Deutsche Tageszeitung - Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts

Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts


Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts
Israels Botschafter Prosor: Linker Antisemitismus gefährlicher als der von rechts / Foto: © AFP

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat zum Jahrestag der antijüdischen Progrome 1938 vor linkem Antisemitismus in Deutschland gewarnt. Er sei gefährlicher als der von rechts und gefährlicher als der islamistische Antisemitismus, "weil er seine Absichten verschleiert", sagte Prosor den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagsausgaben).

Textgröße ändern:

In Deutschland "weiß man im politischen und juristischen Bereich sehr gut, wie man den Antisemitismus von rechts bekämpft". Der islamistische Antisemitismus sei "brandgefährlich", weil er die demokratische Ordnung wie ein trojanisches Pferd unterwandere. "Damit lernt man jedoch umzugehen".

Der linke Antisemitismus aber bewege sich "immer an der Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit – und hat diese Grenze inzwischen deutlich überschritten", sagte Israels Botschafter. Deshalb sei der linke Antisemitismus für ihn der gefährlichste.

In Europa sei linker Antisemitismus an den Hochschulen und Theatern zu sehen. "Man gibt sich gebildet, moralisch und politisch korrekt. Aber die rote Linie dessen, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist längst überschritten". Tag für Tag werde Israel dämonisiert und delegitimiert, die Folgen seien für alle Juden spürbar. Noch sei es ein Skandal, dass ein israelischer Dirigent von einem Festival in Belgien ausgeladen werde, "doch die Räume des Sagbaren verschieben sich".

Auch der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sagte dem "Tagesspiegel" vom Samstag, Deutschland habe "seit Jahrzehnten eingeübte Abwehrreflexe gegenüber Rechts - das ist gut". Die Beschäftigung mit Antisemitismus etwa aus dem arabischen Raum hingegen sei lange vernachlässigt worden. Dort könne es "völlig normal" sein, mit antisemitischen Vorstellungen aufzuwachsen.

Gauck sprach auch den linken Antisemitismus an. Darüber hätten manche in Deutschland Probleme zu sprechen, sagte er dem "Tagesspiegel". Aber "egal wo Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit herrühren: Wir brauchen mehr Entschlossenheit beim Schutz der Menschenwürde". Negative Haltungen würden nicht einfach verschwinden - "egal ob sie bodenständig sächsisch und thüringisch oder arabisch und türkisch sind. Wir müssen uns mit denen auseinandersetzen, die Hass zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben."

ilo/hex

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

65 Jahre Mauerbau: Warnungen vor DDR-Verklärung und Gefährung der Demokratie

Aufforderungen zur Verteidigung der Demokratie und Warnungen vor einer Verklärung der DDR-Geschichte haben am Donnerstag das Gedenken zum 65. Jahrestag des Mauerbaus geprägt. "Die Lektion der Mauer bleibt: Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich. Wir müssen immer dafür kämpfen", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf X. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) warnte vor "Gleichgültigkeit und Desinteresse" gegenüber den aktuellen Gefahrdungen der Demokratie.

Klöckner weist zu Jahrestag des Mauerbaus auf Spaltungen zwischen Ost und West hin

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer auf fortbestehende Spaltungen zwischen Ost und West hingewiesen. "Die Mauer hat in Deutschland Spuren gezogen, die unsere Wege heute noch beeinflussen", sagte Klöckner am Donnerstag in ihrer Ansprache bei der Gedenkveranstaltung in Berlin. Selbst bei denen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden, wirke sie nach.

Sonnenfinsternis legt Verkehr in Bremen lahm: Polizei erfasst rund hundert Verstöße

Die Sonnenfinsternis vom Mittwochabend hat in Bremen teils den Verkehr lahm gelegt und einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Rund um einen beliebten Aussichtspunkt im Norden der Stadt staute sich der Verkehr zeitweise bis auf die Autobahn 27 zurück, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Teils seien Fahrzeuge auf der Autobahn geparkt worden. Insgesamt erfasste die Polizei 110 Verkehrsverstöße.

65 Jahre Mauerbau: Opferbeauftragte warnt vor Verklärung der DDR

Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus hat die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke vor einer zunehmenden Verklärung der DDR gewarnt. "Einigen erscheint die DDR zunehmend schöner, je länger sie zurückliegt", sagte Zupke der "Rheinischen Post" (Donnerstagsausgabe). "Dabei wird ausgeblendet, wie das Leben in der DDR tatsächlich war."

Textgröße ändern: