Deutsche Tageszeitung - Huawei will mit eigenem Handy-Betriebssystem aus der Defensive kommen

Huawei will mit eigenem Handy-Betriebssystem aus der Defensive kommen


Huawei will mit eigenem Handy-Betriebssystem aus der Defensive kommen
Huawei will mit eigenem Handy-Betriebssystem aus der Defensive kommen / Foto: ©

Der chinesische Telekommunikationsriese Huawei hat seine ersten Handys mit dem eigenen Betriebssystem HarmonyOS an den Start gebracht. Das angesichts des massiven Gegenwinds aus den USA unter Druck geratene Unternehmen präsentierte am Mittwoch an seinem Sitz in Shenzhen die Modelle, die es ohne Googles Android-System auf dem Smartphonemarkt wieder nach vorne bringen sollen.

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"Mit HarmonyOS wollten wir nicht einfach ein weiteres Android oder iOS produzieren", sagte Chefentwickler Wang Chenglu bei der Online-Präsentation mit Blick auf die Konkurrenzprodukte von Google und Apple. "Unsere besonderen Merkmale sind, was Android und iOS fehlt."

So würden HarmonyOS-Smartphone-Nutzer beispielsweise in der Lage sein, auf Dateien, Dokumente und andere Inhalte zuzugreifen - von Computern bis hin zu Wearables wie Smartwatches und anderen verknüpften Geräten, sagte Wang. Das System sei auch in der Lage, eine breite Palette von Apps zu akzeptieren, selbst wenn sie nicht speziell für HarmonyOS programmiert worden seien.

Huawei steht wegen des Handelsstreits mit den USA seit 2019 auf einer schwarzen Liste, die US-Regierung wirft dem chinesischen Unternehmen Wirtschaftsspionage vor. US-Firmen ist es deshalb untersagt, Geschäfte mit Huawei zu machen. Aus diesem Grund liefen die auch in Deutschland beliebten Smartphones bislang nur noch mit einer frei erhältlichen Version des Android-Betriebssystems.

Analysten sehen Huawei nichtsdestotrotz am chinesischen Markt weiterhin gut aufgestellt, da es dort einen riesigen Anteil hat und über zahlreiche Apps verfügt, die größtenteils für chinesische Nutzer konzipiert sind. Aber die globalen Aussichten des Unternehmens dürften sich ohne Google, Amazon oder Youtube trüben, sagte die Expertin Elinor Leung von der Investmentgruppe CLSA.

Allerdings sei die Einbeziehung der Verknüpfungsfähigkeit von HarmonyOS ins sogenannte Internet der Dinge (IdD) vorausschauend. "Alle intelligenten Geräte werden in Zukunft miteinander verbunden sein", sagte Leung.

Huawei ist der weltgrößte Anbieter von Telekommunikationsausrüstung und stieg 2003 in das Geschäft mit Mobiltelefonen ein. Es wurde zu einem der drei weltweit führenden Mobiltelefonhersteller zusammen mit Samsung und Apple - kurzzeitig belegte Huawei im vergangenen Jahr sogar den ersten Platz - angetrieben von der chinesischen Nachfrage und dem Verkauf in Schwellenländern.

Aber die unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump verhängten US-Sanktionen, die das Unternehmen unter anderem von den globalen Lieferketten für Komponenten abschneiden, haben Huaweis Handy-Segment in Unsicherheit gestürzt.

So wurde unter anderem der Zugang von Huawei zu den Chips, die für die Herstellung eines Smartphones benötigt werden, beschnitten. In Folge gingen die Auslieferungen in den vergangenen Quartalen dramatisch zurück. Auch unter Trumps Nachfolger Joe Biden dürfte sich an den Sanktionen vorerst nichts ändern.

Die Schwierigkeiten führten zu einer großen Umstrukturierung des Unternehmens, das 1987 von Ren Zhengfei, einem ehemaligen Ingenieur der Volksbefreiungsarmee, gegründet wurde. So konzentrierte sich Huawei wieder auf den chinesischen Kernmarkt und schuf neue Produktlinien, die als weniger anfällig für den Druck aus den USA gelten.

In einem vergangene Woche bekannt gewordenen internen Memo skizzierte Ren Pläne für einen Vorstoß in die Computersoftware, da "die USA sehr wenig Kontrolle über" Huawei in diesem Sektor hätten. Das Unternehmen hatte zuvor unter anderem angekündigt, mit chinesischen Autoherstellern zusammenzuarbeiten, um intelligente Fahrzeuge zu entwickeln.

(M.Dorokhin--DTZ)

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