die unter seinem Vorgänger Justin Trudeau angespannt waren oder sogar abbrachen. Carney näherte sich auch Europa stark an. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schlug im September eine "assoziierte Mitgliedschaft" Kanadas in der EU vor. Kanadas Beziehungen zum Nachbarland USA befinden sich hingegen auf einem Tiefpunkt.
(B.Izyumov--DTZ)