Deutsche Tageszeitung - Denkfabrik: Mehr als 600 Kohlekraftwerke in fünf asiatischen Ländern geplant

Denkfabrik: Mehr als 600 Kohlekraftwerke in fünf asiatischen Ländern geplant


Denkfabrik: Mehr als 600 Kohlekraftwerke in fünf asiatischen Ländern geplant
Denkfabrik: Mehr als 600 Kohlekraftwerke in fünf asiatischen Ländern geplant / Foto: ©

Fünf asiatische Länder sind verantwortlich für 80 Prozent der derzeit weltweit geplanten Kohlekraftwerke. Diese Projekte seien eine Bedrohung für die aktuellen Klimaziele, warnte die Denkfabrik Carbon Tracker in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. China, Indien, Indonesien, Japan und Vietnam planen demnach aktuell den Bau von mehr als 600 Kohlekraftwerken. Insgesamt sollen die Kraftwerke 300 Gigawatt Energie erzeugen - das entspricht in etwa der gesamten Erzeugungskapazität von Japan.

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China, weltgrößter Verbraucher von Kohleenergie und weltgrößter Emittent von Treibhausgasen, will laut Carbon Tracker weltweit die meisten Kohlekraftwerke bauen: Derzeit seien 368 Kraftwerke mit einer Kapazität von 187 Gigawatt geplant - trotz der Zusage des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, China bis zum Jahr 2060 klimaneutral zu machen. Indien, der weltweit zweitgrößte Konsument von Kohleenergie, plant demnach 92 Kraftwerke mit 60 Gigawatt Kapazität. Indonesien will 107 Kraftwerke bauen, Vietnam 41 und Japan 14.

Gründe für den Bau neuer Kohlekraftwerke, auch angesichts wachsender Sorgen um die Auswirkungen des Klimawandels, sieht Carbon Tracker in Lobbyarbeit, der Unterstützung nationaler Industrien und der Sorge um die Energiesicherheit. Ökonomisch mache der Bau von Kohlekraftwerken hingegen nur noch wenig Sinn. Erneuerbare Energien wie Solar und Wind würden immer günstiger und in vielen Teilen der Welt bald billiger sein als Strom aus Kohlekraftwerken, erklärte Catherina Hillenbrand Van Der Neyen, Forschungsleiterin bei Carbon Tracker.

"Diese letzten Hochburgen der Kohleenergie schwimmen gegen den Strom", sagte sie. "Erneuerbare Energien sind eine günstigere Alternative, die die globalen Klimaziele unterstützen". Investoren sollten sich deshalb von Kohleprojekten fernhalten, forderte sie.

Experten zufolge ist der Ausstieg aus der Kohleenergie ein zentraler Schritt im Kampf gegen die Klimakrise. Viele Volkswirtschaften im asiatischen und pazifischen Raum verlassen sich jedoch weiter auf fossile Brennstoffe - angesichts beschleunigter Bemühungen in Europa und den USA, die eigene Wirtschaften auf erneuerbare Energien umzustellen, reagieren sie bisher eher langsam. Mehr als drei Viertel der global konsumierten Kohle wurden im Jahr 2019 in der Asien-Pazifik-Region verbraucht, wie der Ölkonzern BP berechnete.

(O.Tatarinov--DTZ)

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