Deutsche Tageszeitung - Gericht spricht Imker Schadenersatz für Glyphosat im Honig zu

Gericht spricht Imker Schadenersatz für Glyphosat im Honig zu


Gericht spricht Imker Schadenersatz für Glyphosat im Honig zu
Gericht spricht Imker Schadenersatz für Glyphosat im Honig zu / Foto: © AFP

In einem fast ein Jahr dauernden Prozess hat das Landgericht in Frankfurt an der Oder einem Imker Schadenersatz für seinen mit Glyphosat verunreinigten Honig zugesprochen. Eine Zivilkammer des Gerichts gab am Montag der Klage des Mannes statt, wie ein Gerichtssprecher sagte. Das beklagte landwirtschaftliche Unternehmen muss dem Brandenburger Imker Sebastian Seusing nun 14.544 Euro zahlen.

Textgröße ändern:

Dieser sei mit seiner Klage "voll umfänglich durchgedrungen", sagte der Gerichtssprecher. Die Zivilkammer sah demnach in der Kontamination des Honigs mit Glyphosat eine Eigentumsverletzung. Das Agrarunternehmen, welches das Pflanzenschutzmittel auf der Fläche neben den Bienenkästen versprühte, beging nach der Einschätzung des Gerichts eine rechtswidrige fahrlässige Pflichtverletzung.

Dem Sprecher zufolge betonte die Vorsitzende Richterin, dass die Bienenkästen Seusings für jedermann weitgehend sichtbar aufgestellt waren. Das Urteil sei jedoch keine Entscheidung darüber, ob ein konventionelles Unternehmen immer mit Bienenflug rechnen muss.

Seusing hatte im Frühjahr 2019 Bienenkästen neben einer von dem Agrarunternehmen bewirtschafteten Fläche aufgestellt, ohne dieses darüber zu informieren. Ende April 2019 behandelte das Unternehmen die Fläche mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln. Den glyphosatbelasteten Nektar beziehungsweise die belasteten Pollen trugen die Bienen in den Bienenstock. Der Imker musste sowohl das Wachs als auch den entstandenen Honig vernichten, seinen Betrieb gab er nach eigenen Angaben auf.

Anschließende Laboranalysen des Honigs ergaben der Aurelia Stiftung zufolge, dass die zulässigen Rückstandshöchstmengen für Glyphosat bis zu 152-fach überschritten wurden. Seusing reichte deshalb eine Schadenersatzklage gegen das Unternehmen ein. Im August 2021 begann dann das dazugehörige Verfahren, in dem er von Anwälten der Aurelia Stiftung unterstützt wird.

Diese setzt sich nach eigenen Angaben für den Schutz der Bienen und den Erhalt der Artenvielfalt ein. Die Stiftung hatte für den Fall eines Erfolgs eine Signalwirkung des Gerichtsprozess für Landwirtschaft und Politik erwartet.

(O.Tatarinov--DTZ)

Empfohlen

Sturzflut im Himalaya: UN-Klimafonds stellt Nepal Hilfsgelder in Millionenhöhe bereit

Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya im August stellt der UN-Klimafonds Nepal Hilfsgelder in Höhe von 20 Millionen Dollar (knapp 18 Millionen Euro) bereit. Die am Donnerstag bei der ersten außerordentlichen Sitzung des UN-Klimafonds seit seiner Einrichtung im Jahr 2022 getroffene Entscheidung bedeutet jedoch nicht, dass Nepal die Mittel unmittelbar erhält. Die Hilfsgelder entsprechen weniger als 0,5 Prozent der von der nepalesischen Regierung auf 4,78 Milliarden Dollar veranschlagten Wiederaufbaukosten.

IUCN: Wegen Klimawandels fast alle Korallenriffe der Welt vom Absterben bedroht

Wegen des fortschreitenden Klimawandels sind laut einer Prognose der Weltnaturschutzunion (IUCN) innerhalb der kommenden 50 Jahre fast alle Korallenriffe der Welt vom Absterben bedroht. Es bestehe für 96 Prozent der Korallenriffe in den Weltmeeren "ein extrem erhöhtes Risiko", dass sie bis 2075 absterben, hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten IUCN-Analyse. Es war die erste weltweite Untersuchung dieser Art.

Artenschutz: Unesco startet Großprojekt zum Sammeln von Umwelt-DNA

Um die Wanderung von Tieren und Pflanzen im Meer besser zu verstehen, will die Unesco in 30 Schutzgebieten weltweit Proben von sogenannter Umwelt-DNA entnehmen. Ziel des Projektes sei es, bis 2028 rund 3000 Meerwasserproben zu sammeln und auszuwerten, teilte die UN-Wissenschaftsorganisation am Donnerstag mit. Sie setzt dabei vor allem auf das Engagement von Menschen und Gruppen vor Ort, die bei den Entnahmen helfen sollen.

Beispielloser El Niño: Eindringlicher UN-Appell für gemeinsame Schutzvorkehrungen

Wegen einer beispiellosen Intensität des gegenwärtigen Klimaphänomens El Niño haben die Vereinten Nationen eindringlich zu gemeinsamen Schutzvorkehrungen für die am stärksten betroffenen Menschen aufgerufen. "Heute richten wir einen gemeinsamen Appell an die internationale Gemeinschaft, dringend und koordiniert vorausschauend zu handeln", erklärte die Generalsekretärin der Weltmeteorologie-Organisation (WMO), Celeste Saulo, am Mittwoch in Genf. Die Stärke des gegenwärtigen El Niño wird demnach voraussichtlich die bisherigen Messskalen überschreiten.

Textgröße ändern: