Deutsche Tageszeitung - Union und SPD legen Streit über Lieferkettengesetz bei

Union und SPD legen Streit über Lieferkettengesetz bei


Union und SPD legen Streit über Lieferkettengesetz bei
Union und SPD legen Streit über Lieferkettengesetz bei / Foto: ©

Nach langem Streit um das Lieferkettengesetz haben sich die Fraktionen von Union und SPD geeinigt und den Weg für eine Abstimmung im Bundestag noch vor der Sommerpause freigemacht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sprach am Donnerstag von einem "wichtigen" Vorhaben, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte, ihm falle ein "großer Stein vom Herzen". Das Gesetz verpflichtet Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte entlang ihrer Lieferkette. Zuletzt waren noch Details strittig.

Textgröße ändern:

Die Beratung des Gesetzes im Bundestag war wegen der anhaltenden Unstimmigkeiten mehrfach verschoben worden, nun soll eine Beschlussfassung noch im Juni erfolgen. Das Gesetz soll ab 2023 für Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten in Deutschland gelten, ab 2024 dann auch für Firmen ab 1000 Beschäftigten.

Mit dem Gesetz drohen großen deutschen Unternehmen Millionenstrafen, wenn sie ihren Pflichten nicht nachkommen. Die Höhe der Bußgelder orientiert sich am Vergehen sowie der Höhe des Jahresumsatzes. Firmen können außerdem vorübergehend von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden.

Damit endet jedoch die Verantwortung der Firmen - noch einmal verdeutlicht wurde nun, dass eine zivilrechtliche Haftung ausgeschlossen ist. Das hatten mehrere Organisationen gefordert.

Zudem einigten sich die Fraktionen darauf, den Anwendungsbereich des Gesetz auch auf unselbständige Niederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland auszuweiten, wenn sie ebenfalls die Schwelle der Mitarbeiter erreichen, wie Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe (CDU) ausführte. "Wir haben gemeinsam ein gutes Ergebnis erzielt, für das ich die Zustimmung in beiden Koalitionsfraktionen erwarte", erklärte er.

Arbeitsminister Heil erklärte, nun sei klar: "Die unternehmerische Verantwortung für Menschenrechte endet nicht am Werkstor des Unternehmens." Alle müssten sich an die Regeln halten. Das Gesetz werde einen Beitrag für eine faire Globalisierung leisten. Entwicklungsminister Müller rief die EU auf, die deutsche Regelung zur Grundlage eines Vorschlags zur Einhaltung der Menschenrechte in allen europäischen Lieferketten zu machen.

Kritik an dem Gesetz kam vom Industrieverband BDI. "Die geplanten Vorschriften werden insbesondere mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen stellen und an den Umständen vor Ort wenig ändern", hieß es. Die Sanktionen seien zudem "unverhältnismäßig hoch".

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Junge-Union Vize Gehringer fordert Eins-zu-eins-Umsetzung des Rentenkompromisses

Vor dem Deutschlandtag der Jungen Union fordert deren Vize-Bundesvorsitzende Nicola Gehringer die Umsetzung der geplanten Rentenreform gemäß den Vorschlägen der Rentenkommission. "Wir fordern diese Reformen ein", sagte Gehringer am Freitag im Bayerischen Rundfunk. Es liege der Rentenkompromiss einer Fachkommission auf dem Tisch "und der hat auch ein paar Kröten, aber der muss jetzt umgesetzt werden eins zu eins."

Fed-Chef Warsh: KI ist "bedeutsamste" Veränderung für Wirtschaft in meinem Leben

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, hat der Künstlichen Intelligenz (KI) eine enorme Bedeutung für die globale Wirtschaft zugesprochen. "Ich würde sagen, das Aufkommen dieser neuen Technologie ist wahrscheinlich die bedeutsamste Veränderung für die US- und die Weltwirtschaft in meinem bisherigen Leben", sagte der 56-Jährige am Freitag bei einer Veranstaltung im Rahmen der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank im thailändischen Bangkok.

2030 fast zwölf Euro pro Schachtel: Bundestag beschließt höhere Tabaksteuer

Der Bundestag hat eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen. Das Parlamentsplenum stimmte am späten Donnerstagabend mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen für eine entsprechende Gesetzesänderung. Durch sie soll sich der Durchschnittspreis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten bis zum Jahr 2030 um fast vier Euro auf 11,78 Euro verteuern. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erhofft sich dadurch in den kommenden Jahren Steuermehreinnahmen von zusammengerechnet fast zwölf Milliarden Euro.

Unicredit erhält grünes Licht der EZB für Übernahme der Commerzbank

Die italienische Großbank Unicredit hat nach eigenen Angaben die Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Übernahme der Commerzbank erhalten. Die EZB habe erlaubt, die Beteiligung an dem Frankfurter Geldinstitut auf mehr als 30 Prozent und anschließend ohne Obergrenze zu erhöhen, teilte Unicredit am Donnerstag mit. Die Commerzbank wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht äußern.

Textgröße ändern: