Deutsche Tageszeitung - Scharfe Kritik von Handel und Gastronomie an neuen Corona-Maßnahmen

Scharfe Kritik von Handel und Gastronomie an neuen Corona-Maßnahmen


Scharfe Kritik von Handel und Gastronomie an neuen Corona-Maßnahmen
Scharfe Kritik von Handel und Gastronomie an neuen Corona-Maßnahmen / Foto: ©

Die Verlängerung und Verschärfung der Corona-Maßnahmen erzürnt den Einzelhandel und die Gastronomiebranche: Der Einzelhandelsverband HDE beklagte einen fehlenden Fahrplan und forderte höhere staatliche Hilfen, der Verband der Familienunternehmer äußerte Bedenken einer "K.O.-Runde" für den Handel. Auch die schwer betroffene Hotel- und Gastronomiebranche schlug Alarm. Mehrere Gewerkschaften sowie die Linke mahnten am Mittwoch zudem einen wirksamen Schutz der Beschäftigten an.

Textgröße ändern:

Bund und Länder hatten am Dienstag die Verlängerung der derzeitigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bis zum 31. Januar beschlossen. Geschäfte bleiben mit Ausnahmen geschlossen, ebenso Hotels und Kulturbetriebe. Auch Schulen und Kindergärten sollen im gesamten Januar weitgehend geschlossen bleiben.

Der HDE kritisierte, dass es keinen "klaren Fahrplan zur Wiedereröffnung der Geschäfte" gebe. Die geschlossenen Handelsunternehmen bräuchten aber "klare Aussagen, unter welchen Bedingungen sie wann ihren Betrieb wieder aufnehmen können", erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. So müsse etwa Ware bestellt werden.

Zudem müssten die staatlichen Hilfen angepasst werden - diese reichten derzeit "nicht einmal annähernd für die Begleichung der Fixkosten". Der HDE dringt zudem auf Ausnahmen bei den Mobilitätsbeschränkungen für den Einkauf und Angebote wie Click & Collect, also das Abholen vorher bestellter Ware. Das forderte auch der Verband der Familienunternehmer.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verwies auf die "Existenzgefährdung" der gesamten Branche. Die zugesagten Hilfen für November und Dezember müssten "jetzt endlich" fließen, um weitere Insolvenzen zu verhindern, zitierten die Zeitungen der Funke Mediengruppe Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) forderte ein Mindestkurzarbeitergeld von 1200 Euro sowie eine Corona-Sofortnothilfe von einmalig 1000 Euro. Die Löhne in der Branche seien ohnehin niedrig und das Kurzarbeitergeld "reicht da auf Dauer einfach nicht", sagte NGG-Chef Guido Zeitler den Funke-Zeitungen. Die NGG fürchtet einen weiteren Stellenabbau. Die Überbrückungshilfen seien bei 500.000 Euro pro Unternehmen gedeckelt - das sei für die großen Ketten "kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein".

Die Gewerkschaft IG Bau forderte einen bezahlten Sonderurlaub für Eltern. "Bauarbeiter und Reinigungskräfte können weder Homeoffice machen noch sich zuhause um die Kinder kümmern", beklagte IG BAU-Chef Robert Feiger. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht aus - auch die beschlossene Verdopplung der Kinderkrankentage greife zu kurz.

Die Linken-Politikerin Susanne Ferschl beklagte, die Lage sei für viele Beschäftigte der am meisten betroffenen Branchen "existenzbedrohend". "Das Geld reicht hier schon im Normalbetrieb kaum zum Leben, erst recht nicht bei Kurzarbeit", erklärte sie. Daher müsse das Kurzarbeitergeld entsprechend auf 100 Prozent angehoben werden.

(L.Møller--DTZ)

Empfohlen

ARD-Studio und Deutsche-Welle-Büro in Kiew nach russischem Angriff beschädigt

Bei den nächtlichen russischen Angriffen auf Kiew sind auch das ARD-Studio sowie das Büro der Deutschen Welle (DW) massiv beschädigt und teilweise zerstört worden. Wie der Westdeutsche Rundfunk am Sonntag in Köln mitteilte, stürzten Wände ein, außerdem gingen Fenster kaputt und Technik wurde zerstört - vermutlich durch Druckwellen. Da sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ARD-Studio befanden, wurde niemand verletzt.

BSW beklagt Rentenunterschiede in Ost und West: Von Renteneinheit weit entfernt

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat die nach wie vor deutlichen Rentenunterschiede zwischen Ost und West beklagt und vor diesem Hintergrund vor einer Absenkung des Rentenniveaus gewarnt. Laut vom BSW beim Statistischen Bundesamt abgefragten Daten hatten Rentnerinnen und Rentner im Osten zuletzt mehr als 300 Euro im Monat weniger zur Verfügung als Senioren im Westen. Die Zahlen lagen AFP am Sonntag vor.

Zahlreiche Verletzte bei Zusammenstoß zweier Straßenbahnen in Düsseldorf

Beim Zusammenstoß zweier Straßenbahnen in Düsseldorf sind am Samstag zahlreiche Menschen verletzt worden. Die Bahnen kollidierten aus zunächst ungeklärter Ursache frontal an einer Kreuzung in der Düsseldorfer Innenstadt.

Bundesweiter "Ehrentag": Verbände fordern von Politik Stärkung des Ehrenamts

Zum bundesweiten Ehrentag anlässlich des 77-jährigen Bestehens des deutschen Grundgesetzes hat eine Reihe von Verbänden eine Stärkung des Ehrenamts gefordert. Weniger Bürokratie für die ehrenamtliche Arbeit und eine bessere Vereinbarkeit mit dem Beruf verlangten am Samstag etwa die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt sowie der Sozialverband Deutschland.

Textgröße ändern: