Deutsche Tageszeitung - Gentechnik: Konservative Mehrheit für Lockerungen in der EU - Bio ausgenommen

Gentechnik: Konservative Mehrheit für Lockerungen in der EU - Bio ausgenommen


Gentechnik: Konservative Mehrheit für Lockerungen in der EU - Bio ausgenommen
Gentechnik: Konservative Mehrheit für Lockerungen in der EU - Bio ausgenommen / Foto: © AFP/Archiv

In der Debatte um die europäischen Regeln für neue Gentechnikmethoden treibt eine Mehrheit aus Konservativen, Liberalen und Rechten mögliche Lockerungen voran. Die Abgeordneten stimmten am Mittwoch im Umweltausschuss des Europaparlaments für einen Vorschlag, der unter anderem die Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Gentechnik deutlich lockern soll. Der Biolandbau ist von den Plänen demnach weiter ausgenommen.

Textgröße ändern:

Mit der Abstimmung im Ausschuss hat der Vorschlag der EU-Kommission, die Vorschriften für den Einsatz sogenannter Neuer Genomischer Verfahren (NGT) deutlich zu lockern, eine erste Hürde genommen. Die Abgeordneten sprachen sich dafür aus, dass nur das Saatgut genetisch veränderter Sorten gekennzeichnet werden muss. Für Produkte im Supermarkt soll es keine Kennzeichnungspflicht mehr geben, außerdem sollen Umwelt-Risikoprüfungen bei der Zulassung entfallen.

Die aktuellen Gentechnik-Vorschriften seien "hoffnungslos veraltet", erklärte die zuständige Berichterstatterin im Parlament, Jessica Polfjärd (Konservative). Mit den neuen Techniken könnten schneller Sorten auf den Markt kommen, die an extreme Klimabedingungen angepasst seien. Zudem könne so der Einsatz von Düngemitteln reduziert werden.

Die umweltpolitische Sprecherin der SPD im Europaparlament, Delara Burkhardt, sprach dagegen von "völlig inakzeptablen" Vorschlägen. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten "selbst entscheiden können, ob sie im Supermarkt zu diesen Lebensmitteln greifen wollen", erklärte Burkhardt. Das sei durch den geplanten Wegfall der Kennzeichnungspflicht nicht mehr möglich.

In Deutschland hatten Anfang Januar mehrere große Unternehmen aus der Lebensmittelwirtschaft in einem offenen Brief gegen die geplanten Lockerungen protestiert, darunter Frosta, dm, Alb-Gold, Alnatura und Andechser. Die Organisation Greenpeace kritisierte zudem, die neuen Sorten könnten auch auf Felder von Bauern gelangen, die selbst keine genetisch veränderten Pflanzen anbauen wollen.

Eine breite Mehrheit gab es im Umweltausschuss für eine Klausel, nach der es keine Patente auf Sorten aus neuen Gentechniken geben soll. Die Abgeordneten befürchten, dass sich große Agrarkonzerne mögliche Patente sichern könnten, mittelständische Saatguthersteller könnten leer ausgehen. Für die geforderte Patentregelung bräuchte es allerdings einen neuen Vorschlag der EU-Kommission, eine Klausel im aktuell diskutierten Gesetz reicht nicht aus.

Mehrere EU-Länder hatten wegen des ungeklärten Patentrechts ähnliche Bedenken geäußert. Bei einer ersten Abstimmung unter den europäischen Landwirtschaftsministerinnen und -ministern stimmten sieben Mitgliedstaaten gegen den Vorschlag der Kommission. Deutschland enthielt sich - die FDP ist dafür, die Grünen sind dagegen. Solange die Mitgliedstaaten keine gemeinsame Position haben, sind die Verhandlungen über die neuen Vorschriften in Brüssel weitestgehend blockiert.

NGT-Verfahren ermöglichen präzise Eingriffe in die DNA einer Pflanze. Befürworter erhoffen sich dadurch neue Pflanzensorten, die sich besser an klimatische Veränderungen anpassen können, weniger Wasser benötigen oder resistenter gegenüber Krankheiten sind. Zudem sollen schneller neue Sorten auf den Markt kommen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Niedersachsen verbietet künftig Anbindehaltung von Rindern

Die bereits seit Langem in der Kritik stehende Anbindehaltung von Rindern soll in Niedersachsen künftig verboten werden. "Das Leid der Rinder, die in Anbindehaltung gehalten werden, muss endlich beendet werden", erklärte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) am Donnerstag. Tierschützer begrüßten, dass Niedersachsen als erstes Bundesland vollständig aus der Anbindehaltung von Rindern aussteige.

EU hofft auf baldigen Abschluss eines Handelsabkommens mit Australien

Nach Handelsverträgen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten und Indien hofft die EU auf den baldigen Abschluss eines weiteren Abkommens mit Australien. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic und Agrarkommissar Christophe Hansen empfangen nach Kommissionsangaben am kommenden Donnerstag ein australisches Verhandlungsteam in Brüssel. Der Abschluss könnte in den Wochen danach folgen.

Australischer Junge schwimmt vier Stunden im Meer und rettet abgetriebene Familie

In Australien ist ein Teenager vier Stunden lang vom offenen Meer an die Küste geschwommen, um seine Familie zu retten. Der 13-jährige Austin Appelbee legte vier Kilometer im Meer zurück, nachdem er mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern vor der Südwestküste Australiens abgetrieben worden war. Am Strand alarmierte er dann die Rettungskräfte. Nach der erfolgreichen Rettungsaktion lobten diese am Dienstag die "übermenschlichen" Überlebensinstinkte des Jungen.

Für weniger Importe aus China: USA legen Rohstoffreserve an

Die USA wollen eine Rohstoffreserve für die Industrie aufbauen und damit unabhängiger von China werden. Dafür sei eine Anschubfinanzierung von fast zwölf Milliarden Dollar (rund zehn Milliarden Euro) geplant, teilte das Weiße Haus am Montag mit. Präsident Donald Trump wollte den Plan demnach in Kürze verkünden.

Textgröße ändern: