Deutsche Tageszeitung - UN-Biodiversitätskonferenz endet mit Kompromissen - gemischte Reaktionen von Umweltschützern

UN-Biodiversitätskonferenz endet mit Kompromissen - gemischte Reaktionen von Umweltschützern


UN-Biodiversitätskonferenz endet mit Kompromissen - gemischte Reaktionen von Umweltschützern
UN-Biodiversitätskonferenz endet mit Kompromissen - gemischte Reaktionen von Umweltschützern / Foto: © AFP

Nach zwei Wochen zäher Verhandlungen ist die UN-Biodiversitätskonferenz (COP17) in Armenien mit einer Verständigung auf weitere Vereinbarungen zum Schutz der Natur zu Ende gegangen. Nach der Einigung am Freitagabend brach Applaus im Plenarsaal in der Hauptstadt Eriwan aus, verhandelt wurde aber bis in den Samstagvormittag. Der genaue Wortlaut der Texte war da allerdings weiter unklar. Vielen Umweltschützern und Politikern gingen die Beschlüsse nicht weit genug.

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Vor vier Jahren hatten sich die Länder im sogenannten Biodiversitätsrahmen von Kunming-Montreal auf 23 Ziele verpflichtet, ähnlich dem Vorgehen beim Pariser Klimaabkommen. Damals wurde unter anderem vereinbart, bis 2030 umweltschädliche Subventionen etwa für fossile Energieträger wie Erdöl weltweit um mindestens 500 Milliarden Dollar (445 Milliarden Euro) zu verringern. In Eriwan sollte nun eine erste Bilanz gezogen werden. Außerdem sollten konkrete Maßnahmen zur Erreichung der Ziele vereinbart werden.

Die Verhandlungen von Vertretern der fast 200 Mitgliedsstaaten über diese Punkte erwiesen sich allerdings als zäh und dauerten länger als geplant; weitere Beratungen zogen sich bis in den Samstagmorgen. Die endgültigen Fassungen der angenommenen Texte lagen zunächst nicht vor. Unklar blieb daher auch nach dem Ende des Gipfels am Samstagvormittag, welche Vorschläge aus den zuvor kursierenden Entwürfen tatsächlich beschlossen wurden.

In einem Entwurf wurden die Staaten aufgefordert, ihre Bemühungen zu beschleunigen, damit der Verlust der biologischen Vielfalt gestoppt werden könne. Ein UN-Bericht hatte zuvor festgestellt, dass die internationale Gemeinschaft bei fast allen Zielen hinterherhinkt, zum Beispiel beim Schutz von mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen. Besonders umstritten war der Abbau von Subventionen und anderen finanziellen Anreizen, die der Natur schaden, etwa für fossile Energieträger, intensive Landwirtschaft und Überfischung.

Ein weiterer Beschluss betrifft die Finanzierung der Maßnahmen. Nach Schätzungen fehlen jährlich rund 700 Milliarden Dollar, um etwa gefährdete Arten, Wälder und Feuchtgebiete ausreichend zu schützen. Die EU drängte in Eriwan darauf, wirtschaftsstarke Schwellenländer wie China stärker heranzuziehen. Ein Entwurf sah vor, dass weitere Staaten sich freiwillig als Geldgeber melden könnten. Ob dies Eingang in den endgültigen Text fand, war zunächst unklar.

Auch die Zukunft des sogenannten Cali-Fonds sorgte für Streit. Er soll Unternehmen, die genetische Daten von Pflanzen und anderen Organismen nutzen, an den Kosten des Naturschutzes beteiligen. Seit seinem Start Anfang 2025 kamen jedoch nur rund 10.000 Dollar zusammen, obwohl jährlich eine Milliarde Dollar angestrebt wird.

Von Umweltschützern und Politikern kam verhaltenes Lob, aber auch Kritik an den Beschlüssen. Die Einigung sei "nicht besonders aufregend oder detailliert", sagte Catherine Weller von der Organisation Fauna & Flora der Nachrichtenagentur AFP. Dass die Staaten überhaupt eine Verständigung erzielt hätten, sei aber eine gute Nachricht. Kirsty Leong vom WWF International sprach von einem Ergebnis mit Stärken und Schwächen, das insgesamt positiv zu bewerten sei.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) nannte die Beschlüsse eine "ehrliche Bestandsaufnahme". Zwar erhole sich die Natur an vielen Orten wieder. Zugleich gebe es aber noch "viel zu tun". Die französische Umweltministerin Monique Barbut erklärte, die Beschlüsse seien "eine Reihe verpasster Chancen". Die Natur werde nicht "auf das langsame Tempo der Verhandlungen warten".

Die UN-Biodiversitätschefin Astrid Schomaker sagte, der Gipfel habe einige "ganz bemerkenswerte Dinge" erreicht, "in einem Moment, in dem der Multilateralismus angeblich nicht funktioniert". Einigungen in allen Punkten habe sie nicht erwartet. "Das war nicht der Plan", fügte sie hinzu.

Bei der Wahl des Gastgebers für die COP18 setzte sich Ecuador am frühen Samstagmorgen in geheimer Abstimmung mit 55 zu 53 Stimmen knapp gegen Panama durch. Das nächste Treffen soll 2028 in Quito stattfinden. Schon 2024 waren die Verhandlungen über die Naturschutzfinanzierung auf der vorherigen Konferenz in Kolumbien ohne Einigung geblieben. Erst bei Nachverhandlungen 2025 in Rom gelang ein Kompromiss.

(A.Stefanowych--DTZ)

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