Deutsche Tageszeitung - "Zu Besuch bei Freunden": Bundeswirtschaftsminister Altmaier reist in die USA

"Zu Besuch bei Freunden": Bundeswirtschaftsminister Altmaier reist in die USA


"Zu Besuch bei Freunden": Bundeswirtschaftsminister Altmaier reist in die USA
"Zu Besuch bei Freunden": Bundeswirtschaftsminister Altmaier reist in die USA / Foto: ©

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist am Mittwoch als erster Bundesminister seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden in die USA gereist. Altmaier sagte vor dem Abflug in Berlin, es handle sich um einen "Besuch bei Freunden". Bei den geplanten Gesprächen gehe es in erster Linie um den Klimaschutz, um Arbeitsplätze und um die Handelspolitik.

Textgröße ändern:

Es gehe zudem um den "Neustart der transatlantischen Beziehungen", wie Altmaier weiter sagte. Deutschland sei zur Zusammenarbeit bereit: "Es gibt eine ausgestreckte Hand der amerikanischen Regierung, und diese Hand werden wir ergreifen."

Der Wirtschaftsminister wird bei seinem dreitägigen Besuch in Washington unter anderem die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai, Energieministerin Jennifer Granholm und den US-Sonderbeauftragten für Klima, John Kerry, treffen.

Altmaier sagte, er bringe ein "kleines Paket mit zum Klimaschutz"; der Bundestag werde noch in dieser Woche die Klimaschutzmaßnahmen in Deutschland deutlich verschärfen, das Land werde "früher klimaneutral" sein. Die Regierung stelle acht Milliarden Euro zusätzlich frisches Geld für Klimaschutzmaßnahmen bereit; ein Großteil davon solle in Gebäudeenergiemaßnahmen gehen, um für die Bürgerinnen und Bürger die Heizkosten zu senken.

Dass er der erste Bundesminister sei, der in die USA reise, "war nicht geplant", sagte Altmaier. Grund sei, dass Kerry nur am Donnerstag für Gespräche in Washington verfügbar sei. "Das wollte ich gerne nutzen", in der Klimapolitik sei gerade "viel in Bewegung".

In der Handelspolitik gehe es darum, "aufgelaufene Konflikte" aus der Regierungszeit von US-Präsident Donald Trump "Schritt für Schritt" lösen zu können. Mit der Entschärfung des Konflikts um die Flugzeugbauer Airbus und Boeing sei ein erster guter Kompromiss erreicht, sagte Altmaier.

Beim Besuch von US-Präsident Biden Anfang vergangener Woche in Brüssel hatten sich beide Seiten verpflichtet, für fünf Jahre auf Strafzölle zu verzichten. "Mit kommt es darauf an, alle anderen Punkte abzuräumen", sagte Altmaier.

Trump hatte im Juni 2018 auch milliardenschwere Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa verhängt. Nach seiner Ablösung durch Biden verzichteten die Europäer vorerst darauf, ab 1. Juni weitere Gegenzölle im Milliardenwert auf US-Waren zu verhängen, um Raum für Verhandlungen zu schaffen. Altmaier sagte, es werde so kurz vor Beginn der Sommerpause nicht zu großen Vereinbarungen kommen - "wir bereiten jetzt den Weg vor" für Vereinbarungen, die hoffentlich in den kommenden Monaten erzielt würden.

Die Grünen riefen Altmaier auf, bei seinem US-Besuch "wenigstens am Ende seiner Amtszeit noch ein Zeichen zu setzen und für Klimaschutz und fairen Handel zu werben". Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, warf Altmaier vor, bei diesen Themen "in seiner gesamten Amtszeit auf der Bremse" gestanden zu haben. "Immer wieder hat er auf europäischer Ebene eine nachhaltige Handelspolitik und starke Klima- und Sozialstandards in Handelsabkommen blockiert."

Bei Altmaiers Reise wird auch der Streit um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 auf der Agenda stehen. Er werde über das Thema diskutieren - "unter Freunden", betonte der Wirtschaftsminister am Mittwoch.

Die USA sind entschieden gegen die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline, mit der in weitaus größerem Umfang als bislang russisches Erdgas nach Deutschland gebracht werden soll. In Berlin erklärten derweil Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein US-Kollege Antony Blinken, der Streit solle möglichst bis August beigelegt werden.

(A.Stefanowych--DTZ)

Empfohlen

Hohe Preise: Trump setzt vorübergehend Zölle auf Rinderhack aus

Um die Verbraucherpreise zu senken, hat US-Präsident Donald Trump eine temporäre Aussetzung der Zölle auf importiertes Rinderhack angekündigt. Die Zollbefreiung gelte für die Einfuhr von 300.000 Tonnen Rindfleisch in den kommenden 90 Tagen, erklärte Trump am Freitag in seinem Online-Dienst Truth Social. Demnach soll das importierte Fleisch zu einem Preis von 25 Prozent unterhalb des aktuellen Marktpreises in den Handel kommen.

Umfrage: Smart Glasses lösen bei vielen Deutschen Unbehagen aus

Mit Kameras ausgestattete sogenannte Smart Glasses lösen einer Umfrage zufolge bei vielen Menschen Unbehagen aus. 76 Prozent der Befragten möchten nicht mit den Hightechbrillen gefilmt werden, 62 Prozent würden einen Besucher damit nicht ins Haus lassen, wie der Digitalbranchenverband Bitkom am Freitag in Berlin mitteilte. Seiner Umfrage zufolge legen 82 Prozent Wert darauf, dass klar zu erkennen ist, wenn Smart Glasses filmen.

Ramelow soll in Verhandlungen mit Lufthansa für Pilotengewerkschaft VC schlichten

Der Linken-Politiker und langjährige Ministerpräsident Thüringens, Bodo Ramelow, soll für die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) im Tarifkonflikt mit der Lufthansa schlichten. "Mit Bodo Ramelow konnten wir einen erfahrenen Schlichter gewinnen, der für Dialog, Ausgleich und Verlässlichkeit steht", erklärte VC-Chef Andreas Pinheiro am Freitag. Die Lufthansa ernannte ihrerseits den ehemaligen hessischen CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch für die Kernmarke und die Frachttochter Cargo und den Arbeitsrechtler Günther Heckelmann für die Verhandlungen bei den Töchtern Eurowings und Cityline als Schlichter.

Hyundai-Beschäftigte in Südkorea streiken für Anhebung des Rentenalters

Beim südkoreanischen Autobauer Hyundai haben Beschäftigte erstmals seit mehr als zehn Jahren einen ganzen Tag lang die Arbeit niedergelegt. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen rund 40.000 Beschäftigte an dem Streik am Freitag teil. Sie forderten eine Erhöhung der Leistungsprämien um 50 Prozent sowie eine Anhebung des Rentenalters um zwei Jahre. Die Beschäftigten fürchten, in großem Stil durch Roboter ersetzt zu werden.

Textgröße ändern: