Deutsche Tageszeitung - Klöckner fordert weitere Beschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung

Klöckner fordert weitere Beschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung


Klöckner fordert weitere Beschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung
Klöckner fordert weitere Beschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung / Foto: ©

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat erneut stärkere Beschränkungen für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung gefordert. "Werbung darf Kinder nicht dazu verleiten, sich ungesund zu ernähren", sagte die Landwirtschaftsministerin der "Passauer Neuen Presse" vom Freitag. Sie habe daher den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) aufgefordert, die Verhaltensregeln zu verschärfen.

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Nötig seien etwa Nachbesserungen und Verschärfungen bei der Altersgrenze und bei der Werbung für Lebensmittel mit ungünstiger Nährstoffzusammensetzung, sagte Klöckner der Zeitung weiter. Sie hatte schon Mitte Februar weitergehende Beschränkungen als bislang gefordert. Dies gelte gerade auch für den digitalen Bereich, der für den Medienkonsum von Kindern immer relevanter werde, erklärte sie. Wichtig sei auch, dass angepasste Verhaltensregeln in der Praxis auch konsequent angewandt werden.

Die Regulierung von Lebensmittelwerbung in Funk, Fernsehen und sozialen Medien (audiovisuelle Medien) erfolgt hierzulande durch den Medienstaatsvertrag der Länder und die Verhaltensregeln zur Lebensmittelwerbung des Deutschen Werberats, einem Kontrollorgan des ZAW.

Die Länder hatten bei der Neufassung des Medienstaatsvertrags im November im Jugendschutz-Staatsvertrag die Kinderdefinition für Menschen "unter 14 Jahre" festgelegt - ansonsten aber nur die Medienanbieter zu selbstverpflichtenden Regelungen verpflichtet. Der Werberat hat seine Verhaltensregeln am 1. Januar geändert - Kinder sind dort Menschen bis zwölf Jahre. Der ZAW hat aber schon eine Verschärfung der Regeln angekündigt.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, Klöckner versuche mit ihrer Aufforderung an die Werbewirtschaft "auf billige Weise, sich aus der Verantwortung zu stehlen". Die Ministerin habe es selbst zu verantworten, dass ungesunde Lebensmittel an Kinder beworben werden dürften, sagte Foodwatch-Kampagnenleiter Oliver Huizinga der Nachrichtenagentur AFP.

Freiwillige Selbstverpflichtungen seien "nachweislich ungeeignet, um Kinder vor den übergriffigen Werbestrategien zu schützen", sagte Huizinga weiter. Auch Klöckners eigener wissenschaftlicher Beirat empfehle gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung. "Der Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen darf nicht von unternehmerischen Entscheidungen abhängen, sondern ist eine staatliche Fürsorgepflicht."

Foodwatch hatte im Februar eine Untersuchung vorgestellt, wonach Lebensmittelkonzerne gezielt auf junge Social-Media-Stars setzen, um Süßigkeiten und Snacks an Kinder und Jugendliche zu vermarkten. Die Organisation forderte Klöckner damals auf, dem "Kindermarketing für ungesunde Produkte" einen Riegel vorschieben. Statt unverbindlicher Empfehlungen sei eine gesetzliche Beschränkung der an Kinder gerichteten Werbung für unausgewogene Lebensmittel nötig.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband bemängelte ebenfalls, dass Lebensmittel mit viel Zucker, Fett oder Salz "weiterhin an Kinder vermarktet" würden. Derlei Produkte förderten Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Wirtschaft in diesem Bereich seien "weitestgehend wirkungslos" geblieben.

(W.Budayev--DTZ)

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