Deutsche Tageszeitung - Regierung kündigt Aufstockung der Unternehmenshilfen und erleichterten Zugang an

Regierung kündigt Aufstockung der Unternehmenshilfen und erleichterten Zugang an


Regierung kündigt Aufstockung der Unternehmenshilfen und erleichterten Zugang an
Regierung kündigt Aufstockung der Unternehmenshilfen und erleichterten Zugang an / Foto: ©

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) planen eine erhebliche Aufstockung der Corona-Hilfen für Unternehmen. Zugleich soll der Zugang zu dem Geld vereinfacht werden, wie Altmaier der "Rheinischen Post" vom Montag sagte. Über die Details müssen sich die beiden Ministerien noch einigen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warnte vor neuen Verzögerungen.

Textgröße ändern:

Es sei "angebracht, die Zugänge zu den Wirtschaftshilfen zu vereinfachen und die Bedingungen zu harmonisieren und zu verschlanken sowie die Hilfen zu erhöhen", sagte Altmaier der "Rheinischen Post". So solle es künftig nur noch ein einziges Kriterium geben, damit ein Unternehmen für einen bestimmten Monat Hilfe beantragen kann, "und zwar ein Umsatzminus von mindestens 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat".

Außerdem wolle die Regierung bei der aktuellen Überbrückungshilfe III "nochmal eine Schippe drauf legen", sagte Altmaier. Die maximale monatliche Fördersumme pro Unternehmen solle "auf bis zu 1,5 Millionen" Euro steigen, zudem sollten "noch etwas größere Unternehmen" als bisher einbezogen werden.

Bislang liegt die monatliche Höchstsumme bei 500.000 Euro. Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz sind von der Unterstützung ausgeschlossen.

Zur Begründung der geplanten Neuerungen sagte der Wirtschaftsminister: "Wir haben eine sehr schwierige Zeit etwa bis Ostern vor uns." Auch danach würden "viele Unternehmen nicht sofort zu den alten Umsatzgrößen zurückkehren können." Das Programm zur Überbrückungshilfe III läuft bis Ende Juni.

Derzeit würden die Vorschläge innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, sagte Altmaier. Die Gespräche liefen "vor allem mit dem Finanzministerium".

Finanzminister Scholz sagte am Sonntagabend im "Bild"-Talk "Die richtigen Fragen", er sei "wild entschlossen", zusammen mit Altmaier dafür zu sorgen, "dass wir die Wirtschaftshilfen, die wir für die Zeit in diesem Jahr konzipiert haben, noch einmal großzügiger ausgestalten". Zugleich kündigte er Hilfen für Einzelhändler an, "die Saisonware haben". Hier werde eine Lösung benötigt, die nicht betrugsanfällig sei.

Die Regierung habe sich hier schon "weit voran gearbeitet", betonte Scholz. Laut "Spiegel" sollen beispielsweise Modegeschäfte, die wegen der staatlich angeordneten Schließung ihre Winterware nicht verkaufen können, den Verlust zu 100 Prozent von den Fixkosten des Betriebs abschreiben können.

Unternehmen und ihre Verbände klagen seit Wochen über Antrags- und Auszahlungsschwierigkeiten bei den staatlichen Hilfen für die Zeit der Pandemie. Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt ermahnte daher Scholz und Altmaier. "Die angekündigte erneute Umstellung der Zugangsregeln darf nicht zu weiteren Verzögerungen führen", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Montag.

Kulturschaffende und die Betreiber von Restaurants, Cafés und Läden "verzweifeln, weil sie nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen", beklagte Göring-Eckardt. Notwendig seien rasche, unbürokratische Hilfen und ein Selbstständigengeld für Soloselbstständige. "Sonst gehen die Geschäftsschließungen, Unternehmensschließungen und Insolvenzen auf das Konto von Olaf Scholz und Peter Altmaier."

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft forderte, die Politik müsse endlich den Weg freimachen für eine großzügigere steuerliche Verrechnung vergangener Gewinne mit aktuellen Verlusten. Die Ausweitung des Verlustrücktrags werde von ökonomischen Fachleuten fast einhellig gefordert.

(M.Dorokhin--DTZ)

Empfohlen

Hinweise auf Markteinführung von selbsfahrendem Taxi von Tesla verdichten sich

Beim E-Autobauer Tesla verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Markteinführung seines fahrerlosen Taxis Cybercab. Für den 3. September kündigte das US-Unternehmen am Samstag eine Veranstaltung im texanischen Austin an.

"Krieg": Neue US-Zölle gegen Kanada nach Scheitern von Verhandlungen in Kraft getreten

Kanadas Premierminister Mark Carney spricht von "Krieg": Nach dem Scheitern tagelanger fieberhafter Verhandlungen im Zollstreit zwischen den USA und Kanada sind am Samstag neue US-Zölle auf kanadische Produkte in Kraft getreten. Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer gab das Scheitern der Verhandlungen in der Nacht unmittelbar vor dem Ablauf einer von Präsident Donald Trump gesetzten Frist bekannt. Carney kündigte Gegenzölle an.

Südkorea schickt erstes Containerschiff durch die Arktis

In Südkorea ist erstmals ein Containerschiff in See gestochen, das über die Arktisroute nach Europa fahren soll. Die "Panstar Acro" habe am Samstagmorgen im Hafen von Busan abgelegt, teilte das Meeresministerium in Seoul auf AFP-Anfrage mit. Das Frachtschiff soll über die Arktis nach Felixstowe in Großbritannien, Rotterdam in den Niederlanden und Danzig in Polen fahren. Es ist ein Test, ob eine durch das schmelzende Eis eröffnete Route wirtschaftlich rentabel sein kann.

Hohe Spritpreise: Klingbeil dringt auf Übergewinnsteuer für Ölkonzerne

Angesichts der weiterhin hohen Spritpreise an den Tankstellen pocht Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) auf eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne. "Wir müssen das Problem der hohen Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk zur Besteuerung von Zufallsgewinnen diskutieren", fordern Klingbeil und fünf europäische Kollegen in einem Schreiben. In der aktuellen Krise dürfe es keine "Abzocke durch Energiekonzerne" geben - das habe Klingbeil mehrfach deutlich gemacht, hieß es aus dem Finanzministerium in Berlin.

Textgröße ändern: